Wermelskirchen: Deweco schließt Fabrik
VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 26.08.2011Wermelskirchen (RP). Der Verbandsstoffproduzent hat 15 Mitarbeitern gekündigt – produziert wird künftig ausschließlich in Tschechien. Geschäftsführer Gundolf Wüsthoff: "Nur noch Verluste." Arbeiter bekamen für Juli auf Antrag nur Lohnvorschuss.
Der Verbandsstoffhersteller Deweco Dr. Wüsthoff & Co schließlich seine Produktionsstätte in Neuenhaus zum 31. Januar 2012. 15 Arbeitern ist Ende Juni zum Termin gekündigt worden.
Produziert wird künftig ausschließlich in Tschechien, wo das Unternehmen seit 15 Jahren einen zweiten Betrieb hat. Bei einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Solingen kam es gestern bei vier Betroffenen zu keiner Einigung.
Gütetermin vor Arbeitsgericht
Fünf der 15 Arbeiter hatten eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Bei einem kam es gestern zum Vergleich: Der Mitarbeiter kann bereits zum 31. August sein Arbeitsverhältnis verlassen.
Das Unternehmen
Deweco Udo und Gundolf Wüsthoff sind die Geschäftsführer des Verbandsstoff-Herstellers.
Produkte Deweco stellt und dem Label von Kunden Mullbinden und Kompressen her. Die werden an Kliniken oder Apotheken geliefert. Auch Erste-Hilfe-Kits für Autos stellt das Unternehmen zusammen.
Die übrigen Mitarbeiter müssen den Kammertermin im November abwarten - der Richter machte ihnen aber wenig Hoffnung angesichts der Informationen, die die Geschäftsführung im Gütetermin mitteilte. Letztlich geht's wohl weniger um die Fortsetzung der Arbeit denn um eine Abfindung.
Geschäftsführer Gundolf Wüsthoff erläuterte, dass nicht die Firma, sondern nur die Produktion am Standort in Neuenhaus stillgelegt werde. "Wir sind in Deutschland nicht mehr konkurrenzfähig. Wir machen nur noch Verluste."
Der Druck aus China sei zu groß. Deshalb werde die Produktion von Steril-Produkten ganz nach Tschechien verlagert. Lediglich zwei technischen Angestellten aus dem Betrieb werden über den Kündigungstermin hinaus weiterbeschäftigt – sie gelten aufgrund ihrer Betriebszugehörigkeit als "ordentlich unkündbar" und gehen nächstes Jahr in Rente. Nicht betroffen von der Kündigungswelle sind die fünf kaufmännischen Angestellten.
Die 15 Arbeiter haben in den vergangenen Wochen auch nicht pünktlich ihren Lohn bekommen. Wüsthoff bestätigte dies: Ein Großkunde sei ausgefallen, dadurch sei es zu verspäteten Abrechnungen gekommen. "Aber alle Mitarbeiter bekommen auf Antrag 70 Prozent ihres Netto-Lohns als Vorschuss. Davon haben viele Gebrauch gemacht." Das werde entweder bar oder per Schnellüberweisung ausgezahlt.
"Kein Geld mehr vorhanden"
Chancen auf eine Einigung mit den gekündigten Mitarbeitern sieht Wüsthoff auf Nachfrage von Arbeitsrichter Carsten Gironda nicht: "Es ist kein Geld mehr vorhanden."
Arbeit scheint Deweco noch genug zu haben, erzählte eine gekündigte Mitarbeiterin in der Sitzung. Es werde voll gearbeitet, teilweise müssten sogar Überstunden geleistet werden. Deshalb verstehe sie auch nicht, warum der Lohn nicht gezahlt werde.
Ein Statement zur Situation wollte Geschäftsführer Gundolf Wüsthoff gestern für das Unternehmen nicht abgegeben.
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