Wermelskirchen: Fremdsprachen sind Service Russisch und Polnisch immer öfter gefragt Im Bauhof gibt's auch noch Plattkaller
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 22.01.2009Wermelskirchen (RPO). Eine Stadtverwaltung, die sich als moderner Dienstleistungsbetrieb versteht und auch so geführt wird, kommt heutzutage ohne Fremdsprachenkompetenz nicht mehr aus. Da ist das Wermelskirchener Rathaus offensichtlich gut aufgestellt – und zwar auf allen Ebenen. Sicherlich ließen sich die Sprachkenntnisse der einzelnen Mitarbeiter noch mehr nutzen, ließe sich der Service auf diesem Sektor noch weiter ausbauen. Aber der Bedarf wird auch erst anwachsen mit einer noch weiteren Öffnung der Verwaltung, mit weiteren Aufgaben mit Blick "über den Kirchturm hinaus", beispielsweise nach Costa Rica. Für die Städtepartnerschaft mit Loches sind die guten Französischkenntnisse im Rathaus bereits ein großer Gewinn. Von unermesslichem Wert sind aber erst Recht die Rathaus eigenen Sprachkenntnisse im Russischen und Polnischen. Denn das soziale Gefüge wird schon zunehmend in Familien strapaziert, die Deutsch sprechen. Weitaus mehr Hilfe nicht nur zur Verständigung benötigen Mitbürger, die noch "sprachlos" sind!
Die Russisch- und Polnischkenntnisse der Sozialarbeiterin Jolanta Gerlazcynski werden in jüngster Zeit immer öfter benötigt. Denn die Anforderungen würden immer komplexer, die Probleme der Familie, die sie betreut, immer größer, stellt sie fest. In den Anfangsjahren waren es zumeist die Zuwanderer aus dem osteuropäischen Raum, denen die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung bei den wichtigsten Formalitäten mit ihrer perfekten Übersetzungshilfe zur Seite gestanden hat.
Nun habe sich das Spektrum aber spürbar erweitert, berichtet sie: "Es geht inzwischen immer mehr um Integrationsfragen und -probleme bis hin zu finanziellen Nöten der Familien, häuslicher Gewalt und Alkoholproblemen. Dabei ist die Übersetzungshilfe noch das Geringste", weiß die engagierte Sozialarbeiterin.
Auch Streetworkerin Miriam Schönhals ist froh, dass sie in der Schule Russisch gelernt hat. Denn im Umgang mit den Jugendlichen aus der ehemaligen UdSSR kann sie diese Kenntnisse bestens gebrauchen. Erst zweimal hat Stefan Rabe sein Schulrussisch bei der Stadtverwaltung reaktiviert. Acht Jahre lang hatte er in den neuen Bundesländern Russischunterricht, so viel bleibt immerhin übrig, dass der Hauptamtsmitarbeiter mal einen Brief aus dem Kyrillischen übersetzen und ein weiteres Mal einem Bürger weiterhelfen konnte, der nur Russisch sprach.
Sein muttersprachliches Griechisch hat Ionnis Vasilakos aus der EDV-Abteilung im Rathaus zwar dienstlich noch nicht anwenden können. Aber er komplettiert die "Europäische Union" bei der Stadtverwaltung um eine weitere Nation. Der in Deutschland geborene Grieche gehört zur griechischen Gemeinde Leverkusen, schätzt die Nationalfeiertage, ist aber ebenso verwurzelt im Bergischen.
"Bei uns auf dem Bauhof wird Dabringhausener und Dhünner Platt gesprochen, aber auch Türkisch, Kurdisch, Italienisch und Baltisch", berichtet der städtische Gartenbaumeister Volker Niemz. Und diese internationale Mischung sei ausgesprochen hilfreich, fügt der "Mann mit Migrationshintergrund" hinzu. Schließlich sei er von Emminghausen nach Dabringhausen emigriert, er spreche aber astreines Daverkuser Platt, betont der 48-Jährige. Aber es sei eben keine Ausnahme im Bauhof, dass auch noch jüngere Mitarbeiter, etwa die Mittdreißiger, Mundart redeten: "Außer mir spricht aber keine Daverkuser Platt, die anderen sprechen Dhünnsches Platt," erzählt Volker Niemz.
Neben diesen kleine regionalen Spezialitäten, die dementsprechend das Arbeiten in den beiden Dörfern erleichterten, seien aber auch die Fremdsprachenkenntnisse der Bauhofmitarbeiter ausgesprochen nützlich. So hätten die ausländisch-stämmigen Mitarbeiter die entsprechenden Kontakte zu ihren Bevölkerungsgruppen: "Wenn die jungen Leute dann untereinander wissen, dass einer der Väter bei uns arbeitet, dann lassen sie bestimmte Dinge eher mal sein", spricht Volker Niemz "durch die Blume" und meint damit den Vandalismus in der Stadt. Es habe sich auch als ausgesprochen wirksam herausgestellt, wenn "bestimmte Leute" von den entsprechenden Mitarbeitern in ihrer Landesprache deutlich gemacht bekämen, "was geht und was nicht geht." "Probleme haben wir hier keine unter den Nationalitäten", freut sich Volker Niemz, schränkt dann aber ein: "Auffallend ist höchstens der Unterschied zwischen den Dhünnern und den Dabringhausenern." Denn zwischen den beiden benachbarten Dörfern lägen nicht nur im Karneval immer noch Welten.
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