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Handball: Aufatmen nach dem Kantersieg Kollektive Drückeberger

zuletzt aktualisiert: 07.04.2008

Professionelle

Einstellung BTG löst Ticket zur Verbandsliga

Hilgen – HSG Düsseldorf II 37:26 (15:12) – Einen verdienten Erfolg fuhr die TGH im Kellerduell ein und hat damit den Klassenerhalt so gut wie in der Tasche. Bei fünf Zählern Vorsprung und nur noch vier Partien sollte nun nichts mehr anbrennen. Das sah nach dem Spiel auch Interimstrainer Ralph Köhring so: „Jetzt können wir durchatmen und brauchen nur noch einen Punkt – der sollte zu holen sein.“

Die nur rund 50 Zuschauern erlebten einen entspannten Spätnachmittag, weil die Gäste nicht das Format hatten, um für einen Erfolg in Frage zu kommen. Hilgen nutzte das eiskalt aus und zog einsam seine Bahnen. Düsseldorf versuchte es mit einer Manndeckung gegen Hilgens Torjäger Rainer Hantusch. Das sorgte zwar für einen Überraschungseffekt, der aber schnell verpuffte. Nach einer 5:1-Führung (8.) hielt die TGH den Vorsprung über 12:6 (21.) bis zur Pause und sorgte im zweiten Abschnitt endgültig für klare Verhältnisse. Angeführt von den starken Jacek Krajnik und Andreas Liebsch ging es über 20:14 (36.) und 30:21 (51.) schließlich zu einem Kantersieg.

TGH-Tore: Krajnik (10), Liebsch (10/2), Hantusch (7), Heubel, Kessel (je 4), Dittmann (2), Middendorf (1).

TV Aldekerk – HG Remscheid 34:38 (19:18) – Das Verfolger-Duell war eine Partie auf Augenhöhe, bei der die Zuschauer voll auf ihre Kosten kamen. Beide Teams schenkten sich nichts. Nach ausgeglichenem ersten Durchgang setze sich zunächst Aldekerk auf 24:21 (40.) ab, doch vier Minuten später hieß es plötzlich 28:26 für die Remscheider, die in der zweiten Halbzeit kämpferisch noch eine Schippe drauflegten. Knackpunkt der Partie war, als bei den Gastgebern acht Minuten vor dem Spielende Simon Welzel eine 2+2-Minutenstrafe aufgebrummt bekam. Die Schützlinge von HGR-Trainer Mike Novakovic nutzte dies und drehten einen 29:31-Rückstand in eine 34:30-Führung um und gaben diesen Vorsprung bis zum Ende nicht mehr ab. Nicht nur mit dem Erfolg seiner Mannschaft, sondern vor allem mit der gezeigten Einstellung war der HGR-Coach zufrieden: „Das war sehr professionell“, so der Trainer, der seinem Team für heute als Belohnung trainingsfrei gab. Bestnoten verdienten sich bei den Remscheidern, die ohne Markus Breuer (Zerrung) und Christian Pake (Bundeswehr) antraten, Fabian Zarnekow und Torhüter Nijaz Boskailo.

HGR-Tore: Zarnekow, Lange (je 9) Hattig (9/3), Kurzbach (4), Klatt (4/2), Bredehorst (2), Munkel (1).

Hinterher waren sie alle große Drückeberger: Im umfassenden Kollektiv, in Kleingruppen oder beim Tête-à-tête zu zweit – nach Abpfiff, Sieg und Aufstieg wurde im TuS-Lager geherzt, was die Arme hergaben. „Endlich geschafft“, war die meistgebrauchte Zustandsbeschreibung nach dem perfekt gemachten Sprung in die Regionalliga, dicht gefolgt von: „Und jetzt lassen wir es so richtig krachen.“

Damit wurde noch in der Halle begonnen: Der ersten Sekt-Attacke von Daniel Funk und Alexander Jentzsch, die diesmal den bitteren Platz auf der Tribüne einnehmen mussten, folgten ungezählte weitere, wobei die Opfer meist die Chefstrategen waren, wie Manager Klaus Fischbach oder das Trainergespann René Witte/Tim Isenburg.

Verhältnismäßig verschont von klebrigen Schaumwein-Duschen blieb dagegen der Sportliche Leiter Michael Stock. Dabei hatte er zuvor schweißtreibende Schwerstarbeit geleistet. Auf dem Kabinengang mit Aussicht aufs Spielfeld war „Duffy“ angesichts der knappen Spielstände meist selber auf Ballhöhe, gab Tipps und Anweisungen an Bank und Spieler, litt und jubelte ausgiebig mit. „Ich hätte heute unendlich gerne selber gespielt“, grinste Stock hinterher erleichtert.

Gegrinst hat auch Lutz Petri. Der Rückraumspieler, der vergangene Saison seine Karriere verletzungsbedingt beenden musste, war im Oberliga-Aufstiegs-T-Shirt des TuS („Und jetzt?“) nach Lank gekommen und hatte eine präparierte Gießkanne dabei – für René Witte. Hintergrund: Als Petri noch Spieler des damaligen WTV und Witte Coach in Haan war, hatten die Wermelskirchener an einem Karnevalssamstag bei der Unitas haushoch gewonnen und anschließend kostümiert in der Halle gefeiert. Das stieß Witte damals sauer auf, doch Petri rang ihm später das Versprechen ab, im Falle des Aufstiegs der Tenter mit seiner (Petris) damaliger Kopfbedeckung, nämlich besagter Gießkanne, aufzutrumpfen. Eine Bringschuld, die der Tenter Coach am Samstag nach getaner Tat in Lank prompt, wenn auch etwas widerwillig einlöste.

Witte wurde kurz darauf übrigens noch einmal zum Mittelpunkt der Feierlichkeiten, die erst in den frühen Morgenstunden in der angemieteten Gaststätte Keil in Wermelskirchen beendet wurden: In der Kabine setzten sich die Spieler Papp-Kronen auf, stopften sich Kissen unters Aufstiegs-T-Shirt und huldigten „König René“ mit „We are the Champions“.

René Witte (Trainer): „Heute war’s ein ganz schlechtes Spiel. Aber wir haben toll gekämpft und ich bin stolz auf die Jungs. Den Aufstieg und die Feier hat sich meine Mannschaft redlich verdient.“

Klaus Fischbach (Manager): „Zwischenzeitlich bin ich angesichts des Spielverlaufs ziemlich ins Schwitzen gekommen. Wir haben es ja ziemlich spannend gemacht. Aber das interessiert hinterher niemanden mehr. Hauptsache ist, dass die Jungs das geschafft haben. Super.“

Michael Stock (Sportlicher Leiter): „Hut ab vor Lank, die mit der Niederlage höchstwahrscheinlich abgestiegen sind. Sie haben eine tolle Partie abgeliefert und uns das Leben sehr schwer gemacht. Wir haben aber super dagegengehalten. Man kann wirklich sagen, dass jeder einzelne Spieler während der Saison mindestens einmal in einem Spiel einen ,Big Point’ dazu beigetragen hat, damit wir am Ende als Aufsteiger feststehen. Das Kollektiv hat also für den Erfolg gesorgt.“

Lars Hepp (künftiger Trainer): „So richtig kann ich das noch gar nicht fassen. Mit dem Abpfiff ist unendlich viel Druck von uns allen abgefallen, aber gleich wird erstmal gefeiert. Nur schade, dass ich morgen arbeiten muss . . .“

Betreuer Rigo Witte: „Was war das für ein Gurkenspiel, aber was soll’s. Jetzt wird umso mehr gefeiert.“

David de la Fuente (Kreisläufer): „Geil, dass wir’s gepackt haben. Jetzt geht es erstmal in die Gaststätte Keil. Wo wir danach noch feiern gehen, weiß ich nicht. Aber es wird auf jeden Fall abgehen.“

Maxim Trufan (Mittelmann): „Endlich hab’ ich es auch mal geschafft. Ich bin in meiner bisherigen Karriere nämlich noch nie aufgestiegen.“

Burscheider TG – TV Kapellen 31:32 (12:16) – BTG-Trainer Dirk Bauerfeld sprach nach der Heimniederlage Klartext: „Das war‘s.“ In der Tat scheint der Abstieg der Schulberger nach zehn Jahren Oberliga-Zugehörigkeit besiegelt zu sein. Dabei hatten sich die Gastgeber viel vorgenommen, obwohl lediglich knapp 100 Zuschauer ihre Mannschaft noch unterstützen wollten. Zu ihnen gehörten mit Preissegger, Osmic, Grasekamp, Zimmermann und Wolter überraschend auch fünf BTG-Spieler, die zunächst auf der Tribüne saßen. Nach dem Pausenrückstand blieb Julian Sommer mit Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch in der Kabine, Mark Grasekamp wurde für den Kreis nachnominiert. Und: Burscheid startete eine Aufholjagd und hatte mehrfach den Ausgleich in der Hand. Zwar zog Kapellen noch einmal auf 24:20 (43.) weg und hielt einen passablen Vorsprung bis zum 31:28 (58.). Doch in dreifacher Überzahl gelang Carsten Schwamberger schließlich 31:31-Ausgleich. Nun schien alles möglich, doch immer noch in Überzahl kassierte die BTG den 31:32-Endstand und löste damit die Fahrkarte zur Verbandsliga.

BTG-Tore: Galler (8), Hasenwinkel (7), Zulauf (4), Heimann (3/1), Sommer, Schwamberger, Schäfer, Grasekamp (je 2), Radonjic (1).

Quelle: RP

 
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