Wermelskirchen: Krankenhaus-Balkone sind jetzt alle verriegelt
zuletzt aktualisiert: 15.01.2008Wermelskirchen (RPO). Immer mehr Blumen legen die trauernden Mitschüler inzwischen auf der Wiese hinter dem Krankenhaus nieder. Der Geschäftsführer des Krankenhauses, Christian Madsen, hat zwar Verständnis dafür, dass die Jugenlichen auf diese Weise Abschied von Wiebke nehmen. Aber er hofft auch im Sinne der Patienten, dass sich der Ort nicht zu einer Pilgerstätte mit dem entsprechenden Rummel entwickelt.
Erfreulicherweise werde aber recht ruhig Abschied genommen, so dass die Patienten bisher wahrscheinlich kaum etwas von dem Todesfall mitbekommen hätten, meint Madsen. Bei ihm hatten auch einige Seelsorger telefonisch angefragt, ob sie mit Schülergruppen den Trauerplatz besuchen dürften. Das habe er gerne erlaubt, da dies so auch in geordneten Bahnen verliefe. Sicherheitsvorkehrungen habe das Krankenhaus nach dem Selbstmord aber auch getroffen: „Wir halten alle Balkone vorerst verriegelt“, kündigt Madsen an. Das medizinische Team sei noch sehr mitgenommen und werde jetzt noch verstärkt von Krankenhaus-Seelsorger Burkhard Rittershaus betreut.
Der Seelsorger eilte gestern zwischen Realschule und Krankenhaus hin und her. „Ich bin seit Freitagmorgen im Dauereinsatz“, berichtete er der BM. Und er fügte hinzu: Er habe schon seit Jahren vorhergesehen, dass auf Wermelskirchen solch ein Selbstmord eines Jugendlichen zukommen könne: „Ich habe die entsprechenden Stellen auch informiert, aber sie waren wohl ratlos, überbelastet, hatten kein Personal“, sagt der Seelsorger resigniert. Er geht davon aus, dass sich auch an anderen Schulen in der Stadt eine solche Negativentwicklung abzeichne.
Gerade auch am Krankenbett ist Rittershaus jetzt gefragt. Es hätten nämlich doch einige Patienten viel zu viel von dem Selbstmord mitbekommen, „zumindest das Mädchen am Boden liegen gesehen“. „Da gilt es jetzt, ein traumatisches Erleben aufzuarbeiten. Sie müssen diese Bilder aus dem Kopf bekommen“, weiß der Krankenhausseelsorger, der sich aber nach wie vor auch für die Schüler bereithält. „Man kann aber nur demjenigen helfen, der sich auch helfen lassen will“, schränkt er ein und geht davon aus, dass sich eine große Dunkelziffer nicht meldet, obwohl auch sie Hilfe bei der Trauerarbeit benötige.
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