Wermelskirchen: Alle Wohnungen sind reserviert
VON BIRTHE ROSENAU - zuletzt aktualisiert: 28.07.2010Wermelskirchen (RPO). Noch ist der erste Spatenstich für die neun behindertengerechten Appartements der Lebenshilfe nicht gemacht. Doch der Ansturm auf die Einheiten ist groß. Alle künftigen Bewohner arbeiten in der Werkstatt Lebenshilfe.
Die letzten Notarverträge sind unterschrieben, alles läuft nach Plan. Brigitte Thiel, stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe Rhein-Wupper, kann aufatmen, die Vision von den neun behindertengerechten Wohnungen an der Friedrichstraße wird schon bald Realität werden können.
"Direkt nach der Bekanntgabe des Projektes hatten wir genügend Interessenten", bestätigte sie auf Nachfrage. Das sei dem Vorstand der Lebenshilfe auch wichtig gewesen: "Wir wollten ja nicht, dass wir mit unseren Vorstellungen an den Menschen vorbei planen", so Thiel.
250 000 Euro geerbt
Die Bagger sind bereits angerollt, denn bevor etwas Neues entstehen kann, muss das Alte erst noch weichen. Ein marodes städtisches Gebäude, das schon längere Zeit leer steht, wird in diesen Tagen abgerissen. "Wenn das erledigt ist, soll schnellstmöglich der Neubau hochgezogen werden", erläuterte Thiel. Den genauen Zeitplan kennt hingegen nur Lebenshilfe-Vorsitzender Jürgen Löhmer. "Der hat mir vor seinem Urlaub aber versichert, dass alles läuft", so Thiel.
Die Wohnungen
Größe Neun Wohnungen à 47 Quadratmetern mit Wohnküche, Bad, Schlafraum und Terrasse/Balkon. Dazu jeweils ein Kellerraum.
Aussehen Das Wohnhaus mit Pultdach wird auf der linken Seite mit Erlenholz verkleidet, auf der anderen Seite lindgrün verputzt.
Mieter Menschen, die ambulant betreut wohnen wollen.
Kosten Der Bau kostet 1,1 Millionen Euro; die Mieten richten sich nach dem Satz der Sozialämter (4,85 Euro/m²).
Waltraud Kirchner, eine im Mai 2009 verstorbene Wermelskirchenerin, hatte in ihrem Testament die Lebenshilfe als Alleinerbin eingesetzt. Eine riesige Überraschung für alle. Die Viertelmillion Euro soll als Eigenkapital für das etwa 1,1 Millionen Euro teure Bauvorhaben eingesetzt werden – inklusive 750 Quadratmeter Grundstück.
Löhmer hatte bereits im April, als er das Wohnprojekt erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, mit einem großen Andrang auf die je 45 Quadratmeter großen Wohnungen gerechnet. Karl-Heinz Schwarz, Geschäftsführer der Werkstatt Lebenshilfe im Wermelskirchener Industriegebiet, hatte schnell Interessenten gefunden.
Demnach werden die neun neuen Mieter alle Werkstatt-Mitarbeiter sein. "Zum Teil leben diese jetzt noch zu Hause bei ihren Eltern, zum Teil in anderen Wohneinheiten von uns", erzählte Schwarz. Sie kommen aus Wermelskirchen, Wipperfürth, Radevormwald und Hückeswagen und sollen später ambulant in den Wohnungen betreut werden. Vertreten sind alle Altersstufen, der Jüngste ist Ende 20.
Ganz begeistert ist Schwarz von den Wohnungen: Sie seien nicht nur für Rollstuhlfahrer geeignet, sondern zudem zentral gelegen. "Endlich können die Mitarbeiter an einer Stelle zusammen wohnen und gemeinsam etwas unternehmen. Denn wenn sie so weit verstreut sind, dann kommt es doch schnell zur Vereinsamung", so der Werkstatt-Geschäftsführer.
Hohe Mobilität und Eigenständigkeit seien weitere Vorteile. Seiner Meinung nach sei der Bedarf nun für Wermelskirchen weitgehend gedeckt. "Es gibt ein paar Nachrücker, aber keine lange Liste", sagte Schwarz.
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