"Ich will keine Sporttrottel"
VON MICHAEL IN'T ZANDT - zuletzt aktualisiert: 04.06.2009Jörg Thomé feiert heute seinen 70. Geburtstag. Seit fast 40 Jahren lehrt der Bayer den Bergischen das Fechten. Mit Erfolg, denn national und international haben die Schützlinge des RSV-Abteilungsleiters einen guten Ruf.
Wenn Jörg Thomé in seiner Fechtmontur mit seinen Schützlingen trainiert, sieht man ihm sein Alter nicht an. Seine Bewegungen sind dynamisch, die Anweisungen kurz, knapp und laut. Man spürt die Leidenschaft, mit der Thomé für seinen Sport lebt. Und man glaubt unter der Schutzmaske seine Augen leuchten zu sehen. Heute feiert der Wahl-Remscheider, den es vor nahezu vier Jahrzehnten aus dem tiefen Süden der Republik ins Bergische verschlug, seinen 70. Geburtstag.
Bei Null begonnen
Seit 1971 ist Jörg Thomé Fechttrainer in Remscheid. Erst beim Remscheider TV, dann beim Remscheider SV. Dazwischen gründete er sogar vorübergehend einen eigenen Fechtklub. Was das Fechten angeht, fing er in Remscheid bei Null an. Er hat sein Ding durchgezogen und sich nie von seinem Weg abbringen lassen, selbst wenn ihm der Wind stark ins Gesicht blies.
"Ich bin ein direkter Typ. Früher", schmunzelt Thomé, "war ich noch wilder." Kaum vorstellbar, wenn man ihn heute erlebt. Seine Geradlinigkeit ist auch der Schlüssel, warum es der bisweilen sture und streitbare Bayer bei den nicht minder sturen und streitbaren Bergischen geschafft hat, nicht nur eine Fechtabteilung aufzubauen, sondern sie bis heute mit Leben zu füllen, Talente zu entdecken und zu fördern.
Zu den größten Talenten zählt beispielsweise Sven-Niclas Rick, den er zur Deutschen Meisterschaft und in die Nationalmannschaft führte und der heute in der Fechter-Hochburg Tauberbischofsheim aktiv ist. "Er war ein Geschenk des Himmels", sagt Thomé, der aber auch mit den Heuser-Geschwistern Sven und Nadine, Niki Linde oder Luisa Frömberg Erfolge feierte.
Allerdings ist Thomé keiner, für den nur Titel und Pokale zählen. Die ganzheitliche Förderung der Sportler hat für ihn Priorität. "Wenn man etwas will, kann man etwas erreichen", lautet sein Credo. Und wenn ein Sportler will, dann schiebt Thomé mit ihm Extra-Schichten. "Wohnzimmer-Training" nennt Thomé die zusätzlichen Einheiten, in denen er dem Sportler in dessen eigenen vier Wänden Tipps und Kniffe vermittelt – ohne es zu übertreiben. "Ich will keine Sporttrottel züchten. Schließlich habe ich die Verantwortung für die Athleten", sagt der Fechtmeister, der als Aktiver mit Weltmeistern und Olympia-Siegern die Klinge kreuzte.
Langsam, aber sicher will er kürzer treten. "Das Haus ist bestellt", sagt Thomé, dessen Nachfolger die Philosophie im Sinne des Lehrmeister fortführen werden. Schließlich waren sie mal seine Schüler.
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