Herkulesaufgabe für den FCR
VON HENNING SCHLÜTER - zuletzt aktualisiert: 08.05.2010Im viertletzten Spiel der Saison muss der vom Abstieg bedrohte Niederrheinligist zum mit Ex-Profis gespickten KFC Uerdingen. Dass die Remscheider dabei mit dem beinahe letzten Aufgebot antreten, macht es nicht leichter.
Der Tonfall schwankte zwischen Ironie und Verzweiflung: "Ist hier jemand, der noch einigermaßen gut zu Fuß ist?", fragte Gerd Kentschke, der neue Trainer des FC Remscheid, nach dem 0:0 gegen Kapellen in die Runde der Zuhörer bei der Pressekonferenz. Das war ein verkapptes Vertragsangebot: "Wir können nämlich im Moment jeden Mann gebrauchen . . ."
Tatsächlich geht der FCR inzwischen nicht nur sportlich sondern auch personell am Stock. Die Rote Karte gegen Tuncay Kurmali, der Muskelfaserriss bei Taner Kurmali, die Knieverletzung ("das ist wieder die Kapsel") von Markus Hosnjak – drei weitere Routiniers kostete das Nachholspiel gegen Kapellen. Und da hinterher weitere Spieler (unter anderem Mario Kraft und Ardian Krasniqi ) über Probleme klagten, ist der neue FCR-Coach schon froh, wenn er am Sonntag (15 Uhr) im Gastspiel beim KFC Uerdingen "überhaupt elf gesunde Leute auf den Platz bringen" kann. Und das bei einem Gegner, der zumindest auf dem Papier respekteinflößend ist.
Lazarett in Mannschaftsstärke
Mit "Euro-Eddy" Schmitt als Trainer, mit Ailton und weiteren namhaften Neuzugängen galten die Krefelder als Topfavorit. Sie hinken aber ihren Ansprüchen weit hinterher: Nach dem jüngsten 3:4 in Ratingen ist für den Tabellenfünften bei elf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Homberg die Saison wohl gelaufen. Aber ob das eine Chance für den taumelnden FCR ist, dessen Verletztenliste (Hosnjak, Taner Kurmali, Reckert, Günther, Rahmann, Hastenrath, Hrnjic) schon bald Mannschaftsstärke erreicht?
Couragierter Auftritt
Gerd Kentschke lässt den Mut nicht sinken. Gestern, also genau eine Woche nach seinem Amtsantritt in Remscheid, fragte er entwaffnend: "Wenn Hiesfeld TuRU Düsseldorf bezwingen kann – warum sollten wir nicht bei einer Mannschaft überraschen, die kaum noch Chancen auf den Aufstieg hat?" Ob frisch geschöpftes Selbstvertrauen nach dem zumindest kämpferisch couragierten Auftritt gegen Kapellen oder lautes Pfeifen im dunklen Wald: Der FCR hat eigentlich gar keine andere Wahl, als zu versuchen, das Unmögliche möglich zu machen. Denn Abstiegskonkurrent Viersen muss am Sonntag nach Fischeln und empfängt am letzten Spieltag Kapellen. Da winken durchaus Punkte.
Also muss das beinahe letzte Aufgebot des FCR eine Herkulesaufgabe stemmen: Hinten mit nur zwei gelernten Abwehrspielern (Plate, Grund), vorne mit angeschlagenen Akteuren wie Krasniqi und Hacisalihoglu und dem quirligen A-Junior Kevin Reck. Geschont wird sich jedenfalls nicht, das verspricht Kentschke: "Wir schicken die bestmögliche Formation aufs Feld." Und die soll dann nach dem Motto verfahren: "Hinten dicht, und vorne hilft der liebe Gott."
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