Wermelskirchen: 14-Jährige sprang in den Tod
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 12.01.2008Wermelskirchen (RPO). Die Polizei schließt Fremdverschulden aus. Sie hat Hinweise, dass eine Erkrankung die Ursache für den Suizid sein könnte. Etliche trauernde Mitschüler aus der Realschule mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Aus dem sechsten Stock des Krankenhauses stürzte sich gestern Morgen eine 14-jährige Realschülerin von einem Balkon in den Tod. Das teilten Krankenhaus-Leitung und die Kreispolizei gestern unmittelbar nach dem Unglücksfall mit. „Das Mädchen war nicht mehr zu retten. Wir sind alle sehr betroffen und haben die weiteren Operationen heute erst mal abgesagt“, teilte Prof. Dr. Jürgen Buchholz der Presse mit. Die Ärzte hätten alles versucht, um das Leben der 14-Jährigen zu retten. Sie sei aber nicht mehr zu Bewusstsein gekommen und habe nicht mehr leiden müssen. Auch für ihn und das Team sei dies kein Alltagsfall: „Viele von uns haben selbst Kinder in dem Alter“, weiß Prof. Buchholz. In solchen Fällen sei es auch für die Mediziner gut und wichtig, den hervorragenden Freund und Seelsorger Burkhard Rittershaus im Krankenhaus zu haben.
Das Ärzteteam
Ein ganzes Team mühte sich gestern um die 14-Jährige, die aber wegen der Schwere ihrer Verletzungen nicht mehr zu retten war. Als Erste war die diensttuende Notärztin, Chirurgin Dr. Tanja Schönfuß, am Ort. Sie leistete die Erstversorgung und rief dann den Leitenden Oberarzt der Anästhesie, Dr. Florian Buschkotte, hinzu. Chirurgie-Chef Prof. Jürgen Buchholz und die Anästhesiechefin Dr. Katrin Colinas-Winkler versuchten den Zustand der Patientin zu stabilisieren, was nicht mehr möglich war. Der Notarzt Dr. Detlef Joswig kümmerte sich auch seelsorgerisch um die Schüler in der Kapelle und in der Schulaula.
Selbstmord schon lange geplant?
Denn der war ebenso unmittelbar nach dem Unglück ins Krankenhaus geeilt wie auch der evangelische Seelsorger Alexander Letz, Polizeichef Theo Althoff mit seinen Leuten, die Kreispolizei und natürlich auch Krankenhaus-Geschäftsführer Christian Madsen. Kurz nach dem Suizid hatten sie denn auch eine Gruppe von Realschülern in der Hauskapelle versammelt, die die 14-Jährige begleitet haben sollen. Die Polizei geht nach ihren ersten Ermittlungen gestern aber davon aus, dass es keinerlei Anzeichen für Fremdverschulden an dem Tod der 14-Jährigen gibt. Sie habe vielmehr Hinweise darauf, dass das Mädchen an einer Erkrankung gelitten habe, die Anlass für ihren Suizid gewesen sein könnte. Dies sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, so die Kreispolizei.
Die Schüler hätten allerdings davon berichtet, dass das Mädchen schon längere Zeit vorher über Probleme geklagt habe, für die sie jedoch auch als Mitschüler weder bei Lehrern, noch bei den Eltern die rechten Ansprechpartner gesehen hätten, so Madsen. Gemeinsam habe man dann einen Ort für den Sprung in den Tod gesucht, gab Madsen erschüttert die Schilderungen der Schüler wider. Nach Information der Bergischen Morgenpost muss das Mädchen aber ein fröhliches Wesen, zumindest nach außen hin gezeigt, und Mitschüler bei deren Problemen sogar getröstet haben. Dementsprechend ratlos, betroffen und erschüttert reagierten gestern auch die Mitschüler, die die Verstorbene besonders gut gekannt hatten. Nach Auskunft des Krankenhauses mussten etliche trauernde Schüler in der Ambulanz behandelt werden. Sie hyperventilierten, hatten Kreislaufprobleme. „Die ganz große Aufgabe haben jetzt die Eltern. Das Wochenende steht bevor, da muss zu Hause ganz viel gesprochen werden“, meinte Prof. Buchholz.
Seelsorge in der Realschule
Wie ein Lauffeuer hatte sich indes die Kunde von dem schrecklichen Geschehen in der Realschule verbreitet. Nach und nach strömten die Jugendlichen ins Krankenhaus, wurden dann aber von der Polizei in die Realschule begleitet. Dort beraumte Schulleiter Bernhard Meier sofort eine Vollversammlung in der Aula ein. Die Krankenhaus-Seelsorger, die diensthabenden Notfallseelsorger, die Polizei und Notarzt Dr. Detlef Joswig vom Krankenhaus betreuten die Kinder und Jugendlichen. Weinende Schülergruppen besuchten vor und nach der Versammlung den Ort, an dem sich die 14-jährige in den Tod gestürzt hatte.
Christian Madsen hatte, als er vom Krankenhaus alarmiert worden war, zunächst befürchtet, es könne sich um eine Patientin oder eine Pflegeschülerin handeln. Mit dem Krankhaus habe diese Selbsttötung aber überhaupt nichts zu tun, erklärte er anschließend im Pressegespräch. Die Schülerin sei vielleicht nur auf das Krankenhaus wegen dessen Nähe zur Realschule gekommen, vermutete Christian Madsen.
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