Wermelskirchen: Demenzkranke in der Klinik
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 23.01.2008Wermelskirchen (RPO). Alzheimer- und sonstige Demenzkranke können den Ärzten oft nicht mehr sagen, wo es ihnen weh tut. Im Krankenhaus finden sie sich oft orientierungslos wieder. Doch das Pflegekonzept des Krankenhauses umfasst auch eine professionelle Betreuung für Demenzkranke.
„Demenz, das bedeutet: Der Geist geht weg“, veranschaulichten Pflegedienstleiterin Monika Willms und Jürgen Brückers, der Leiter der Pflegeschule des Krankenhauses, gestern dem Seniorenbeirat anschaulich. Gemeinsam mit dem neuen Krankenhaus-Geschäftsführer Christian Madsen und dem Ärztlichen Leiter, Dr. Peter Wagner, standen die beiden dem Seniorenbeirat Rede und Antwort zu einer besonders brisanten Thematik: „Wie werden demenzkranke Patienten im Krankenhaus Wermelskirchen betreut?“
Sie laufen auch mal weg
Denn natürlich können auch Demenzkranke zusätzlich akut krank werden, so dass sie im Krankenhaus versorgt werden müssen. Aber Demenzkranke sind besondere Patienten: In fortgeschrittenem Stadium können sie den Ärzten, Schwestern und Pflegern nicht mehr sagen, wo es ihnen weh tut. Sie verlieren die Orientierung, finden sich im Krankenhaus nicht zurecht. Sie haben keinen festen Tag-und-Nacht-Rhythmus mehr, vergessen zu essen und zu trinken. Und manchmal laufen sie auch einfach weg. Wieder andere werden richtig böse, sogar aggressiv und greifen auch körperlich an: Alle diese Beispiele kennen Monika Willms und Jürgen Brückers aus ihrer langjährigen Pflegeerfahrung.
Anlaufstellen
Angehörige von Demenzerkrankten können Rat, Hilfe und Erfahrungsaustausch finden bei folgenden Stellen: „Gesprächskreis für pflegende Angehörige“, Kontaktperson ist Katharina Sacher, Tel. 89668. Im Krankenhaus selbst vermittelt der Soziale Dienst auf Wunsch weiter an Selbsthilfegruppen, an die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft oder den Fachdienst Demenz in Remscheid. Eine Diagnostikstelle gibt es auch in der Lüttringhausener Stiftung Tannenhof. Außerdem zieht das Krankenhaus immer einen Neurologen zur Diagnostik von Demenzerkrankungen hinzu.
Sie beschönigten die schwere Realität des Umgangs mit den Demenzkranken nicht und gaben zu, dass auch schon mal Patienten weggelaufen sind: „Wir können sie nicht fixieren und wollen ihnen auch nicht die Menschenwürde nehmen, indem wir ihnen den Stationsnamen auf den Rücken schreiben“, betonte Monika Willms.
Besonders wichtig sei die Ansprache der Demenzkranken, die wegen der fortschreitenden Verfalls ihrer geistigen Fähigkeiten nicht mehr über den Intellekt zu erreichen seien. Deshalb arbeite das Krankenhaus mit der Validationsmethode der amerikanischen Wissenschaftlerin Naomi Feil, führten Brückers und Willms aus. Diese zielt darauf ab, den Demenzkranken zu respektieren, sich als Pfleger und Arzt mit Empathie in dessen Welt hineinzufühlen. Dabei bemühen sich die Krankenhausmitarbeiter aber trotzdem, sie selbst zu bleiben, um den Demenzkranken nicht zu verkindlichen.
Ganz wichtig sei auch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen. Die seien besonders bedeutend für eine möglichst umfassende Informationssammlung über den Demenzkranken, die dem Krankenhaus dann wiederum helfe, mit dem Patienten umzugehen, ihn besser verstehen zu können. Da die Angehörigen jedoch durch ihre demenzkranken Verwandten zumeist körperlich und seelisch enorm belastet seien, vermittle das Krankenhaus auch ihnen weitere Hilfen und Stellen der Entlastung, betonte Monika Willms.
Es gibt nicht mehr Pflegepersonal
Mehr Personal gibt es allerdings auch im Wermelskirchener Krankenhaus nicht, wenn dort, wie überall, auch immer mehr Demenzkranke versorgt werden müssen. Lediglich über die so genannte DRG-Abrechnung (Diagnostic Related Groups) könne der Mehraufwand indirekt verrechnet werden, führte Krankenhaus-Geschäftsführer Christian Madsen aus.
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