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Wermelskirchen: „Hier fühle ich mich geborgen“

VON WERNER JANUSZEWSKI - zuletzt aktualisiert: 29.11.2008

Wermelskirchen (RPO). Der offene Mittagstisch des Evangelisch Freikirchlichen Sozialwerkes bietet Bedürftigen von Montag bis Freitag eine warme Mahlzeit. 15 bis 25 Menschen nutzen das Angebot täglich.

Gestern betreuten (v.l.) Veronika Ortwein, Elmazä Abdula, Dagmar Matteikat und Karl-Heinz Schopphof die Gäste, die zum offenen Mittagstisch kamen. Foto: RPO

„Manchmal ist’s hier ganz schön krass – dann merken wir, dass wir inzwischen eigentlich zu wenig Platz haben“, sagt Veronika Ortwein. „Wenn wir einen Raum mehr hätten, würde uns das viel helfen“, fügt sie hinzu. „Wir“ – das ist das „Evangelisch-freikirchliche Sozialwerk“, das an der Thomas-Mann-Straße den „offenen Mittagstisch“ anbietet.

Ein Duft von leckerem Mittagessen zieht durch das alte bergische Fachwerkhaus. Vor etwa einer halben Stunden ist Mittagessen angekommen, das täglich von der Obi-Kantine gespendet wird. Brot und auch mal Kuchen stiften die Bäckereien Bauer, Kretzer und Forbriger. Und freitags kommt meist auch noch eine Essenspende von der Kantine der Lebenshilfe.

„Was wir bekommen, ist täglich eine neue Überraschung“, sagt Veronika Ortwein. Sie leitet an diesem Tag die Betreuergruppe, die immer freitags von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Dabringhausen gestellt wird. Das meist vierköpfige Team holt nicht nur die Essenspende in der Obi-Kantine ab, sie wärmt die Speisen auch in Mikrowellenherden auf und serviert sie in dem kleinen Raum, in dem vielleicht 15 Gäste Platz finden. Auch wenn’s eng ist – der Raum ist warm und strahlt eine gewisse Gemütlichkeit aus. Und eine Frau sagt: „Hier fühle ich mich geborgen.“ Diesmal stiftete die Kantine Fisch, Kartoffeln, Gemüse, Salat.

Info

Offener Mittagstisch

Der offene Mittagstisch wurde früher von Maria Heilsberger „betrieben“. Am 1. Januar 2002 wurde das Evangelisch Freiklirchliche Sozialwerk gegründet, das dann den Mittagstisch übernahm. Die Räumlichkeiten stellt die Stadt zur Verfügung.

Gemeindeglieder aus den evangelischen Freikirchen Dhünn (montags), Neuschäferhöhe/Neuenflügel (mittwochs), Schillerstraße (donnerstags) und Dabringhausen (freitags) betreuen an festen Tagen den Mittagstisch. Dienstags kommen die Teams wechselweise. Weil es eine kirchliche Einrichtung ist, wird vor dem Essen gebetet.

Die Mitglieder des Sozialwerkes zahlen 60 Euro Beitrag pro Jahr.

Es fehlt an allen Ecken

Gerd, einer der Gäste, lässt sich die Portion Gemüse mit Kartoffeln schmecken. „Das Essen ist gut. Ich komme etwa dreimal in der Woche hierher“, sagt der Hartz-IV-Empfänger, der alleine lebt. Vielen der Gäste geht’s wie Gerd. „Sie bekommen zwar Geld über das Hartz-IV-Gesetz, doch es fehlt an allen Ecken und Ende. Und darum kommen sie zu uns, um vor allem zum Monatsende hin eine warme Mahlzeit zu bekommen“, sagt Veronika Ortwein. Übrigens sind die meisten der Gäste allein lebend. „Und Mütter mit Kindern waren schon seit längerem nicht mehr hier“, berichtet Veronika Ortwein. „Eine Mutter mit Kind, die bis vor einige Zeit kam, hat inzwischen einen Job bekommen. Und nun reicht’s wohl fürs bescheidene Leben“, weiß die Gruppenleiterin.

Kommen können die Bedürftigen von Montag bis Freitag. Am Wochenende und an Feiertagen bleibt das Haus geschlossen, weil man dann keine Essensspenden bekommen kann. Das gilt auch für den Heiligen Abend. Doch dieser Tag ist eine Ausnahme: „Wir haben trotzdem geöffnet und kochen an diesem Tag selber etwas“, sagt Veronika Ortwein.

Ein besonderer Tag wird auch der 12. Dezember sein. „Ortwein: „Dann richten wir im Gemeindezentrum in Dabringhausen-Huhfuhr eine Weihnachtsfeier aus. Dazu holen wir unsere Gäste um 18 Uhr an der Thomas-Mann-Straße ab. Im Gemeindezentrum der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Dabringhausen können sich die Gäste dann Gulaschsuppe oder Käse-Lauch-Suppe schmecken lassen. Es wird einen Nachtisch geben – und jeder bekommt auch noch eine Weihnachtstüte. Gestern übrigens hatte Obi neben dem Mittagessen auch einige Adventskalender und etliche Süßigkeiten mitgegeben. „Das war dann auch für uns einmal mehr eine schöne Überraschung, hilft es uns doch beim Füllen der Weihnachtstüten“, freut sich Veronika Ortwein.

Quelle: RP

 
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