Leichtathletik: Velten läuft in die Nacht von Flandern
VON MARKO PLESNIK - zuletzt aktualisiert: 20.06.2008Vor seinem Start beim 100-Kilometer-Lauf in Torhout/Flandern (heute, 20 Uhr) gibt sich Sascha Velten hochkonzentriert. Nach seinem Ausstieg bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin ist das Rennen in Belgien für Velten die zweite und letzte Chance, sich doch noch für das National-Team und somit für die Weltmeisterschaft im November zu qualifizieren.
Die DM hat der Remscheider auch heute noch nicht ganz verdaut. „Das schwingt immer noch im Hinterkopf mit“, sagt Velten und spricht jetzt auch offen über die Gründe für sein Scheitern: „ Ich war mir vor dem Rennen einfach zu sicher und habe gedacht, dass klappt doch so oder so.“ Eigentlich kein abwegiger Gedanke, schließlich war ihm in den Monaten zuvor sportlich alles geglückt. Wo Velten antrat hatten seine Gegner das Nachsehen. Etwa beim Röntgenlauf, wo er souverän seinen DM-Titel im Ultra-Landschaftslauf verteidigte. Doch die Erfahrung in Berlin hat Velten verändert. Nach zahlreichen Triumphen in Folge musste er lernen mit einer Niederlage umzugehen. Er ist zurückhaltender geworden und hat sich ganz auf sich und sein Training konzentriert. Bewusst hat er den Kontakt zum Bundestrainer ruhen lassen. „Ich will erst die nötige Leistung bringen“, sagt Velten.
Als letzten Test hat der Läufer der LTV-Runners vor zwei Wochen den Menden-Marathon absolviert. Nach 2.41 Stunden überquerte er als Zweiter die Ziellinie. Aus seinem Umfeld waren anschließend auch kritische Stimmen zu hören: Er sei zu schnell gelaufen und habe nun nicht mehr ausreichend Zeit zu regenerieren. Aber Velten fühlt sich gut in Form. Er sei aufgeregt, gehe aber ohne Druck in den Wettkampf. Zuletzt spürte er ein leichtes Zwicken im Knie und ein Ziehen im Oberschenkel, aber Velten winkt ab: „Das sind nur Pseudoschmerzen aufgrund der Nervosität.“
Bereits gestern ist Velten gemeinsam mit seinem Betreuer Heribert Schäfer nach Flandern gefahren. Sie wohnen in einem Hotel unweit des Ziels. Während des Rennens werden ihn zahlreiche Remscheider Lauffreunde an der Strecke unterstützen, darunter Michael Scholz, Frank Steinberg, Torben Kirchner, Inge Raabe und sein Bruder Thomas Velten. Auf seinem Speiseplan standen in den letzten Tagen vorrangig Nudeln, um die Kohlehydrat-Speicher aufzufüllen. Heute Nachmittag wird er durch Flandern spazieren und so die Zeit bis zum Start überbrücken.
Während des Rennens wird Velten von Heribert Schäfer auf dem Fahrrad begleitet, was bei diesem Lauf erlaubt ist. Besonders zwischen Kilometer 50 und 70 soll der Freund ihm über mögliche Schwächephasen hinweghelfen. Die späte Startzeit macht Velten keine Bauchschmerzen. Er hofft, am Samstag morgen gegen drei Uhr im Ziel zu sein. Für ihn gilt es, eine Zeit von 7.09 Stunden zu unterbieten, um sich für das National-Team zu qualifizieren. Egal, wie er das Rennen beendet, anschließend will Velten zunächst eine zehntägige Laufpause einlegen und sich erst dann neue Ziele setzten.
Mehr zur 29. Auflage der „Nacht von Westflandern gibt es im Internet unter www.nvv.be
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