Badminton: Zwieblers zauberhafte Bälle
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 09.11.2007Nach nur 35 Minuten war für Carola Bott der Länderspiel-Auftritt in der Klingenhalle auch schon wieder beendet. Die Bundesliga-Spielerin des FC Langenfeld wirkte frischer, deutlich beweglicher auf den Beinen als Patty Stolzenbach, gegen die sie am Abend zuvor in Rendsburg lediglich ganz knapp in drei Sätzen gewonnen hatte. Im Schnelldurchgang hatte die deutsche Nummer Drei vor rund 750 Zuschauern mit 21:15 und 21:9 den ersten Punkt für Deutschland erzielt.
Wie die meisten ihren Teamkollegen der Deutschen Nationalmannschaft profitierte auch Carola Bott von dem Vorteil, seit Dienstag nicht bei allen drei Länderspielen in Gifhorn, Rendsburg und gestern in Solingen auf dem Platz gestanden zu haben. Die Niederländer waren stets mit dem gleichen Kader angetreten, während Bundestrainer Detlef Poste die Serie nutzte, im Hinblick auf die Mannschafts-Europameisterschaften viel zu testen und bei der Aufstellung zu rotieren. Der gestrige Einsatz von Marc Zwiebler im Mixed war jedoch nicht geplant gewesen. Der Bonner hatte eigentlich nur das Einzel spielen sollen, sprang dann aber auch noch kurzfristig für Tim Dettmann (Berlin) ein, der sich tags zuvor eine Zerrung zugezogen hatte.
Im Rahmen der Rotation gaben auch Oliver Roth und Peter Käsbauer ihr Debüt für Deutschland im Doppel. Ob sie nervös seien, wurde das Duo bei der Begrüßung gefragt. „Es läuft“, entgegneten beide ganz locker. Anschließend machte Peter Käsbauer seinem Spitznamen als „Bayrische Kampfsau“ alle Ehre. Mit teilweise spektakulärem Körpereinsatz gaben weder Käsbauer noch sein Doppelpartner keinen Ball verloren. Bei seinem mit einem Netzroller abgewehrten Satzball zum 20:20 in Durchgang eins allerdings bezahlte er Lehrgeld. Der Rosenheimer jubelte nach seinem Kullerball derart befreit und unpassend auf, dass ihn Ruud Bosch beim nächsten Ballwechsel gleich alt aussehen ließ.
Es war nicht ganz die Erste Garde, die Deutschland in diesen Tagen gegen die Niederlande vertrat. Aber auch die Oranjes, eine der fünf stärksten Badminton-Nationen in Europa, verzichteten auf ihre besten Kräfte. Der Grund: Die besten Akteure aller Länder tummeln sich gerade auf Weltcup-Turnieren, um sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.
Das aber interessierte das begeisterte und fachkundige Publikum in der Klingenhalle nur wenig, denn ihnen wurde dennoch hochklassiges Badminton geboten. Es ging ein Raunen durch die Ränge, wenn ein Ball im Netz hängen blieb. Oder es folgte tosender Applaus nach gelungenen Ballwechseln – insbesondere bei Marc Zwiebler, der bei einigen Bällen zauberte. Am Ende gewann Deutschland nach Siegen im Damen- und Herren-Einzel sowie im Mixed wie an beiden Tagen zuvor gegen die Niederlande mit 3:2.
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