Wermelskirchen: In Italien geht’s um die Wurst
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 29.02.2008 - 11:45Wermelskirchen (RPO). Die Wermelskirchener Anke und Dirk Leithäuser wollen für immer an den Gardasee auswandern. Als „Didi“ und „Hasi“ bauen sie sich mit einem Imbiss-Wagen eine neue Existenz auf. Ihre Kinder bleiben in der Heimat zurück.
„Wir kommen nie mehr nach Deutschland zurück“, sagen Anke und Dirk Leithäuser mutig. Die beiden Wermelskirchener werden in wenigen Tagen nach Italien auswandern. Die 41-jährige ehemalige Hausmeisterin der Stadtverwaltung und der 44-jährige Mitarbeiter der Ortlinghaus-Werke bauen sich eine neue Existenz mit einem knallrot-gelbgepunkteten Imbiss-Wagen auf. Dabei geht es dann in ihrem neuen Leben im Wortsinn um die Wurst.
Denn mit „Didi’s und Hasi’s Imbiss-Paradies“ wollen die Leithäusers rund um den Gardasee den Italienern die Curry-Wurst schmackhaft machen. Sie wissen als jahrzehntelange geübte Campingurlauber aber auch, dass die vielen deutschen Touristen dort auch sehr schnell der ewigen Pizzas und Spagettis überdrüssig werden: „Und dann kommen wir mit unserem feuerroten Gourmet-Tempel und versorgen die Deutschen mit Curry-Wurst, Thüringer Bratwurst, Pommes, Eintöpfen, Kartoffelsalat und Frikadellen“, freut sich Anke Leithäuser auf den neuen Job.
Auslandsangebote
Die Agentur für Arbeit informiert im Internet über Stellenangebote im Ausland unter www.ba-auslandsvermittlung.de. Im Bereich Bergisches Land, Leverkusen und Oberberg sind nach Angaben von Pressesprecher Ortwin Walter im vergangenen Jahr 15 Personen vom Arbeitsamt ins Ausland vermittelt worden. Sechs waren zuvor ALG I-Bezieher, ebenfalls 6 Hartz IV-Bezieher, drei waren nicht arbeitslos.
Doch ein wenig Wehmut bleibt trotz aller Vorfreude auf Bella Italia: Tochter Carina (19) und Sohn Dennis (17) bleiben in Deutschland zurück. Denn Carina möchte ihre Ausbildung als Erzieherin beenden und zieht dafür in Vaters altes Jugendzimmer bei den Großeltern ein. Dennis hat sich für acht Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, weil er sich dort seinen Berufstraum mit einer Ausbildung als Chemielaborant erfüllen kann.
Das Fernsehen ist mit dabei
Mitkommen wird allerdings Hauskatze Tinka. Und mit auf die Reise geht auch ein Film-Team des Fernsehsenders Vox. Denn Leithäusers werden für die Doku-Serie „Auf und davon“ begleitet. „Wir wandern aber nicht so blauäugig aus, wie manche in der Serie“, betont Dirk Leithäuser. Alles sei bestens geplant, fügt Anke Leithäuser hinzu.
Sie hat schon als Kind mit ihren Eltern am Gardasee Campingurlaub gemacht und beim Spielen mit italienischen Kindern die Sprache gelernt. „Ich verstehe fast alles, und die Sprache kommt im Land sicher von selbst wieder zurück“, hofft sie. Einen Volkshochschulkursus Italienisch haben Leithäusers trotzdem noch absolviert. Und versierte Dolmetscher vor Ort haben sie für die notwendigen Abwicklungen mit den Ämtern in einem befreundeten Campingplatzbesitzer und in dessen Sohn.
Ihren Wohnwagen, den sie seit Jahren dort fest auf einem Campingplatz stehen haben, wollen sie an Touristen – vielleicht auch aus Wermelskirchen – vermieten. Eine 90 Quadratmeter große Wohnung haben sie in Ponti Sul Mincio schon gefunden. „Da Italien zur EU gehört, brauchten wir keine Arbeitserlaubnis, nur eine italienische Steuernummer“, berichtet Anke Leithäuser. Katze Tinka musste allerdings gegen Tollwut geimpft werden und einen europäischen Haustierausweis erhalten.
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