Wermelskirchen: "Ich hatte Todesangst"
VON HENDRIKE SPAAR - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010 - 09:50Wermelskirchen (RPO). Rund 20 Minuten war Diana Meyer unter Schneemassen begraben, als sich vor knapp einer Woche von ihrem Haus eine Dachlawine löste. Wie die 38-Jährige das Unglück erlebte und wie es ihr jetzt geht, erzählte sie unserer Redaktion.
Überlebenschancen
Statistiken zeigen, dass die Chance, mit dem Leben davonzukommen, für Lawinenopfer in den ersten 15 Minuten sehr groß ist – vorausgesetzt, sie gehören nicht zu den fünf Prozent, die noch vor Stillstand der Lawine tödlich verletzt wurden. Zwischen 15 und 35 Minuten tritt der "tödliche Knick" der Überlebenswahrscheinlichkeit ein. In dieser Zeit ersticken alle Verschütteten ohne Atemhöhle.
Mit bangen Blicken verfolgt Diana Meyer jeden Tag den Wetterbericht. Die Aussicht, dass es ab Donnerstag wieder schneien soll, lässt die 38-Jährige unruhig werden: "Ich hoffe eigentlich darauf, dass so schnell wie möglich der Frühling kommt. Vom Schnee habe ich die Nase gestrichen voll."
Eine Einschätzung, die man der zweifachen Mutter nicht verübeln kann, denn vor knapp einer Woche wurde die Halzenbergerin beim Schneeschippen vor der eigenen Haustür von eine Dachlawine verschüttet. Rund 20 Minuten war Diana Meyer unter den Schneemassen begraben, ehe ihre Vermieter Claudia und Stefan Eckstein die bewusstlose Frau mit den bloßen Händen wieder ausgruben.
Seit diesem Erlebnis macht die 38-Jährige einen großen Bogen um verschneite Dächer – selbst der Gang vor die Tür bereitet Diana Meyer immer noch große Probleme: "Denn dann sehe ich die Stelle, wo ich verschüttet wurde, und schon kommt alles wieder hoch."
Und erinnern möchte sich die zweifache Mutter an die schlimmsten Minuten ihres Lebens eigentlich nicht mehr. "In den ersten Tage nach dem Unglück ist meine Frau jedes Mal in Tränen ausgebrochen, wenn sie darüber gesprochen hat", erinnert sich Ehemann Ulrich Meyer. "Ich hatte Todesangst. Ich habe versucht mich selbst zu befreien, habe um Hilfe gerufen", schildert das Lawinenopfer.
Professionelle Hilfe annehmen
Zwar komme die Halzenbergerin nach eigenen Angaben "ganz gut mit der Situation zurecht", doch auf professionelle Hilfe will die 38-Jährige nicht verzichten: "Ich möchte nicht, dass ich in zehn Jahren plötzlich an Spätfolgen leide und Panikattacken bekomme."
Momentan ginge es ihr nach dem zweitägigen Aufenthalt auf der Intensivstation den Umständen entsprechend gut, "nur die Prellungen an meinem Rücken schmerzen noch und halten die Erinnerungen an den 4. Februar wach." Und an dem wird die 38-Jährige in Zukunft einen zweiten Geburtstag feiern: "Wie genau das aussehen wird, darüber haben mein Mann und ich uns noch keine Gedanken gemacht, aber gefeiert wird auf jeden Fall", so die 38-Jährige, die ganz genau weiß, wem sie es zu verdanken hat, dass sie noch im Kreise ihrer Familie sein kann. "Das die beiden beim Ausgraben so eine Hartnäckigkeit bewiesen haben, dafür bin ich Claudia und Stefan Eckstein sehr dankbar", verdeutlicht Meyer.
Von der Rettungsaktion selbst habe sie zwar nichts mitbekommen, da sie unter den Schneemassen bewusstlos geworden ist, doch aus Erzählungen weiß sie: "Ohne die beiden wäre ich wohl nicht mehr hier."
Und damit anderen ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, hat die 38-Jährige mit Blick auf den Wetterbericht auch noch einen Wunsch: "Ich kann nur jeden dazu aufrufen, sein Dach von Schneemassen zu befreien und gegebenenfalls Schneegitter anzubringen."
Dann könnte sich die zweifache Mutter nach einem ausgiebigen und heißen Sommer, eventuell auch wieder auf den nächsten Winter freuen.
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