Wermelskirchen: Krank, aber man sieht nichts
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 19.08.2008Wermelskirchen (RPO). Ute Gagaridis ist Mutter eines Sohnes, der an Asperger Autismus leidet. Die Familie hat eine elfjährige Odyssee hinter sich, bis die Diagnose gestellt und dem Jungen geholfen werden konnte. Nun gründet sie eine Elterngruppe.
„Man sieht ja nichts, also kann es auch nicht so schlimm sein“: Diesen Satz kennt Ute Gagaridis nur allzu gut. Sie ist Mutter eines mittlerweile 17-jährigen Sohnes, der an dem so genannten Asperger Syndrom leidet, einer besonderen Form des Autismus. Sie will nun eine Selbsthilfegruppe für Eltern gründen, deren Kinder ebenfalls an dieser Behinderung leiden, die dem Umfeld der Familien, Schulen und Kindergärten oftmals völlig unbekannt ist.
„Ich musste massiv dafür kämpfen, dass mein Sohn eine normale Schullaufbahn durchlaufen konnte. Aber jetzt ist er leider an einem sehr starren Schulsystem in der elften Klasse des Gymnasiums gescheitert. Obwohl er gute Noten hatte“, berichtet Ute Gagaridis und führt dies auch auf mangelnde Aufklärung in den Schulen über das Asperger Syndrom zurück. Ihr Sohn nimmt jetzt an einer berufsvorbereitenden Maßnahme in Köln teil. „Und es geht aufwärts mit ihm“, freut sich die Mutter.
Erstes Gruppentreffen
Die neue Selbsthilfe-Eltern-Kontaktgruppe „Kinder mit Asperger Autismus“ trifft sich erstmals am Dienstag, 9. September, 19.30 bis 21 Uhr, am Friedrich-Wilhelm-Raiffeisenplatz 4, in Burscheid-Hilgen (über der Raiffeisenbank, Ecke Kölner Straße in Burscheid-Hilgen an der B 51) und dann jeweils jeden ersten Dienstag im Monat. Weitere Informationen gibt Ute Gagaridis unter Tel. 973382, 0170/2172069, E-Mail k.gararidis@t-online.de
„Du bist so sonderlich“
Schließlich haben Sohn Manuel und seine Eltern eine langjährige Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bis nach monatelangem Beobachtungsaufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Bonn endlich erkannt wurde, woran der Junge leidet. „Da war Manuel elf Jahre alt, und bis dahin hatten wir alle eine schlimme Zeit hinter uns. Die Leute sagten zu meinem Sohn immer: Du bist so sonderlich“, erinnert sich Ute Gagaridis.
Sie weiß, dass es auch weitere betroffene Eltern in der Region gibt. Und sie weiß, dass die Hilflosigkeit oft dieselbe ist, die ihre Familie bis vor sechs Jahren noch quälte. Deshalb möchte sie mit der Selbsthilfe-Gruppe die Aufklärung über den Asperger Autismus in Kindergärten und Schulen verbessern. Zudem sollen die Eltern Erfahrungen austauschen, sich in ihrem Kampf für die kranken Kinder stützen, ein Informationsnetzwerk bilden. Denn ihrer Kenntnis nach gibt es im gesamten bergischen Umkreis keine solche Selbsthilfegruppe, die nächste erst wieder in Köln. Die Mutter hofft aber auch: „Unser Sohn soll einmal einen Beruf ergreifen und eine Familie gründen können. Mit der entsprechenden Begleitung ist das auch bei Menschen mit Asperger Autismus möglich.“ Diese Form des Autismus ist benannt nach dem Mediziner Hans Asperger, der 1944 seine Studie zu diesem Syndrom veröffentlichte.
Autismus nimmt zu
Sie ist eine Entwicklungsstörung im Gehirn. Autismus äußert sich in Schwierigkeiten, Sozialkontakte aufzunehmen und Informationen zu verarbeiten, zu kommunizieren. Menschen mit Asperger Syndrom haben oft Probleme im Sprachgebrauch und sind bisweilen motorisch ungeschickt. Die Häufigkeit autistischer Erkrankungen generell liegt bei 1,16 Prozent der Bevölkerung. 0,77 Prozent leiden unter tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, zu denen auch das Asperger Syndrom gerechnet wird. Umweltgifte und Impfstoff-Zusätze werden von Medizinern als Ursachen dafür vermutet. Die Krankheit ist unheilbar, durch Unterstützung und Begleitung können aber auch Asperger Patienten ein annähernd normales Leben führen.
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