Wermelskirchen: Behinderte im Rampenlicht
VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 13.05.2010Wermelskirchen (RPO). Elf Menschen mit geistiger Behinderung proben unter professionellen Bedingungen ein Theaterstück. Auf der Bühne gewinnen sie Selbstvertrauen für ihr tägliches Leben. Regisseur Bardia Rousta nimmt sie hart ran.
"Ich mag diese böse Rolle. Das törnt mich richtig an." Christian Büche weiß, was er will. Auch wenn er aufgeregt ist. Und dies auch nicht verbergen kann. Schließlich sitzt er zum ersten Mal in einem Pressegespräch. Aber wer ihn wenig später auf der Bühne bei der Probe sieht, erkennt – er fühlt sich in der Rolle des "Srooge" wohl. Da "pfeift" er seinen Mitarbeiter in einem Tonfall an, als hätte er nie etwas anderes als Schauspielerei gemacht.
Büche ist geistig behindert, wie auch die zehn anderen Mitspieler. Für sie aber kein Grund, nicht zu schauspielern. Und in Bardia Rousta, Theaterschauspieler und Katt-Mitarbeiter, haben sie einen Regisseur gefunden, der Erfahrung hat in der Arbeit mit geistig Behinderten: Er packt sie nicht in Watte – sie müssen bei ihm hart ran. So gewinnen sie Selbstvertrauen – um mit dieser neuen Selbstsicherheit den Alltag zu bewältigen.
"Theatermut"
Was LVR-Projekt "Theatermut" - Menschen mit geistiger Behinderung spielen Theater
Das Stück "A Christmas Carol - Ein Weihnachtslied" nach dem Roman von Charles Dickens
Premiere 28.11.2010 Katt
Probe Di., 18 bis 20 Uhr, Katt
Wer Mitwirkende sind: Jens Ahlefeld, Halil Akdemir, Beatrix Amerding, Christian Büche, Klaus Kramer (alle Leichlingen), Corina Freitag, Friedhelm Kissing (Beide Burscheid), Heinz-Willi Ingenwerth, Michael Neumann, Frank Weigand (alle Wermelskirchen)
Elf Menschen mit Behinderung aus Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen stehen im Rampenlicht. Im Herbst wurde das betreute Theaterprojekt vom Heilpädagogischen Zentrum des LVR in Burscheid ins Leben gerufen. Dort sind die Heilpädagogischen Hilfen für den Rheinisch-Bergischen Kreis ansässig. Teamleiter Rainer Rave und seine Kollegen schaffen ein Angebot für die Persönlichkeitsentwicklung und die Freizeitgestaltung. Hier besonders auch für Menschen, die erst kürzlich aus stationären Einrichtungen in eigene Wohnungen gezogen sind.
Tagsüber in der Werkstatt
Auf der Bühne, so der erste Erfahrungsbericht der Teilnehmer, die in der Wermelskirchener Werkstatt Lebenshilfe arbeiten und nach Feierabend der Schauspielerei nachgehen, haben sie Erfolgserlebnisse und können ihre bisher noch nicht ausgelebten Fähigkeiten erkennen und diese weiterentwickeln. "Sie sind schon mit Freude und Leidenschaft dabei, aber es ist harte Arbeit. Es ging gleich in die Vollen. Denn sie müssen eine Menge Text büffeln." Da hilft dann schon mal am Wochenende LVR-Mitarbeiterin Bettina Schmitz nach.
Rousta sieht kein Problem, mit Menschen zu arbeiten, die aufgrund einer geistigen oder mehrfachen Behinderung unterschiedlicher Schwere schon Hilfebedarf haben. "Sie haben große Schritte gemacht. Und ob behindert oder nichtbehindert – alle Schauspieler haben ein Problem: Den Text zu lernen." Er jedenfalls sieht schon Talente auf der Bühne.
Mit der Arbeit der Theatergruppe möchten der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und Rave Türen aufstoßen: Einerseits ein attraktives regionales Angebot für Menschen mit geistiger Behinderung zu entwickeln und ihnen die Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, andererseits aber auch das Kulturangebot in dieser Gesellschaft zu erweitern. "Und mein Traum ist, in der Katt ein Theater-Festival zu etablieren." Denn hier sei richtig professionelles Arbeiten möglich.
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