Leichtathletik: In doppelter Mission
VON MICHAEL IN'T ZANDT - zuletzt aktualisiert: 26.10.2011Leichtathletik (RP). Der Hückeswagener Reimund Lenth ist Pfarrer und Läufer. Beim Röntgenlauf wird er zuerst die Andacht für die Teilnehmer halten und danach den Ultra-Marathon laufen. Dabei ist Laufen nur sein zweites Hobby.
Am kommenden Sonntag ist Reimund Lenth in doppelter Mission unterwegs – erst in seiner Eigenschaft als Pfarrer und anschließend als Läufer. Lenth wird zunächst die elfte Auflage des Röntgenlaufs mit der ökumenischen Läuferandacht eröffnen, ehe der Hückeswagener den Ultra-Marathon über 63,3 Kilometer in Angriff nehmen wird.
Dabei ist das Laufen nur ein Nebenprodukt seines eigentlichen Hobbys. Die erste Wahl ist immer noch das Bergsteigen, das er nach wie vor intensiv betreibt, wenngleich er nicht mehr so hohe Schwierigkeitsgrade in Angriff nimmt. "Laufen war eigentlich das Mittel zum Zweck, um die konditionellen Voraussetzungen zu schaffen", blickt Lenth, der verheiratet ist und fünf Kinder (vier Mädchen und ein Junge) im Alter von zwölf bis Jahre hat, auf die Anfänge seiner "Läufer-Karriere" zurück. Und die Idee, einen Ultra-Marathon zu laufen, kam ihm beim Bergsteigen. "Bei Hochtouren ist man auch acht bis zehn Stunden unterwegs. Da müsste es doch möglich sein, diese Zeit auch laufend zu absolvieren", dachte sich Lenth.
Geistlicher Startschuss
Vor dem Startschuss zur elften Auflage des Röntgenlaufs lädt der Evangelische Kirchenkreis Lennep zum geistlichen Startschuss ein. Die kurze ökumenische Andacht für Läuferinnen und Läufer sowie deren Begleitung dauert etwa 15 Minuten. Die Andacht beginnt um 8 Uhr und findet auf dem Platz hinter der Halle 4 (Startnummernausgabe) im Sportzentrum Hackenberg statt.
Drei Jahre Auszeit
Es ist nicht das erste Mal, dass der 49-Jährige, der im November "rundet", am Röntgenlauf teilnimmt. Einmal startete er über die Marathondistanz, fünfmal hat er den "Ultra" absolviert, zuletzt 2008. Danach nahm er sich eine Auszeit, was Folgen hatte. "Ich habe 15 Kilo draufgepackt", erzählt Lenth, der seit 1994 in Hückeswagen lebt und seit 1997 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde ist.
Bei einer Langzeitfortbildung Anfang des Jahres in Wuppertal stand als erster Punkt auf der Tagesordnung: 7 Uhr – Joggen. "Da habe wieder angefangen. Aber es war schwierig, den inneren Schweinehund zu überwinden", gesteht der Hückeswagener, der sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen konnte, dass er am kommenden Sonntag wieder einen Ultra-Marathon laufen würde.
Aber es hat geklappt. "Wichtig ist, dass man ein Ziel hat", sagt der Geistliche, der das Laufen auch als Ausgleich fürs Berufliche sieht. Pfarrer zu sein, ist anstrengend, zwölf bis 14 Stunden pro Tag im und für den Job unterwegs zu sein keine Seltenheit. Doch montags hat er sich seinen Freiraum geschaffen. "Da haben wir keine Veranstaltungen", so Lenth, der diesen Tag mit einem Augenzwinkern "Pfarrer-Ruhetag" nennt. Dann macht er sich schon früh am Morgen auf den Weg, um lange Läufe zu absolvieren, entweder in der Mul (wegen der Steigungen) oder rund um die Neye-Talsperre.
"Das Laufen nutze ich dabei auf unterschiedliche Weise" sagt Lenth. "Mal denke ich an gar nichts und entspanne mich, mal entstehen ganze Predigten im Kopf, mal finde ich Lösungen für Probleme." Auch die Nebeneffekte sind angenehm. "Ich fühle mich wacher, fitter und leistungsfähiger". Und nebenbei sind auch die Kilos gepurzelt.
Am Sonntag läuft Lenth seinen sechsten "Ultra" – auch wegen der Läuferandacht. "Das war ein zusätzlicher Motivationsschub, und man startet mit Gottes Wort."
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