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Wermelskirchen: Ein DDR-Trauma lebenslang

VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 19.09.2009

Wermelskirchen (RPO). Hans-Joachim Pohl hat mit der Stasi-Akte seiner Familie eine schmerzvolle Spurensuche begonnen. Nun sah er das Stasi-Gefängnis seiner Mutter. Er will die Vergangenheit aufwühlen, damit das DDR-Unrecht nicht vergessen wird.

Der Wermelskirchener Hans-Joachim Pohl hat sich auf die schmerzlichen Spuren seiner DDR-Vergangenheit begeben.  Foto: RPO
Der Wermelskirchener Hans-Joachim Pohl hat sich auf die schmerzlichen Spuren seiner DDR-Vergangenheit begeben. Foto: RPO

Mit der Stasi-Akte seiner Mutter kam der 69-jährige Hans-Joachim Pohl Anfang August in die Redaktion der Bergischen Morgenpost. Tief betroffen hatte er 50 Jahre nach seiner DDR-Flucht aus diesen Akten zum ersten Mal erfahren, was die ganze Familie über all' die Jahre traumatisiert hatte: Die Mutter war wegen angeblicher Verleumdung des "Arbeiter und Bauernstaates" verurteilt und inhaftiert worden.

Die Familie war nach ihrer Haftentlassung geflohen, Hans-Joachim Pohl hat in Wermelskirchen längst ein neues Zuhause gefunden. Aber eine Frage ließ ihn nicht los: "Warum hat die Mutter nie über ihre Haft gesprochen? Was ist in der DDR damals wirklich passiert?"

Sein Beweggrund, die tragische Vergangenheit wieder aufzurühren, war und ist nur ein teilweise persönlicher: "Ich habe eine so große Wut auf die DDR-Nostalgie, die sich nur 20 Jahre nach dem Mauerfall überall breit macht. Deshalb gehe ich mit meiner Familiengeschichte an die Öffentlichkeit, um zu zeigen, wie es wirklich zuging in der DDR-Diktatur", sagt der 69-Jährige.

Berlin sprang auf BM-Artikel an

Und mit dieser Botschaft, erstmals am 8. August in der BM veröffentlicht, ist der Wahl-Wermelskirchener bereits auf erstaunliche Resonanz gestoßen: Auf unsere Veröffentlichung hin meldete sich die Historikerin Mechthild Günter, die das Zeitzeugenbüro der Gedenkstätten Berlin-Hohenschönhausen betreut, bei Hans-Joachim Pohl. Sie sagte der BM: "Ich bin sofort auf den Artikel angesprungen, weil die Geschichte der Pohls eine exemplarische DDR-Geschichte ist, wie sie nur Betroffene berichten können. So etwas liest man nicht in den Akten des DDR-Unrechtsstaates", weiß die Historikerin, die Zeitzeugen wie Hans-Joachim Pohl befragt und deren Berichte dann dokumentiert für die Ausstellung der Gedenkstätte und: "Wir haben den Bildungsauftrag der Aufarbeitung der DDR-Diktatur", betont die Berlinerin.

Hans-Joachim Pohl machte sich nach dem Kontakt, der nun mit der Gedenkstätte hergestellt war, auf eine schmerzvolle Spurensuche in seine alte DDR- Vergangenheit. Er besuchte das ehemalige Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen, wo auch seine Mutter inhaftiert gewesen sein könnte. "Wir wissen nicht, wo sie festgehalten wurde, aber die Zustände in den DDR-Gefängnissen waren bekanntlich überall grausam", weiß der Zeitzeuge. Beengte Zellen ohne Tageslicht, in denen bis zu 14 Häftlinge ohne sanitäre Anlagen zusammengepfercht waren, Isolations- und Folterzellen bekam er in Berlin zu sehen.

Wàs wurde der Mutter angetan?

Und er verstand, weshalb seine inzwischen verstorbene Mutter nie über diese Zeit gesprochen hat. Deshalb gilt Hans-Joachim Pohl aber in Berlin als unmittelbarer Zeitzeuge, weil wahrscheinlich nur er aufdecken kann, was seiner Mutter und der ganzen Familie vor 50 Jahren durch die DDR-Diktatur angetan worden ist. So setzt er seine Spurensuche denn weiter fort, wird nun auch seine eigene Stasi-Akte in Kürze vorgelegt bekommen. Ergreifend war für den 69-Jährigen in Berlin auch sein erster Besuch in der alten Familienwohnung nach 50 Jahren. Die Pohls hatten vis a vis des Stasi-Ministeriums in Berlin gelebt und die Wohnung in einer geheimen Flucht verlassen müssen. Mit großer Beklemmung habe er diesen Ort nun wiedergesehen, berichtet der Zeitzeuge.

www.rp-online.de/wermelskirchen

Quelle: RP

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