Wermelskirchen: "Genossen, ich misch mich ein!"
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 23.10.2009Wermelskirchen (RPO). Wolfgang Horn gehörte zu den großen Kritikern "seiner" SPD im Wahlkampf. Er erklärte, erstmals die SPD nicht mehr zu wählen. Doch seit Mittwochabend ist er Gastmitglied, um sich einzumischen, die SPD umzugestalten.
Der SPD-Vorstand hat sich nicht leicht getan: Doch Wolfgang Horn, einer der größten Kritiker der SPD-Politik vornehmlich im vergangenen Wahlkampf, ist am Mittwochabend vom SPD-Vorstand als Gastmitglied aufgenommen worden.
"Es gab Kritik und Zuspruch gleichermaßen", fasst er die "Anhörung" durch den SPD-Vorstand zusammen, die seiner Aufnahme voranging. Seine öffentlich – auch in der BM – deutlich bekundete Kritik an den Genossen will Horn damit aber nicht aufgeben: "Bei all' dem was ich gesagt und geschrieben habe, bleibe ich", sagt er über die Veröffentlichungen in der BM und auf seinem Internet-Blog. Aber Horn will nicht nur kritisieren, sondern sich jetzt auch einmischen, dabei helfen, die SPD umzugestalten.
"Öffnung muss das Motto sein"
Dies habe er versucht, dem Vorstand deutlich zu machen. Und er sei sich bewusst, dass man ihn nur mit Skepsis aufgenommen habe, sagte Horn gestern der BM. Der Wahl-Wermelskirchener war von seinem 16. bis 35. Lebensjahr aktives DKP-Mitglied. Bis 2004 hat er "seine" SPD gewählt, von der sich der 58-Jährige im Kommunalwahlkampf 2009 dann öffentlich distanzierte.
"Mir reicht's!", hatte Horn noch im August 2009 über die SPD Wermelskirchen geschimpft. Nun sagt er aber: "Mir reicht's noch nicht". Und er ruft sogar seine engen Freunde auf, die einst aktive Mitglieder allerdings in der CDU waren, seinem Beispiel zu folgen.
Denn nur durch frischen Wind, neue Ideen, andere Einschätzungen könnten die beiden, einst großen Parteien CDU und SPD am Ort wieder genesen. "Öffnung muss das Motto sein", sagt Horn und ruft Mitbürger auf, die ebenso wie er nachhaltig an der Politik der Orts-SPD und -CDU gelitten haben: "Mischt euch ein, spielt mit, gebt den Parteien zu denken und verändert die Spielregeln."
Das Recht mitzureden hat Wolfgang Horn jetzt als Gastmitglied. Er hat aber keine Entscheidungsbefugnis in der SPD. Auf die Möglichkeit einer solchen Gastmitgliedschaft war er übers Internet gekommen: "Ich habe sehenden Auges dort den Antrag gestellt, denn ich wusste natürlich, dass ich über die SPD NRW hier beim Ortsverband Wermelskirchen lande", berichtet Horn.
Er gehe davon aus, dass es aber schon ungewöhnlich sei, vom Vorstand zunächst befragt zu werden, bevor ein Gastmitglied aufgenommen werde: "In ganz NRW sollen 300 Gastmitglieder hinzu gekommen sein. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die alle zuvor bei den Vorständen antreten mussten", meint Horn, der aber Verständnis zeigt: Er könne es nachvollziehen, dass die SPD in seinem Falle so reagiert habe.
Autistisch und arrogant
Deutlich macht der Journalist und Dokumentarfilmer für sein künftiges politisches Einmischen aber auch: "Die kommunale Politik der SPD, gleich ob im Vorstand oder in der Ratsfraktion entwickelt und beschlossen, wird mir suspekt bleiben, soweit sie autistisch oder arrogant oder selbstüberschätzend angelegt ist, wenn sie sich gegen die Bürger der Stadt und ihre Interessen richtet, wenn sie zur weiteren Einkapselung der lokalen SPD beiträgt", so Horn wörtlich.
Und er kündigt an, derartige Kritik und Debatten künftig auch in der Partei zu führen. "Ich will es zumindest versuchen", sagt er zu seinem spannendes Vorhaben.
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