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Wermelskirchen: LED-Ketten verschwinden

VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 29.11.2008

Wermelskirchen (RPO). Die Volksseele kocht: Alle wollen die alte Weihnachtsbaum-Beleuchtung wieder haben. „Der Baum ist ein Wahrzeichen, kein Witzzeichen.“ WiW reagiert: Zum Nikolausmarkt brennen wieder die alten Glühbirnen.

Am Donnerstagabend waren (v.l.) Jürgen Hemmerich, Henning Conrads und Maximilian Fresen beim Einschalten der Weihnachtsbaum-Beleuchtung noch zuversichtlich, dass sie mit den LED-Ketten den Geschmack der Bürger treffen würden. Gestern blieb’s schon dunkel.  Foto: RPO
Am Donnerstagabend waren (v.l.) Jürgen Hemmerich, Henning Conrads und Maximilian Fresen beim Einschalten der Weihnachtsbaum-Beleuchtung noch zuversichtlich, dass sie mit den LED-Ketten den Geschmack der Bürger treffen würden. Gestern blieb’s schon dunkel. Foto: RPO

Einen Sturm erlebten am Donnerstagabend schon die WiW-Verantwortlichen. Der Sturm entwickelte sich gestern zu einem Orkan: „Die Volksseele kocht. Damit haben wir nicht gerechnet“, entschuldigte sich WiW-Vorstandsmitglied Henning Conrads. „Wir wollen nur sparen und haben deshalb die LED-Ketten in den Weihnachtsbaum gehängt. Wir wollten es ausprobieren.“ Und Fresen ergänzt: „Wir sind damit nicht angekommen.“ Nun werden die LED-Ketten wieder entfernt. „Zum Nikolausmarkt“, versprach WiW-Vorsitzender Johannes Schnütgen, „werden wieder die alten Glühbirnen erleuchten.“

Heftige Reaktionen der Bürger erlebten Fresen, Schnütgen und Conrads. Aber auch in der BM-Redaktion meldeten sich etliche Leser zu Wort. Hier einige Auszüge.

Info

Baumtaler

Wie groß ist die Identifikation der Bevölkerung mit dem Standort und dem Weihnachtsbaum? Die Reaktion auf die LED-Ketten war eindeutig. Aber ob sie bereit ist, einen Obolus zur Finanzierung zu leisten? „Wir überlegen, Baumtaler zu verkaufen. Vielleicht unterstützen uns ja die Bürger“, so Fresen.

„Ich dachte, da ist ein Ufo gelandet“, beschreibt Martina Sieckendieck ihre erste Reaktion von Donnerstagabend. „Das blaue Licht, die Schnüre hängen so lieblos im Baum, als hätte jemand einen Beutel Lametta reingeworfen.“ Sparen sei gut, aber nicht am Weihnachtsbaum: „Der Baum ist ein Wahrzeichen, kein Witzzeichen.“

„Wir haben weit und breit den wunderschönsten Tannenbaum. Aber so ist der Anblick doch entsetzlich“, sagte Uschi Varga. Es gebe sicher schöne LED-Farben: „Diese Farbe ist einfach grässlich.“ Und wenn man nicht die Glühbirnen ähnliche Farbe in den erforderlichen Kettenlängen bekomme, müsse man eben mehrere aneinander knüpfen: „So ist das jedenfalls unmöglich.“

Ein „Supergau“

Als „weihnachtstechnischen Supergau“ bezeichnete WNKUWG-Fraktionsvorsitzender Henning Rehse die Entscheidung von WiW. „Energie und Geld zu sparen unterstütze ich. Aber dieser blaue Lichtschein sei nicht erträglich. „Das verbreitet null weihnachtliche Stimmung.“ Da sei, so seine Vermutung, die falsche Farbe gewählt worden. „Die Farbe gelb bringt eine Färbung, die den Glühbirnen sehr nahe kommt.“ Sein Vorwurf: „Die Aktion hätte früher und besser vorbereitet werden müssen.“

„Nackt gefällt mir der Baum besser“, so Erich Wolf. „Reißt bloß dieses Gestrüpp von Schnüren aus dem Baum.“

Auch Hannelore Blasberg findet es entsetzlich, was WiW mit dem Weihnachtsbaum gemacht habe. „Er ist doch der größte Natur-Weihnachtsbaum Deutschlands – und jetzt wird er verschandelt.“ Sie wäre sogar bereit dafür, auf die Straße zu gehen, damit diese Ketten aus dem Baum verschwänden. Die Baumtaler-Idee würde sie unterstützen.

„Wir sollten in jedes Geschäft eine Sammelbüchse stellen, damit für nächstes Jahr wieder eine richtige Glühbirnenkette in den Baum kommt“, schlägt Doris Offermanns vor. Ihr hat es jedenfalls die Sprache verschlagen, als sie die Schnüre sah: „Da kommt doch keine Atmosphäre auf.“

An diesem Wochenende werden die vorhandenen Ketten von Ehrenamtlichen im WiW-Verein kontrolliert und instandgesetzt. „Dafür danke ich schon mal allen, die helfen“, so Schnütgen. „Wir werden dafür sorgen, dass der Weihnachtsbaum wieder im gewohnten Licht leuchtet.

Quelle: RP

 
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