Wermelskirchen: „Hauptschule wird zur Restschule“
VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 30.08.2007Wermelskirchen (RPO). Die NRW-SPD will mit einer radikalen Schulreform den Sieg bei der Landtagswahl 2010 einfahren. Was sagen SPD-Lehrer sowie ihre jeweiligen Schulleiter dazu? CDU und FDP kritisieren „Einheitsschule“ als „Rückkehr zum bildungspolitischen Irrsinn der 70er Jahre“
„Ich weiß nicht, ob die Qualität des Gymnasium in einer Gemeinschaftsschule, wie es die Landes-SPD plant, aufrechterhalten werden kann.“ So äußerte sich die amtierende Schulleiterin des hiesigen Gymnasiums, Elke Bergmeister. Sie könne es sich für Wermelskirchen nicht vorstellen. „Diese Stadt ist kein Terrain dafür. Wir haben ein sehr gutes, dreigliedriges Schulsystem.“ In Großstädten, wo dieses System nicht mehr funktioniere und die Hauptschule aussterbe, bestehe sicherlich ein anderer Handlungsbedarf. „Aber hier nicht.“
Für Gemeinschaftsschulen müssten „riesige Schulzentren“ gebaut werden. Und ob dort unterschiedliche Begabungsgrade gefördert werden könnten, bezweifelt sie stark. „Es wäre jedenfalls ein großer Aufwand für Verwaltung und Lehrer, das ganze Spektrum der Schülerbegabung abzudecken. Dem wird hervorragend Rechnung getragen im hiesigen Schulsystem.“
Zwei Schulformen
„Wenn ich die NRW-Schullandschaft reformieren könnte...“: Jochen Bilstein, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat und Studiendirektor am Gymnasium, brachte seine Vorstellungen wie folgt auf den Punkt: Hauptschule, Realschule und Gesamtschule würden zu einer Schulform mit einer speziellen Form des Abiturs zusammengefasst, und das Gymnasium würde als zweite Schulform weitergeführt. „Das wäre auch für eine lange Übergangsphase eine sinnvolle Lösung, die sicher auf Akzeptanz stoßen würde.“ Im Interesse der Psyche der Eltern und Schüler sei es wichtig, diese Schulform mit höchster Akzeptanz weiterzuführen. „Denn ein großes Schülerklientel will zum Gymnasium.“
Gegen den Widerstand der Gymnasien werde die SPD ihre Schulreform nicht durchdrücken, meinte Gebhard Lehr, Leiter der Hauptschule. „Die Lobby ist zu stark.“ Eine Schule für alle mit Binnendifferenzierung, so Lehr, praktizierten hingegen einige andere Länder mit Erfolg. „Dort gibt es keine Verschiebung der Schüler von oben nach unten.“ Sie machten dort ihren Abschluss, wo sie eingeschult worden sind. „Der Vorteil: Inhomogene Gruppen kämen zusammen: Stärkere Schüler würden Lernhelfer für schwächere.“ Er könnte sich eine Gemeinschaftsschule vorstellen, hält es aber für politische nicht umsetzbar. Aber drei Gemeinschaftsschulen in Wermelskirchen – auf Basis der bestehenden Schulen – mit unterschiedlichen Profilen wäre ein Modell für diese Stadt.
Ein Auslaufmodell
„Die Hauptschule ist ein Auslaufmodell“, so Bernd Peters, seit 1973 Lehrer an der Hauptschule. Er war viele Jahre SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Beleg fürs Auslaufmodell sei, dass nur noch 66 Schüler in drei Klassen eingeschult wurden. Deshalb könne die Schullandschaft, wie die CDU es wolle, so nicht erhalten bleiben. „Diese scharfe Separierung ist auch ungerecht für die Schüler.“
Wichtig sei der Übergang von sechs statt wie heute vier Grundschuljahren: „Ich war immer schon für die Gesamtschule und bedaure es, dass selbst die kooperative Schule nicht zustande kam.“ Es sei ein schwerer Fehler seiner Partei gewesen, dass sie sich nicht wieder an die „überkommene Aufteilung“ herangetraut habe.
Die Gemeinschaftsschule bringe nur Vorteile. So profitierten schwächere Schüler von leistungsstärkeren. Hautnah habe er miterlebt, wie sich die Zusammensetzung seit den 80er Jahren verändert habe: „Die Hauptschule wird als Restschule gesehen.“
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