Wermelskirchen: Kein Applaus im „Mülltheater“
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2008Wermelskirchen (RPO). Die CDU erntet mit ihrem Vorstoß, die bewährte Mülltrennung auf den Prüfstand zu stellen, bei den übrigen Fraktionen nur Kritik. Sie betrachten das Thema als reines Sommertheater, das aber jeder Grundlage entbehre.
Auf einhellige Ablehnung bei den übrigen Ratsfraktionen stößt jetzt der Vorstoß der CDU, die seit fast 20 Jahren eingespielte Mülltrennung neu zu überdenken. Die CDU will, wie wir am Samstag berichteten, der Stadtverwaltung einen Prüfauftrag erteilen, ob die konsequente Mülltrennung in Teilbereichen oder in Frage gestellt werden kann und muss.
„Castingshow“ für Bürgermeister
„Für uns ist das kein Thema“, sagt allerdings SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein dazu, und er schimpft: „Dieser CDU-Antrag ist so überflüssig wie ein Kropf, es gibt überhaupt keinen Grund, die Mülltrennung prüfen zu lassen.“ Einerseits spreche das Gesetz dagegen, andererseits hätten sich die Bürger an die Mülltrennung gewöhnt.
Schwerpunkt Müll
Die WNK-UWG hat laut Henning Rehse das Thema Abfall zum Schwerpunkt für 2008 und 2009 erhoben. So sei bereits auf frühzeitiges Betreiben der WNK-UWG und UWG/BfB die fällige Ausschreibung der Papierentsorgung an den Preisindex des Rohstoffs Papier eingeführt. An die Stadtverwaltung seien folgende Verbesserungsvorschläge herangetragen worden: Die Einrichtung einer Abgabestelle für Sperrmüll und eine kostenfreie Abgabestelle für Grünabfälle; die gelbe Tonne statt der gelben Säcke.
Auch Büfo-Fraktionsvorsitzender Friedel Burghoff spricht sich deutlich für den Beibehalt der bisherigen Mülltrennung aus. Sie habe sich nach schwieriger Eingewöhnungszeit nun in sehr gut bewährt. Ein einziger Grund, über eine Aufweichung der Mülltrennung nachzudenken, wäre für Burghoff, wenn die Trenn-Technik eines Tages so weit fortgeschritten sein könnte, dass eine Mülltrennung in den Haushalten durch die Bürger nicht mehr notwendig wäre. Aber bis dahin käme eine Änderung für das Bürger-Forum nicht in Frage: Das sei reines Sommertheater der CDU – „und für die Aufführung braucht man noch nicht einmal zu zahlen“, kommentiert Burghoff süffisant.
Den Sommertheater-Vergleich zieht auch FDP-Fraktionsvorsitzender Jürgen Manderla: „Wir als Bündnis haben das Thema schon im kühlen Frühjahr besprochen und dann die Finger davon gelassen, weil die Gesetzeslage ziemlich eindeutig ist und keine Änderung ermöglicht“, sagt Manderla, und er fügt hinzu: „Deshalb haben wir es auch nicht zum Sommertheater gemacht, weil wir uns vorher informiert hatten.“ Viel interessanter sei es doch, wenn die CDU endlich bekannt gebe, wen sie denn als Bürgermeisterkandidaten aufzustellen gedenken, meint FDP-Sprecher Jürgen Manderla.
WNK-UWG-Fraktionsvorsitzender Henning Rehse, pflichtet ihm bei: Seit Monaten laufe die beliebte Castingshow „Die CDU sucht einen Bürgermeister“. In regelmäßigen Abständen melde Volker Schmitz den aktuellen Kandidatenstand. Dieser sei nun von sieben auf zwei zusammengeschmolzen. – Zur Erläuterung: Auch der als Favorit gehandelte Reinhard Löchelt hat sich inzwischen gegen eine Bürgermeisterkandidatur ausgesprochen.
Wo war die CDU im Kreistag?
Die CDU treibe jetzt das Thema Müll durchs Dorf, eben als Sommertheater, aber Rehse fragt: „Wo waren eigentlich die vier Kreistagsabgeordneten der CDU in der Sitzung des Kreistags im Juni 2008?“ Denn da sei einstimmig, also mit den Stimmen der CDU, das Abfallwirtschaftskonzept des BAV beschlossen worden, erinnert Rehse. Und er schimpft: „Die Sommertheater-Aufführung der CDU ist grottenschlecht.“
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