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Wermelskirchen: Bald jeder dritte Stein porös

VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 20.02.2010

Wermelskirchen (RPO). Seit Mitte Dezember liegt die Baustelle "Kirche Dhünn" still. Die Arbeiten am Turm sind zwar abgeschlossen, doch am Kirchenschiff muss noch viel getan werden. Wahrscheinlich muss auch noch das Dach saniert werden.

Steht auf festem Fundament, ist wieder fest verankert mit dem Kirchenschiff und saniert: Der Turm der Evangelischen Kirche in Dhünn. Foto: RPO

Den Wunsch formuliert Kirchbaumeister Bernd Distel ganz vorsichtig: "Es wäre schön, wenn Weihnachten 2010 unsere Kirche wieder ohne Gerüst dasteht." Doch das Winterwetter und auch der Zustand des Gebäudes werden diesen Wunsch wohl er nicht Wirklichkeit werden lassen.

Denn auch wenn der Turm der Kirche Dhünn aufwändig saniert ist – das Kirchenschiff, die beiden Portale und wahrscheinlich auch das Dach werden noch für eine Menge Arbeit sorgen. Da kommt die lange Frostperiode dieses Winters ganz ungelegen. Denn die Baustelle in Dhünn liegt seit Mitte Dezember still.

2001 wurde festgestellt, dass das Bruchstein-Mauerwerk von Turm und Kirchenschiff, aber auch die Gewände (Steineinfassung) der Fenster und Türen Risse aufwiesen. Ein Gutachten bestätigte den dringenden Sanierungsbedarf: Teilweise konnten Steine mit der Hand rausgezogen werden. Und: Ein Längsriss am Turm sowie an den Seitenkanten des Kirchenschiffes ließ auf Fundament-Absackungen schließen. Doch so schlimm war es nicht, so Distel: "Die Kirche steht auf festem Fundament. Das hat die Kontrolle ergeben."

Info

Die Kosten

Der Turm stammt aus dem 12. Jahrhundert, das Kirchenschiff wurde im 16. Jahrhundert gebaut.

2001 zeigte ein Gutachterbüro der Kirchengemeinde Dhünn den dringenden Sanierungsbedarf auf. Im August 2008 begannen die Arbeiten. Der lange Vorlauf war notwändig, um die Finanzierung und Fragen des Denkmalschutzes zu klären.

Für die Sanierung der Kirche wurden rund 777 000 Euro veranschlagt. Der Turm mit rund 500 000 Euro war der teuerste Teil. Eine Dachsanierung kostet weitere 70 000 Euro.

Doch die Gutachter stellten fest, dass die Verbindung vom Innen- zum Außenmauerwerk nicht mehr vorhanden und ein Hohlraum entstanden war, denn der Mörtel war im Laufe der Jahrhunderte porös geworden und hatte sich mehr oder weniger aufgelöst. Und auch der Turm hatte aus diesem Grund keine Verbindung mehr zum Kirchenschiff.

Ringanker sichert Turm

Mit zwei Kernbohrungen wurden zur Sicherung des Turms zwei Ringanker gesetzt und die Hohlräume mit einem Wasser-Zement-Gemisch verfüllt. Mit bis zu fünf Bar Druck wurde das Material verpresst, so dass in der Kirche teilweise der Putz abfiel und das Gemisch an der Wand runterlief. "Während dieser Zeit konnte auch keine Glocke läuten, denn das Gemisch musste sich setzen und mit dem Mauerwerk verbinden", so Distel.

Kirchbaumeister Bernd Distel auf der Nordseite des Kirchenschiffes: Er begutachtet bereits neu eingebaute und verfugte Bruchsteine. Die Sanierung dieser Seite des Kirchenschiffes könnte bald abgeschlossen werden. Foto: RPO

Danach begann die mühevolle Arbeit: Der zuständige Gutachter klopfte Stein für Stein ab, ob er porös war oder sich abschälte. "Allein auf der Nordseite des Kirchenschiffes mussten bis zu 40 Prozent der Steine austauschen."

Der Turm ist inzwischen fertig, die Spritzverfugung von außen zeigt, wie bald auch das Kirchenschiff aussehen wird. "Wir standen vor der Entscheidung, es zu verputzen. Aber das hätte das optische Bild im Dorf zerstört", so Distel. Der Nachteil: Jetzt muss alle fünf bis sechs Jahre kontrolliert werden. "Das haben wir bisher nicht gemacht."

Stürze gerissen

Auch die beiden Portale werden nach Abschluss der Arbeiten an den Außenfassaden des Kirchenschiffes saniert werden müssen: Die Stürze sind gerissen, die Gewände blättern. Und auch das Kirchendach, so scheint's, wird anschließend komplett saniert werden müssen. "Es ist noch dicht, aber der Schiefer hat sehr gelitten", so Distel, der während der Bauarbeiten wenigstens ein Mal in der Woche auf der Baustelle ist. Er jedenfalls wünscht sich ein baldiges Ende des Winters – nur dann kann's weitergehen auf der Baustelle. Und vielleicht werden die Arbeiten doch vor Weihnachten abgeschlossen.

Quelle: RP

 
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