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Handball: Drama-Derby in Neuenkamp

VON HENNING SCHLÜTER - zuletzt aktualisiert: 12.03.2007

Im Nachbarschaftsduell gegen Gräfrath sahen die Damen der HG Remscheid schon wie der sichere Verlierer aus. Vier Minuten vor dem Ende führte der Gast mit 27:23, bis dahin hatte die HGR bereits stolze sieben Siebenmeter verworfen. Trotzdem kippte die Partie noch. Den Siegtreffer erzielte Daniela Hannemann – ironischerweise per Siebenmeter.

Hier noch am Boden (mit Physiotherapeutin Julia Sharnikau), später obenauf: Daniela Hannemann.  Foto: RPO
Hier noch am Boden (mit Physiotherapeutin Julia Sharnikau), später obenauf: Daniela Hannemann. Foto: RPO

Von Jammern bis Jauchzen – die ganze Klaviatur menschlicher Regungen spielte sich am Samstag beim Drama-Derby der HGR-Damen gegen den HSV Gräfrath ab. Mit einem Paukenschlag am Ende: Nachdem die Gastgeberinnen schon scheinbar aussichtslos zurück lagen, wurde in buchstäblich letzter Sekunde der 28:27 (9:14)-Sieg doch noch perfekt gemacht. Ein starkes Stück Arbeit, das Anlass zu überschäumenden Freudentänzen gab.

Spielerin des Spiels – weil Sinnbild für das Auf und Ab der gesamten Mannschaft – war Daniela Hannemann. Die 28-Jährige hatte sicher keinen Sahnetag erwischt und somit Anteil daran, dass die Gäste aus Solingen zwischenzeitlich mit bis zu sechs Toren führten. Aber: Das Wort „Aufgeben“ gibt es in ihrem Sprachschatz offenbar nicht. Und weil dies bei den Mitspielerinnen ebenso war, zog sich das Team am eigenen Schopf aus der Mini-Krise. „Dass die Mannschaft ungeheuren Willen gezeigt hat, dieses Spiel noch zu drehen, hat mir am besten gefallen“, lobte später HGR-Trainer Jörg Freund.

Alles fing mit einem Siebenmeter an, den HSV-Keeperin Heike Guddas gegen Hannemann parierte. Was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnen konnte: Es sollten sechs weitere verschenkte Strafwürfe der HGR folgen: Gleich viermal vergab Hannemann, zweimal Caro Fisch, einmal Larissa Heil. Die Geschichte des Hinspiels schien sich zu wiederholen, als Gräfrath klar gewann und Jörg Freund hinterher klagte: „Wir hätten noch zehn Stunden spielen können, ohne in die Nähe eines Punktes zu kommen.“

Weil die Gastgeberinnen auch diesmal häufig unkonzentriert agierten und insgesamt uninspiriert wirkten, lag Gräfrath stets vorne. 14:9 zur Pause, 22:16 nach 44 Minuten. Als Fisch und Hannemann dann binnen 60 Sekunden zweimal mit Strafwürfen an Guddas scheiterten (55.) und Gräfrath auf 27:23 erhöhte, schien die Messe endgültig gelesen zu sein. Aber dann: Tor Hannemann, Treffer Heil, zwei erfolgreiche Tempogegenstöße von Maite Lutter – ratzfatz war plötzlich der umjubelte 27:27-Ausgleich da (59.).

Und jetzt ließ sich die HGR nicht mehr bremsen: Zwölf Sekunden vor dem Ende entscheiden die Unparteiischen auf Zeitspiel gegen Gräfrath, im Gegenzug wird Hannemann unfair attackiert – Siebenmeter. Die Gefoulte traut sich trotz der Vorgeschichte und beweist Nerven wie Drahtseile: Rotzfrech tunnelt sie Guddas. 28:27, Abpfiff, unbändiger Jubel. „Am Ende musst du eben stark sein“, grinst Hannemann hinterher keck. Da war aus Jammern längst Jauchzen geworden.

Quelle: RP

 
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