Wermelskirchen: Horn erstaunt über Genossen
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 06.11.2009Wermelskirchen (RPO). Als einer der großen Kritiker der SPD ist Wolfgang Horn trotzdem als Gastmitglied eingetreten. Nach seiner ersten Mitgliederversammlung bilanziert er überrascht: "Die SPD übt schonungslos Selbstkritik, hat Fehler eingesehen."
Zur Vorgeschichte
Wolfgang Horn war der viele Jahre aktives Mitglied in der DKP, dann Anhänger der SPD, die er stets wählte. Im vergangenen Kommunalwahlkampf kehrte er sich aber öffentlich von den Genossen ab. Dies tat er in seinem Internet-Blog unter der Überschrift "Mir reicht's!". Auch die BM berichtete von seiner Abkehr. Doch Horn entschied sich später zu einer Gastmitgliedschaft in der SPD, nachdem diese bei der Bundestagswahl so schlecht abgeschnitten hatte.
"Die Genossen haben mich überrascht", staunt Wolfgang Horn nach seiner ersten Versammlung als Gastmitglied bei der SPD. Obwohl Horn öffentlich einer der größten Kritiker der SPD Wermelskirchen im Kommunalwahlkampf war, ist er, wie wir berichteten, den Sozialdemokraten quasi "zur Probe" beigetreten, um seine Kritik auch unmittelbar bei den Genossen anzubringen, um dort etwas zu bewirken.
"Keine Betonköpfe"
Mit dieser Einstellung ging er am Mittwochabend zu seiner ersten SPD-Versammlung und gibt zu: "Das Gastmitglied hat sicher ebenso viel Mut zu dieser Begegnung aufbringen müssen wie die regulären Genossen." Doch was dann geschah, brachte und bringt den Journalisten und Filmemacher Wolfgang Horn auch nachträglich noch zum Staunen: "Alles, was ich an Kritik an der SPD zu üben hatte, haben die Mitglieder und auch der Vorstand an dem Abend selbst vorgebracht: Schonungsloser, sensibler und nachdenklicher, als man vermuten würde", so Horn.
Von den im Wahlkampf viel zitierten "Betonköpfen" sei bei der Versammlung jedenfalls nichts zu bemerken gewesen. Nach diesen überraschenden Erfahrungen sagt er sogar: "Einen solchen Prozess, wie die SPD jetzt zu erkennen gibt, empfehle ich auch allen anderen Parteien in Wermelskirchen." Und damit meine er keinesfalls nur die CDU, bei der er hoffe, dass nach der Kommunalwahl nun auch das große Nachdenken eingesetzt habe.
"Ich empfehle einen solchen Prozess vor allem auch den Wahlgewinnern, die zur Zeit vor Kraft kaum gehen können", so Horn wörtlich. Denn zumindest nach dem, was am Mittwochabend in vierstündiger Mitgliederversammlung der Tenor gewesen sei, habe die SPD grundlegend eingesehen: "Die Selbstkritik und Fehleranalyse ging in die Richtung, dass die SPD zu wenig das Ohr am Bürger gehabt hat, nicht darauf gehört hat, was die Menschen wollten." Stattdessen habe man zu sehr auf eine gemeinsame Arbeit mit der CDU gesetzt, gibt Horn die Selbstkritik wieder.
Er hoffe aber, dass die SPD nun auch in der Lage sein werde, diese Bereitschaft zur "Innenkritik" auch nach außen hin zu vertreten. Denn ganz anders als im Kommunalwahlkampf und in der ersten Zeit danach sei nun erkannt worden, dass das Schmoren im eigenen Saft keine Zukunftsperspektive sein könne.
"Aus der Innensicht"
Nachdem er die inzwischen nachdenklich gewordenen Genossen nun erstmals auch als Gastmitglied "aus der Innensicht" erlebt habe, sei er optimistisch: "Alles, was ich in meinen Blog schreiben kann, werde ich künftig auch bei SPD-Versammlungen direkt anbringen können", hofft Horn auf eine über seinen ersten Eindruck hinaus weiterhin für Kritik und Anregungen offene SPD.
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