Wermelskirchen: "Ich boykottiere Peking nicht"
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 12.04.2008Wermelskirchen (RPO). Zahnarzt Dr. Gunter Glaser stellt seinen geplanten Einsatz zu den Olympischen Spielen trotz der Tibet-Krise nicht in Frage: „Der Fackellauf darf nicht zum Spießrutenlauf werden, der Protest nicht zu Lasten der Sportler gehen“, sagt er.
Glaser und sein Team
Das Modell des ehrenamtlichen Zahnarzteinsatzes mit der Sponsorenfirma Bego sollen auch weitere Zahnärzte bei den Olympischen Spielen kennenlernen. An dem von Dr. Glaser initiierten Projekt sollen die Zahnärzte Prof. Martin Jörgens, Dr. Marcel Wainwright und Zita Funkenhauser teilnehmen. – Die ehemalige olympische Fechterin ist mittlerweile auch Zahnärztin. – Diese Ärzte werden allerdings nur jeweils für vier Tage in Peking sein, während Glaser dort vom 9. bis 23. August Dienst tun wird.
Der Fackellauf für die Olympischen Spiele in Peking wird dieser Tage immer wieder im Zusammenhang mit den Tibet-Unruhen von Protesten begleitet. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat seinen Besuch der Auftaktveranstaltung zu den Olympischen Spielen in Peking bereits abgesagt. Doch seine „Operation China“ sagt der Wermelskirchener Zahnarzt Dr. Gunter Glaser nicht ab: „Ich werde die Olympischen Spiele in Peking nicht boykottieren“, betont Dr. Gunter Glaser auf Nachfrage der Bergischen Morgenpost.
Fackellauf kein Spießrutenlauf
Nach seinem Einsatz bei den Olympischen Spielen von Athen soll Dr. Glaser nun erneut die „Medaillen verdächtigen“ Sportler in den Zahnarztstuhl vor Ort bekommen. Sein Sponsor, die Firma Bego/Implant-Systems, hält allerdings zur Zeit „stündlich“ Kontakt nach Peking, um auf dem Laufenden zu sein, wie sich die Lage dort entwickelt. Glaser ist noch zuversichtlich und sagt: „Bei mir steht nichts im Wege, sofern die Spiele stattfinden, bin ich wieder mit dabei!“
Die Problematik in Tibet sei schließlich weit vor der Entscheidung für Peking als Austragungsort für die Olympischen Spiele hinlänglich bekannt gewesen. „Ich halte es aber für falsch, wenn jetzt zu Lasten der Sportler, der Olympischen Spiele politischer Druck aufgebaut und ausgeübt werden soll“, meint der sportbegeisterte Zahnarzt und fügt hinzu: „Natürlich möchte auch ich nach Peking reisen, aber mein persönliches Interesse steht in diesem Fall zurück. Es geht schließlich um die Sportler, die ein umfassendes Vorbereitungsprogramm hinter sich haben und ihre Form nicht einfach vier Jahre lang bis zu den nächsten Spielen aufrechterhalten können.“
Seiner Auffassung nach habe das Tibet-Problem schon weit früher gelöst werden müssen. Er heiße es denn auch keineswegs für gut, was dort geschehe. Aber: „Ein Fackellauf darf nicht zum Spießrutenlauf werden. Die Sportler haben nichts damit zu tun, wie die Chinesen die Tibeter behandeln“, sagt Dr. Gunter Glaser. Für ihn laufen die Vorbereitungen für Peking deshalb (erst einmal) weiter wie geplant. Das Visum für China wird nun beantragt, die Flugtickets sind längst gekauft. Erste Kontakte hat es auch bereits zu dem deutschen Zahnarzt Dr. Arnulf Reinar-Metzmacher in Peking gegeben, in dessen Praxis genau gegenüber des Deutschen Hauses Dr. Glaser während der Olympischen Spiele „den Sportlern in den Mund gucken“ möchte.
Medikamente „zum Doping-Test“
Der Kollege in Peking hat dem Wermelskirchener Zahnarzt auch schon mitgeteilt, welche Medikamente und wie viel Füllmaterial aus Deutschland mitgebracht werden sollten. Und alle Medikamente muss Dr. Glaser zuvor noch bei der Nationalen Doping Agentur (NADA) beurkunden lassen. Doch das kennt er bereits aus Athen.
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