Handball: Genuss-Warnung
VON HENNING SCHLÜTER - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009Sieben Siege auf einen Streich, drei Spitzenteams bezwungen – und nun kommt Schlusslicht SG Dülken: Die Oberliga-Handballer der HG Remscheid unterziehen sich heute (19.15 Uhr) einem öffentlichen Charaktertest.
HGR auf Rekordjagd
Der Rekord datiert vom 9. Dezember 2005. Damals schraubte die HGR ihre Punktausbeute in der Oberliga auf 20:0 Zähler, ehe es wenige Tage später die erste Niederlage gegen Hiesfeld gab. Vier Jahre später schicken sich die Remscheider an, an die damalige Serie anzuknüpfen sie vielleicht sogar ausbauen zu können. Lukas Steinhoff und Tobias Uibel gehörten übrigens damals schon zum HGR-Kader, der am Ende der Saison in die Regionalliga aufstieg.
Der naheliegende Ausdruck, nach drei Spielen gegen Spitzenteams vor dem Duell mit dem Schlusslicht von einem "Kontrastprogramm" zu sprechen, lässt sein serbisches Blut so richtig in Wallung geraten. "Das Wort kenne ich gar nicht", grummelt Mike Novakovic dann: "Für uns sind alle Begegnungen Spitzenspiele."
Bloß nicht übermütig werden, nur ja nicht den Anschein des Lockerlassens erwecken: Novakovic, der Trainer der HG Remscheid, dessen Team mit 14:0 Punkten wie Persil am Oberliga-Himmel thront, warnt gebetsmühlenartig davor, Kontrahenten aus dem Prekariat der Liga als willfährige Opfer zu betrachten. Auch nicht das Schlusslicht SG Dülken, dass heute (19.15 Uhr) nach Neuenkamp kommt und das Remscheider Kontrastprogramm bildet: sieglos, 0:14 Punkte.
Das Komfortable für Novakovic: Ihm gehen die Argumente für Warn-Szenarien nicht aus. Er sagt: "Wenn wir alle unsere bisherigen Spiele klar dominiert hätten, dann könnte man vielleicht ein wenig das Gas wegnehmen. Aber wir haben alle angeblichen Spitzenspiele mit ein wenig Glück und vor allem viel Kampf und Leidenschaft gewonnen." Und keiner mag ihm vehement widersprechen. Er sagt zudem: "In der Vorbereitung haben wir zweimal nur mit Hängen und Würgen gegen Dülken gewonnen." Tatsächlich waren diese Partien zum Fürchten – auch um die Saisonperspektiven.
Dass es nun ganz anders läuft, dass auch ein Ruck durchs Umfeld zu gehen scheint – Novakovic genießt den Moment und warnt vor der Verpflichtung: "Spitze zu werden ist das eine. An der Spitze zu bleiben das andere." Wenn die Mannschaft, bei der in dieser Woche Jacek Krajnik (Grippe) und Carsten Mundhenk (muskuläre Probleme) sowie Nijaz Cickusic (Schmerzen im Rücken) im Training pausierten, abrufe, was sie auszeichnet, "dann können wir gegen jeden Gegner der Liga gewinnen. Wenn nicht . . ." Das Unvollendete kann sich jeder denken, will aber keiner aussprechen. Erst recht nicht vor dem nächsten "Spitzenspiel" heute Abend.
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