Wermelskirchen: Kritik an Tierschutz-Chefin
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 20.11.2008Wermelskirchen (RPO). Die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Magda Ditges, hat von „Armleuchtern“ gesprochen, denen sie keine Tiere geben will. Nun „outen“ sich immer mehr so genannte „Armleuchter“ mit harscher Kritik an Ditges.
„Ich gehöre auch zu den Armleuchtern, denen das Wermelskirchener Tierheim kein Tier geben wollte“: So reagierte Dr. Werner Güntermann gestern auf Magda Ditges, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Wermelskirchen/Hückeswagen. Diese hatte am Vortag in einer Stellungnahme in der BM gesagt: „Ich bin die strengste Vermittlerin der Welt, ich gebe nicht jedem Armleuchter unsere Tiere.“ Damit reagierte sie auf den WNKUWG-Fraktionsvorsitzenden Henning Rehse, der öffentlich beklagte, es sei einfacher ein Baby aus Schwarzafrika zu adoptieren, als aus dem örtlichen Tierheim ein Tier vermittelt zu bekommen.
„Ich erwarte, dass sich Frau Ditges umgehend für die Armleuchter-Äußerung entschuldigt“, sagt Dr. Güntermann erbost. Er habe, als sein Hund verstorben sei, gezielt im örtlichen Tierheim nach einem Bernhardiner gefragt, der dort vermittelt werden sollte und sei schon an der Pforte abgewiesen worden.
Ditges argumentiert
Das Argument von Magda Ditges für ihre strengen Vermittlungskriterien lautet: Andere Tierheime hätten eine große Rücklaufquote, nicht das örtliche. Dort gehe man auf Nummer sicher und suche sich die neuen Tierbesitzer besonders gut aus, damit auch anschließend keine problematischen Rückgaben mehr erfolgten.
Tiere nicht über Menschen setzen
Dass er nicht der einzige, wie Ditges sagt, „Armleuchter“ sei, habe er auch aus seiner Praxis als Lerntherapeut erfahren: „Ich habe einer Familie geraten, für ihr Kind ein Kaninchen aus dem Tierheim zu holen. Denn die Beschäftigung mit Tieren ist gut für die Kinderseelen“, weiß der Therapeut. Aber Frau Ditges habe abgelehnt, Tiere an Familien mit Kindern zu vermitteln: „Ich bin selbst ein großer Tierfreund, habe zwei Hunde und nehme auch immer gerne Mieter, die tierlieb und kinderlieb sind. Aber es kann doch nicht sein, dass Tiere über den Menschen gestellt werden“, appelliert Dr. Güntermann. Für ihn laute daher sein persönliches Fazit: „Ich unterstütze gerne Tiere in Not und das Tierheim in Lennep. Das Wermelskirchener Tierheim wird von mir solange nicht unterstützt werden, bis dort ein anderes Verhalten der jetzigen Vorsitzenden gegenüber Familien mit Kindern gezeigt und gelebt wird.“
Ein weiterer „Armleuchter“, wenn man nach dem Vokabular von Magda Ditges geht, „outete“ sich gestern gegenüber der BM: Auch Jürgen Manderla ist von den Vermittlungspraktiken der Tierschutz-Chefin alles andere als angetan: „Ich habe seit meinem zehnten Lebensjahr Kaninchen gezüchtet und bin jetzt fast 60. Die Kaninchen sind bei mir schon Nostalgie. Aber ich tue mir doch solch einen Knebelvertrag nicht an, den mir Frau Ditges zur Unterschrift vorlegen wollte“, sagt Manderla.
Lieber Zucht- als Fundtiere
Bei Abgabe eines Kaninchens aus dem Tierheim hätte er nämlich unterschreiben sollen, „dass Magda Ditges jeder Zeit ohne mein Wissen auf mein Grundstück darf, wo das Tier gehalten wird“, wundert sich Manderla über diese „Anmaßung“, die im Übrigen auch gegen rechtsstaatliche Gepflogenheiten verstoße. Übrigens haben sich Dr. Güntermann und Jürgen Manderla nach ihren negativen Erfahrungen mit dem Tierheim, wo sie doch eigentlich Fundtiere aufnehmen wollten, dann doch für Zuchttiere entschieden.
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