Wermelskirchen: Diakonie als Unternehmen
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010Wermelskirchen (RPO). Geschäftsführer Peter Siebel leitet die Diakoniestation seit Jahren bereits als ein wirtschaftliches Unternehmen. Nun vertritt er seine Dienstleistungsbranche auch in der Industrie- und Handelskammer und füllt damit eine Lücke.
Die Diakoniestation bestand ursprünglich aus einer Gemeindeschwester, zumeist einer Diakonisse mit Häubchen. Heute ist sie ein modernes Unternehmen, das wirtschaftlich geführt wird, sich inhaltlich aber weiterhin nach den diakonischen Grundsätzen ausrichtet: Das betont Geschäftsführer Peter Siebel, der die Diakoniestation in die neue Zeit geführt hat. Folgerichtig hat er sich nun auch in die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Köln/Rhein-Berg wählen lassen und füllt damit eine Lücke. Denn bei einem mehr zufälligen Besuch der IHK-Geschäftsstelle in Opladen war er mit der IHK-Geschäftsführerin Eva Babatz ins Gespräch gekommen. Die Fragestellung lautete dabei: Warum gibt es bis dato eigentlich keinen Vertreter des Dienstleistungs- und Gesundheitswesens in der Vollversammlung, dem Kontrollorgan der IHK?
Unternehmensdaten
Die Diakoniestation beschäftigt 120 Mitarbeiter und versorgt etwa 340 Kunden. 23 Pkw und zwei Busse der Diakoniestation sind etwa 350 000 Kilometer im Jahr im Stadtgebiet unterwegs. 2008 wurden insgesamt 182 000 Pflegeeinsätze bilanziert, für 2009 wird die Einsatzzahl nach Einschätzung von Peter Siebel ebenfalls in diesem Bereich bleiben. Die Diakoniestation unterhält neben dem ambulanten Pflegedienst, die hauswirtschaftliche Versorgung, die Tagespflege, den Menuedienst, die Wohngemeinschaft für Demenzkranke und eine Einrichtung des Betreuten Wohnens.
Wie ein Aufsichtsrat
Peter Siebel machte sich schlau und kandidierte. Nun hat er am 3. März seine erste Sitzung in dem Gremium vor sich, das mit seinen 110 Mitgliedern so etwas wie einen Aufsichtsrat der Industrie- und Handelskammer darstellt. "Für unsere Diakoniestation ist es besonders wichtig, dass wir jetzt auch Mitglied im örtlichen IHK-Wirtschaftsgremium sind", freut sich Siebel. Denn auf diese Weise könne er wichtige Kontakte zu örtlichen Unternehmen knüpfen und auf das Leistungsspektrum der Diakoniestation aufmerksam machen: "Es wird für die Firmen immer wichtiger, familienfreundlich zu sein, um gute Nachwuchskräfte zu binden oder zu bekommen", weiß Siebel und betont dazu die Möglichkeiten der Diakoniestation in dem noch recht neuen Netzwerk "Beruf und Pflege". Er sieht aber auch über den Tellerrand seiner "Firma" hinaus. Schließlich seien auch Einrichtungen wie das Krankenhaus, die Pflegeheime Haus Vogelsang und carpe diem GmbHs und somit automatisch in der Industrie- und Handelskammer gemeldet. Aber bislang seien die Einrichtungen für Dienstleistung und Gesundheitswesen dort stiefkindlich behandelt worden: "Wir sind nicht im Blick, dass wir dazu gehören", beklagt Siebel, der aber genau in diesem Punkt seinen wichtigsten und ersten Arbeitsansatz sieht.
Politische Anliegen
Dabei will er auch bewusst machen, dass seiner Meinung nach in der IHK zur Zeit noch ein Ungleichgewicht besteht: "Wo der industrielle Bereich doch immer mehr zurückgeht und die Dienstleistung immer mehr in den Vordergrund rückt, muss dieser Sektor auch besser in der IHK vertreten werden", fordert der Neue im Kontrollorgan der Kammer. Denn er weiß, dass die IHK auch immer wieder politische Forderungen und Stellungnahmen herausgibt, die zuvor von der Vollversammlung "abgesegnet" werden. Und an gesundheitspolitischen Anliegen gebe es nun wirklich keinen Mangel, betont der Geschäftsführer der Diakoniestation.
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