Wermelskirchen: „Eine gefühlte Inflation“
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 25.01.2008Wermelskirchen (RPO). Die Buchhändler haben ein gutes Umsatzjahr hinter sich. Die übrigen Branchen sind die „Verlierer“ des Jahres 2007, wie die Bilanzen jetzt zeigen. Vor allem die Mehrwertsteuer machte auch den Wermelskirchenern zu schaffen.
Umsätze in 2007
Der Handel hat hetzt bundesweit mit Hilfe von Statistik-Instituten den Jahresumsatz für 2007 ermittelt. Während der Buchhandel ein Umsatzplus von 3,2 Prozent zu verzeichnen hatte, klagten die übrigen Branchen über einen Umsatzrückgang von etwa 1,8 Prozent. Sie führten die Einbußen hauptsächlich auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer zurück.
Maria Ippen strahlt– ein gutes Jahr liegt hinter der Inhaberin der Buchhandlung Marabu – und auch der Januar hat schon wieder prima begonnen. Sie gehört zu den Gewinnern des Jahres 2007, dessen Bilanz der Einzelhandel jetzt vorliegen hat. „Wir hatten keine Einbußen, trotz der Baustelle“, berichtet Maria Ippen. Damit sei sie schon zufrieden, denn die Wermelskirchener seien unvermindert lesefreudig – und zwar das ganze Jahr über.
Nachfrage-Renner seien die Tintentod-Trilogie von Cornelia Funke und natürlich der neue Harry-Potter gewesen. Aber: „Man muss mehr tun, als nur Bücher verkaufen. Aktionen sind ganz wichtig“, sagt Maria Ippen, die mit Optimismus ins neue Geschäftsjahr gegangen ist. Außerdem gehe der Straßenausbau gut voran: „Es gibt schon schöne, fertige Stellen, wo die Leute stehen vor den Geschäften bleiben“, freut sich Maria Ippen.
Nicht so rosig sah es 2007 bei Autohändler Christoph Messink aus. Er gehört zu den „Verlierern“ des vergangenen Jahres, denn er hat die Erhöhung der Mehrwertsteuer enorm zu spüren bekommen: „Ich hatte gegenüber 2006 Umsatzeinbußen von zehn Prozent“, beklagt der VW- und Audi-Händler. Zu Ende 2006 seien wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung noch Autos gekauft worden, im Januar 2007 sei es dann schlagartig ruhig geworden: „Wir haben in diesen ersten Januarwochen schon 10 bis 15 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Januar 2007“, freut sich Christoph Messink, dass es wieder aufwärts geht. „Es gibt uns schon 40 Jahre, und ein schlechtes Jahr kann man da mal verkraften“, blickt er zurück. Etliche dennoch im vergangenen Jahr bestellte Fahrzeuge könnten aber erst jetzt in den ersten Monaten des neuen Jahres ausgeliefert werden: „Das bedeutet auch, dass wir diesen Umsatz erst jetzt machen“, erläutert Christoph Messink.
„Die Mehrwertsteuererhöhung war ein psychologisches Kaufhindernis“, hat Johannes Schnütgen, Schuhhändler und Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes sowie der WiW, festgestellt. Zwar habe sich die Erhöhung spürbar eher bei hochpreisigen Gegenständen niedergeschlagen. „Aber die Kunden haben so etwas wie eine gefühlte Inflation erlebt“, meint der Geschäftsmann. Er selbst habe zwar keine Umsatzeinbußen im vergangenen Jahr gehabt, trotz der Mehrwertsteuererhöhung, trotz der Baustelle. Doch andererseits hätte man eigentlich ein Plus machen müssen, um die Mehrwertsteuererhöhung auch tatsächlich abzufangen, gibt Johannes Schnütgen zu bedenken.
„Da muss man durch“
Auch der Januar und der Februar seien ruhige Monate, „durch die man einfach durch muss“. Vereinzelt werde zwar „dem Wetter zum Trotz“ nach Frühjahrsware gefragt. „Aber richtig los geht’s für uns erst im April/Mai. Zum Saisonstart kann man oft mit einem Monat zwei bis drei schlechte Monate zu Jahresanfang wieder hereinholen“, weiß Johannes Schnütgen.
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