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Wermelskirchen: Die Politik unterstützt das örtliche Krankenhaus Wunsch: Keine ärztliche Leistung mehr umsonst

zuletzt aktualisiert: 14.08.2008

Wermelskirchen (RPO). „Wirkt sich der drohende Ärztenotstand auch auf das Wermelskirchener Krankenhaus und auf die Hausärztepraxen aus?“, fragte Karl-Heinz Wilke als Moderator der CDU-Veranstaltung zum Gesundheitswesen Landrat Rolf Menzel. Schließlich gebe es bereits Probleme im Krankenhaus mit der Besetzung von Oberarzt-Stellen, fügte Wilke hinzu. Der Landrat gab allerdings Entwarnung: „Ein Ärztemangel macht sich im Rheinisch-Bergischen Kreis bisher nicht bemerkbar. Wir haben derzeit eine Bedarfsdeckung von 110 bis 150 Prozent, je nach Fachausrichtung. Selbst wenn alle 60-jährigen Hausärzte ihre Zulassung abgeben, dann hätten wir immer noch eine 95prozentige Versorgung“, betonte der Landrat, fügte aber hinzu: „Das muss natürlich keine Beruhigung auf Dauer sein.“

Krankenhaus hat Daseinsanspruch

Wilke wollte aber auch wissen, ob für Wermelskirchen das Krankenhaus durch den Rheinisch-Bergischen Kreis und die Stadt beibehalten und nicht etwa in eine sonstige Trägerschaft überführt werden soll. Immerhin seien von den 2000 Krankenhäusern in Deutschland nur noch ein Drittel in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft, der Rest in privater und kirchlicher „Hand“. Menzel antwortete: Das Wermelskirchener Krankenhaus habe auch einen wichtigen Stellenwert für die Infrastruktur der Stadt und somit einen Daseinsanspruch. Deshalb sei diese GmBh auch anders zu betrachten als sonstige Unternehmen, aus denen die Anteilseigner natürlichGewinnausschüttungen erhielten.

Eine gute Zukunftsperspektive

Auch CDU-Landtagsabgeordneter Rainer Deppe brach eine Lanze für den Fortbestand des Wermelskirchener Krankenhauses in kommunaler Trägerschaft. Das Wermelskirchener Krankenhaus habe ebenso wie die drei kirchlichen Hospitäler in Bergisch Gladbach eine gute Zukunftsperspektive, die es auch durch die Politik zu unterstützen gelte. Das wiederum freute den Geschäftsführer des Krankenhauses, Christian Madsen: „Ich finde es ganz toll und bin sehr dankbar zu hören, dass wir auch von der Politik unterstützt werden“, sagte Madsen. Er betonte aber auch: „Wir wissen, dass wir wirtschaften müssen.“

Keiner könne es sich heutzutage mehr leisten, ein Krankenhaus nicht auch wirtschaftlich zu führen. Allerdings sei das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Anspruch und der menschlichen Seite der Patientenbetreuung gewaltig und werde sich noch verschärfen. Deshalb sei für eine dringend notwendige Budgetsteigerung jetzt unbedingt die Politik gefordert, appellierte Christian Madsen. Dabei hoffe er auch auf das Bündnis „Rettet die Krankenhäuser“, sagte er und freute sich über die Anwesenheit von Rainer Deppe und des Vorsitzenden des Marburger Bundes, Rudolf Henke, die sich in diesem Bündnis engagieren.

Nicht nur die Geschäftsführung des Krankenhauses erhofft sich durch politische Einflussnahme eine Erhöhung des Budgets. Für die niedergelassenen Ärzte sprach der Onkologie-Facharzt Dr. Jörn Kohnke einen zentralen Wunsch aus: „Wir müssen die Aussicht bekommen, für unsere Arbeit auch eine kalkulierbare Summe zu bekommen“, sagt Dr. Kohnke, der auch Mitglied im Aufsichtsrat des Krankenhauses ist. „Ich wünsche mir, dass wir künftig keine Leistung mehr umsonst erbringen müssen“, sagte Dr. Kohnke.

Mehr Planungssicherheit für Ärzte

Denn die Geldmenge bleibe einerseits für die Arztpraxen dieselbe, während sich auf der anderen Seite die Leistungen immer mehr steigerten, erläuterte der Mediziner. Damit nicht die Gefahr bestehe, Einzelleistungen verweigern zu müssen, wünsche er sich eine Mengenbegrenzung. Fazit: Mehr Planungssicherheit sei für die niedergelassenen Ärzte von besonderer Wichtigkeit.

Ein Mangel an niedergelassenen Ärzten sei zwar momentan im Rheinisch-Bergischen Kreis noch nicht akut, bezog sich Dr. Kohnke auf die Worte des Landrates. Aber er befürchte, dass es wegen der fehlenden Planungssicherheit künftig immer schwerer werde, Nachfolger für die Arztpraxen zu finden. Heute überlegten sich schon viele junge Leute, ob sie überhaupt Medizin studieren sollen, wo es doch weitaus wirtschaftlich interessantere Berufe als den des Arztes gebe. Das Krankenhaus hingegen betrachtet Dr. Kohnke auch als einen Betrieb, der Arbeitsplätze schafft. Obwohl dieser „Betrieb“ nicht nur unter wirtschaftlichen, sondern auch aus sozialen und lokalpatriotischen Gesichtspunkten zu betrachten und zu unterstützen sei, meinte er. „Die Wermelskirchener wollen schließlich ihr Krankenhaus vor Ort“, weiß er aus eigener Erfahrung.

So wie Dr. Jörn Kohnke als niedergelassener Arzt und Aufsichtsratsmitglied ein Bindeglied zum Krankenhaus darstellt, so wünscht sich Geschäftsführer Christian Madsen generell eine noch engere Kooperation zwischen Krankenhaus und Hausärzten. Gerade für den neuen Westflügel möchte er niedergelassene Ärzte gewinnen und die Ärzte zu Foren ins die Fachabteilungen des Krankenhauses einladen.

Quelle: RP

 
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