Wermelskirchen: Kaum noch Handwerker in der Fabrik
zuletzt aktualisiert: 10.02.2007Wermelskirchen (RPO). „Der typische Schreiner fühlt sich bei uns nicht wohl“, gibt Andreas Störtte, Betriebsleiter bei der Möbelfabrik Posseik, zu. Das liege an der fortschreitenden Technisierung in der industriellen Möbelfertigung. Während man in einer traditionellen Schreinerwerkstatt ein Werkstück von Anfang bis Ende selber fertige, arbeite der Schreiner in der Fabrik notgedrungen immer nur an einem einzigen Bestandteil des Ganzen. „Deshalb haben wir auch nur noch vier ausgebildete Schreiner, die hauptsächlich in unserer Musterwerkstatt arbeiten“, berichtet Andreas Störtte, der aber selbst auch noch das Schreinerhandwerk von der Pike auf gelernt hat. Zu den insgesamt 150 Beschäftigten gehörten 30 qualifizierte Maschinenführer, der Rest seien angelernte Hilfsarbeiter. Viele seien aus anderen Berufen umgeschult und angelernt worden.
Der 42-jährige Betriebsleiter gehört noch „zur alten Gilde“ der Handwerker. Er hat ganz klassisch zunächst eine Schreinerlehre gemacht und dann die Meisterschule besucht. Er war zunächst Leiter einer Ausbildungswerkstatt in Radevormwald und kam 1992 als stellvertretender Betriebsleiter zu Posseik; seit 1997 leitet er das große Werk im Industriegebiet. „Mit dem Handwerk habe ich heute zwar kaum noch etwas zu tun. Aber es nützt mir sehr, dass ich weiß, worum es geht, dass ich die Basiskenntnisse habe, auch wenn hier weitgehend die Maschinen das Holz bearbeiten“, betont Andreas Störtte. Er selbst habe das Handwerk auch durchaus noch „aus romantischen Vorstellungen“ heraus erlernt: „Mein Vater war Vollblutbeamter, da wollte ich was ganz anderes werden, eben Handwerker“, sagt der Sohn des Stadtdirektors a.D., Siegfried Störtte.
So „beaufsichtigt“ Andreas Störtte heutzutage einen ganzen Maschinenpark mit Millionen teuren und hochkomplizierten Automaten, die aber doch den Menschen noch nicht ganz überflüssig gemacht haben. So war die Firma Posseik im Jahre 1998 der Werbung von Stadtverwaltung und Berufskolleg gefolgt, den damals neuen Berufsgang „Fertigungsmechaniker“ auch in der Holzverarbeitung einzuführen. Der klassische Schreiner wird seither in der Fabrik immer mehr vom Fertigungsmechaniker ersetzt. Der programmiert und führt die Maschinen so, dass sie passgenau und vor allem en masse die Teile anfertigen, die der Kunde dann selbst zu Hause zu fertigen Möbelstücken zusammenbauen kann. Doch der 21-jährige Engin Pektürk, der jetzt seine Ausbildung als Fertigungsmechaniker abgeschlossen hat und auch ins Anstellungsverhältnis übernommen worden ist, wird auch der letzte Auszubildende dieser Art bei Posseik gewesen sein. „Wir haben uns entschlossen, keine Fertigungsmechaniker mehr auszubilden, weil sie mit den anderen Fertigungsmechanikern aus dem Metallbereich nicht mithalten konnten“, berichtet Andreas Störtte. So seien die technischen Ausbildungsmöglichkeiten und die Bandbreite in den Metallverarbeitenden Firmen notgedrungen viel umfangreicher als in der Holzverarbeitung. In der Prüfung werde dann aber keine Rücksicht auf die unterschiedlichen, betrieblichen Voraussetzungen genommen. „Obwohl wir unsere Leute auch in die überbetriebliche Ausbildung geschickt haben, hatten sie aber viel schlechtere Chancen“, bedauert der Betriebsleiter.
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