Wermelskirchen: Kaum einer haut ab
VON WERNER JANUSZEWSKI - zuletzt aktualisiert: 23.11.2007Wermelskirchen (RPO). Trotz der zurzeit extrem hohen Benzinpreise, zeigen sich an den Wermelskirchener Tankstellen die Kunden als ehrlich. Manchmal wird tatsächlich nicht gezahlt – in der Regel aus wirklicher Vergesslichkeit.
Es gab Zeiten – erinnern Sie sich? – , da ging bei jeder Benzinpreiserhöhung um fünf Pfennige ein Sturm der Entrüstung durchs Land. Inzwischen sind Preissprünge von fünf bis sechs Cent, also nach alter Münze zehn bis zwölf Pfennige, den Autofahrern kaum noch echte Aufregungen Wert. Dennoch: die inzwischen extrem hohen Benzinpreise stellen für viele Autofahrer ein Problem dar. Kommt es deshalb möglicherweise verstärkt zu Tankstellenbetrug, indem getankt, aber „vergessen“ wird zu zahlen?
„Ich hab da schon von angeblich wahren Horrorszenarien in Großstädten gehört. Aber an uns sind die bisher glücklicherweise vorüber gegangen“, sagt Marlies Gorselink, die in der Shell-Tankstelle von Ralf Eisenbach in Neuenhöhe an der Kasse steht. „Entweder sind die Menschen hier im Bergischen alle noch sehr ehrlich, oder unsere intensive Video-Überwachung der gesamten Tankstelle schreckt Tankbetrüger ab“, meint sie weiter.
Benzinpreise
Die Benzinpreise lagen gestern um die Mittagszeit an allen drei befragten Tankstellen auf dem selben Niveau. Der Liter Diesel kostete 1,319 Euro, Normalbenzin lag bei 1,399 Euro und für Super-Benzin mussten 1,409 Euro bezahlt werden.
Kein Tankstellenpächter wollte prognostizieren, wie sich die Preise „in den nächsten Stunden entwickeln werden“.
Gleichwohl gebe es Fälle, wo jemand tankt und ohne zu zahlen wegfährt. „Das liegt aber meist einfach an Vergesslichkeit. Die Kunden treffen hier beim Tanken einen Bekannten, halten ein Schwätzchen, steigen ein und fahren weg. Fast alle melden sich kurz drauf telefonisch oder kommen persönlich wieder vorbei und klären das“, berichtet Marlies Gorselink. Man könne meist auch schon auf den Video-Aufnahmen sehen, dass da keine Absicht der Grund fürs Wegfahren war. In solchen Fälle zeigt man sich an dieser Shell-Tankstelle dann auch durchaus verständnisvoll.
Dann geht’s juristisch zur Sache . . .
Wenn’s sich aber um wirklichen Tankbetrug handelt, dann geht’s auch bei Ralf Eisenbach „zur Sache“. Und das bedeutet: Anzeige bei der Polizei. So ein bis zweimal pro Monat komme das durchaus vor, sagt Eisenbach. Für ihn bleibt’s in der Regel auch ohne Schaden, weil der Mineralölkonzern den Netto-Verlust übernimmt. „Nein, bei uns gibt es keine Zunahme von Tankbetrugsfällen“, sagt auch Freya Hildebrandt von der Aral-Tankstelle an der Berliner Straße. Ein- bis zweimal passiere es pro Monat.
Dann werde Anzeige erstattet. Im übrigen ist auch die Aral-Tankstelle umfassend Video-Überwacht. Freya Hildebrandt hat indes einen anderen üblen Trick mancher „Kunden“ erlebt, der aber so gut wie gar nicht mehr „zieht“, bzw. aufgrund der Video-Überwachung schnell aufgeklärt und bei der Polizei dann auch angezeigt wird: Das Nennen einer falschen Tanksäulennummer. Da werde schon mal beispielsweise für 80 Euro getankt und dann die Nachbarsäule angegeben, bei der vielleicht nur 20 Euro auf dem Zählwerk stehen.
„Glücklicherweise eigentlich keine Fälle von Tankbetrug“, gibt’s an der Shell-Tankstelle in Hünger – trotz der Nähe zu Autobahn, die ein Flüchten vielleicht erleichtern würde. „Auch vermute dass unsere deutlich sichtbaren Video-Kameras abschrecken, aber auch die Nähe der Tanksäulen zur Kasse, von wo aus man einen sehr guten Überblick hat“, meint Mitarbeiter Kevin Braasch. Und auch er sagt: „Gelegentlich kommt es vor, dass jemand wirklich vergisst zu zahlen. Das kann man in der Regel dann auch an seinem auf dem Video-Band festgehaltenen Verhalten erkennen. Aber in fast allen Fällen ruft derjenige dann auch schnell an oder ist wieder da und zahlt.“
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