Wermelskirchen: Die Stadt muss nachbessern
VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 22.10.2007Wermelskirchen (RPO). „Wir haben bei einer Zusammenkunft mit Stadt und dem Bauträger viele Ideen gesammelt. Doch was wurde daraus gemacht? Der Spielplatz wurde ,hingerotzt’.“ Scharfe Worte von Ralf Schmitz. Moderater, wenn auch inhaltlich mit der gleichen Intension, unterstützen ihn die übrigen Eltern.
"Heißer Draht"
Der „Heiße Draht“ der Bergischen Morgenpost ist längst etabliert in Wermelskirchen – haben Bürger etwas auf dem Herzen, rufen sie in der Redaktion an. Wir versuchen zu helfen, wo wir können. Machen Dinge publik, die sonst im Verborgenen schlummern würden. So manches ist bewegt worden in den vergangenen Jahren.
Gestern machte die Redaktion den nächsten Schritt: Mit dem „Sonntagstreff“ in die Wohngebiete. Etliche neue Bürger der Siedlung „Auf dem Kamp“ zeigten sich dem aufgeschlossen – trotz des Regens kamen sie zur Tasse Kaffee oder Capuccino. Während die Kinder auf der Straße herumtollten, erzählten sie über ihr neues Leben in Dabringhausen.
Dass da im Planungsbereich bei der Stadt einiges im Argen gelegen hat, wurde wiederholt erklärt. Und dass die Stadtverwaltung weit weg ist, auch. Die beiden CDU-Politiker, die auf ihrem Spaziergang gezielt den Sonntagstreff angesteuert hatten, bekamen einiges zu hören. Klar ist: Hier muss nachgebessert werden. Im Interesse der dort lebenden Bürger.
Aber es kamen nicht nur Beschwerden. Die Menschen fühlen sich wohl in ihrem neuen Umfeld. Das beweist: Wermelskirchen ist eine lebenswerte Stadt.
Allein schon die Gespräche haben die Bergische Morgenpost in ihrem Ansinnen bestätigt: Wir werden sonntags jetzt häufiger zu ihnen kommen. Nicht gerade jede Woche. Aber der Sonntagstreff wird eine weitere feste Einrichtung. Denn, so scheint es: Die Probleme für die Bürger in dieser Stadt werden nicht weniger. Wir können sie nicht lösen. Aber wir werden sie aufzeigen, wenn die Bürger dort kein Gehör finden. Und wir werden nachhaken und den Politikern wie auch der Verwaltung auf die Finger klopfen. Das ist hiermit zugesagt.
Über 60 Kinder bis 14 Jahre leben in der Siedlung. Spielgeräte gibt es dort nur für die ganz Kleinen, der Bolzplatz ist ein Acker. Nicola Fleck: „Wir haben der Verwaltung vorgeschlagen, doch Geräte auszutauschen. Schließlich werden Kinder älter, und so ändert sich überall ihr Interesse.“ Dies sei schlichtweg abgelehnt worden.
Die kleine Paulina Austel (7) ist Erstklässlerin. Mit zehn weiteren Gleichaltrigen wünscht sie sich dringend ein Klettergerät. „Allein schon aus diesem Grund wären neue Geräte und Spielmöglichkeiten wichtig“, so ihre Mutter. Und Nicola Fleck weiß schon, wo der Ersatz steht: „Auf dem alten, heruntergekommenen Spielplatz an der Ringstraße stehen neue Klettergeräte. Der Spielplatz dort wird kaum genutzt. Warum können die Geräte nicht umgestellt werden?“ Sie jedenfalls verbietet ihren Kindern, dorthin zu gehen: „Das ist nicht einsehbar. Hier haben wir die Kinder unter Kontrolle.“ Auch eine Kletter- oder Torwand wäre nicht schlecht.
„Wie haben wir uns eigentlich kennengelernt?“, überlegt Helena Weber und sieht ihre Nachbarin Andrea Noc fragend an. Diese überlegt einen Moment und meint dann: „Das war alles während der Bauphase. Über die Probleme sind alle irgendwie zusammengekommen. Sätze wie ,Leihst Du mir mal deinen Bohrer?’ waren damals alltäglich.“
Überall junge Familien, die mit ihren kleinen oder auch schon etwas größeren Kindern in die neue Wohnsiedlung am Kamp einziehen. Und überall die gleichen Probleme. „Ja, so sind wir mit der Zeit zusammengerückt. Daraus hat sich wirklich eine supergute Nachbarschaftsgemeinschaft entwickelt“, so Noc. Fast jede Woche würden mehrere Familien treffen und gemeinsam Zeit verbringen. „Und die Kinder spielen ja sowieso gemeinsam“, so Helena Weber.
Von einer „sehr homogenen Wohnsituation“ berichtet auch Silke Austel: „Es ist wirklich immer jemand da und packt mit an, wenn man Hilfe braucht. Sei es, kurz auf die Kinder aufzupassen oder etwas anderes. Das ist wirklich super.“ Zwei Straßenfeste seien auf dem Kamp bisher gefeiert worden. „Da geht es immer feucht-fröhlich zur Sache und wir haben alle unseren Spaß.“
Eine größere Tradition habe jedoch der eigene Martinsumzug, den alle Kamp-Bewohner gemeinsam bestreiten. Am Siedlungseingang werde gestartet und anschließend jedes Haus abgegangen. „Das dauert schon mal mindestens zwei Stunden“, weiß Helena Weber. Abschließend gebe es ein kleines Feuer und oft auch ein kleines Essen für alle Nachbarn. „Im vergangenen Jahr hat eine Nachbarin für alle Chili con Carne gekocht. Das war eine riesige Portion und für alle sozusagen inklusive. Wir haben uns sehr gefreut“, erinnert sich Silke Austel zurück. Auch für dieses Jahr sei wieder ein Umzug geplant, berichten die Nachbarn.
„Die Busverbindungen hier in Dabringhausen sind wirklich schlecht“, weiß Moritz Austel. Mit 14 Jahren kommt der Schüler langsam in ein Alter, in dem man abends gerne mit Freunden ins Kino oder in die Disco der Kattwinkelschen Fabrik geht. „Wir können ja noch mit dem Bus hinfahren. Aber ab halb neun fahren hier absolut keine Busse mehr hin“, so Moritz. Daher müsse immer wieder das „Taxi-Mama“ genutzt werden, um wieder sicher nach Hause zu kommen. Eine „ausgebaute öffentliche Anbindung“ erwünschen sich aus diesem Grund die Bewohner des Kamps. Schließlich könne nicht immer ein Taxi bestellt werden, meint auch Mutter Silke Austel. „Die Busse müssen einfach häufiger fahren“, erklärt sie.
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