Wermelskirchen: Hohe Nachzahlungen drohen
VON LUTZ BLUMBERG UND UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 09.10.2008Wermelskirchen (RPO). Die Gaspreise sind zum dritten Mal in 2008 gestiegen: Die BEW erhöhte sie zum 1. Oktober um bis zu 24 Prozent. Die Verbraucher können nun aus mehreren Tarifmodellen wählen – die Hälfte der Kunden hat sich entschieden.
Die Kosten
Pro Kilowattstunde kostet das Gas jetzt jedoch 8,60 Cent, bislang waren 6,94 Cent dafür zu zahlen. Bei einer vertraglichen Bindung von einem Jahr zahlt der Kunde 7,71 Cent (bis 20 000 kWh), 7,59 bei einem Verbrauch bis 35 000 kWh. Bindet sich der Kunde zwei Jahre, zahlt er 7,59 (bis 20 000 kWh) oder 7,47 (bis 35 000 kWh) Cent. Erhöhung: 23,9 Prozent beim Grundpreis ohne längere vertragliche Bindung.
Rückblick, 1. Oktober: Die Tage werden kürzer und kälter, die Heizungen angeworfen, die Gaspreise steigen. Bundesweit ziehen die Preise im Durchschnitt um 15 Prozent an, mehr als 300 Energieversorger sind bei dieser Preisrunde dabei. Nicht alle sagen das klar und deutlich.
Die Bergische Energie- und Wasser GmbH (BEW) in Wipperfürth, die auch Wermelskirchen mit Gas, Strom und Wasser) beliefert, benennt ihre Preiserhöhungen nicht klar in Zahlen auf einen Blick. Stattdessen gibt es für Privatkunden drei verschiedene Preismodelle, dazu kommen die Preise für die Grund- und Ersatzversorgung. Alles noch einmal gestaffelt in verschiedene Abnahmemengen.
Wilhelm Heikamp will von Preiserhöhungen nichts wissen. Statt dessen sagt der BEW-Geschäftsführer: „Unser gesamtes Produktportfolio hat sich verändert.“ Das stimmt: Wo vor dem 1. Oktober klar zu sehen war, dass der Arbeitspreis in Kilowattstunden 9,15 Cent brutto kostete, muss sich ein Interessent jetzt zwischen drei verschiedenen Tarifen orientieren.
Langfristige Tarife preiswerter
Zwar stieg der Gaspreis um bis zu 24 Prozent (siehe Infokasten), die BEW hält jedoch dagegen, dass die Kunden andere Tarife wählen könnten, in denen die Erhöhung weit weniger drastisch ausfalle. Wer nicht in einen langfristigen Tarif wechselt, zahlt deutlich mehr.
Hintergrund: Die BEW will die Kunden langfristig an sich binden. Heikamp stellt klar: „Ein reiner Preisvergleich wie früher, das geht nicht mehr.“ Laut BEW sollen die verschiedenen Tarife den Kunden eine langfristige Planungssicherheit bieten. „Damit sind die Kunden auch von der Ölpreisbindung des Gases geschützt“, verkündet der Geschäftsführer. Vorteil für den Lokalversorger: Die BEW kann langfristig planen, da die Kunden gebunden sind.
„Letztlich muss sich das Unternehmen ja am Markt behaupten“, sagt zur langfristigen Kundenbindung Frank Mederlet, der SPD-Vertreter im BEW-Aufsichtsrat sitzt. Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass die BEW bei günstigen Einkaufspreisen ihrerseits mehr Gewinn machen kann.
Rund 50 Prozent der BEW-Kunden haben die Gasversorgung bereits auf einen langfristigen Vertrag umgestellt – dreiviertel dieser Kunden bevorzugten die zweijährige Bindung. Nachzügler, so Heikamp, könnten sich noch bis Ende nächster Woche melden.
10 Prozent höherer Gasverbrauch
Klar ist: Die Kunden werden Ende des Jahres mit höheren Nachzahlungen zu rechnen haben als im milden Winter 2007. So sei die Preissteigerung zum 1. Januar 2008 zwar im Abschlag eingerechnet worden, aber nicht die Erhöhung zum 1. April. Da jetzt schon im Vergleich zum milden Vorjahr zehn Prozent mehr Gas abgesetzt wurde und nun zum 1. Oktober eine weitere Preissteigerung hinzugekommen sei, hat die BEW ihren Kunden angeboten, für die letzten drei Monate ihre Abschlagsrate zu erhöhen. „Um 15 bis 20 Prozent sollten die Abschläge schon erhöht werden. Dann gibt es bei den Nachzahlungen keine bösen Überraschungen“, so Heikamp.
Kaum Vergleiche
Ob jeder einzelne Kunde weiß, auf welchen Vertrag er sich langfristig festgelegt hat, bezweifelt Holger Krawinkel, Energieexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: „Die Verbraucher können die Preise kaum vergleichen“. Vor allem auf dem Land hätten es Verbraucher schwer. „Denn da gibt es oft nur einen Anbieter“, weiß Krawinkel.
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