Wermelskirchen: Mädchen lernen, sich zu wehren
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 14.01.2009Wermelskirchen (RPO). Der Stadtmarketingverein WiW finanziert Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen. Die Gleichstellungsbeauftragte und die Erziehungsberatung bieten diese Kurse an.
Was können Mädchen und Frauen tun, wenn sie gemobbt oder sogar körperlich belästigt werden? Wie können sie sich im Alltag gegen Gewalt wehren, sich behaupten, verbal und, wenn es nottut, auch mit geübtem körperlichen Einsatz? Kurse zur Selbstbehauptung bietet die Psychologische Beratungsstelle (Erziehungsberatung/EB) zwar bereits seit 20 Jahren an. "Aber diese Kurse können wir nie aus unseren eigenen Mitteln finanzieren. Wir waren bisher immer auf die Bußgelder vom Gericht angewiesen", berichtet der Leiter der EB, Matthias Fink. Doch diesmal springt der Stadtmarketingverein WiW mit 1100 Euro in die Bresche und finanziert damit einen Selbstverteidigungskurs mit 14 Plätzen für junge Mädchen sowie zwei -workshops für jeweils zwölf Frauen.
Die Kursdaten
Selbstverteidigung für zwölf- bis 14-jährige Mädchen, 14. und 15. 2., 14 bis 18 bzw. 11 bis 15 Uhr, Schwanenschule, 20 Euro, Anmeldung Tel. 1022, eb@stadt.wermelskirchen.de. Sicherheit und selbstbewusstsein für Frauen, 14. 3. und 19.9., 11 bis 18 Uhr, Schwanenschule, 50 Euro, Anmeldungen Tel. 710 171, regina.loehmer@stadt.wermelskirchen.de
Eine Frage der Gemeinnützigkeit
Heinrich Niehaves, ehrenamtlicher Geschäftsführer bei WiW, erklärt dieses Engagement so: WiW habe sich mit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit per Satzung auch verpflichten müssen, etwas für die Gleichstellung in der Stadt zu tun. So sei es naheliegend gewesen, seine guten, alten Kontakte zur Gleichstellungsbeauftragten Regina Löhmer zu erneuern und sich finanziell an deren Frauenprogramm zu beteiligen, sagt der ehemalige Bürgermeister. Denn die Selbstbehauptungskurse laufen in Kooperation zwischen der Gleichstellungsstelle und der Erziehungsberatung. Das Finanzamt habe WiW inzwischen darüber hinaus sogar noch auferlegt, "etwas für Tiere zu tun": Man müsse schon viele Auflagen erfüllen, um als gemeinnütziger Verein Steuern zu sparen, erläutert Niehaves. Die Selbstverteidigungskurse werden von dem erfahrenen Team der EB geleitet: Dazu gehören Maria Spahn, Fachärztin für Psychiatrie, und Diplom-Sozialpädagogin Sabine Müller. Für die Mädchenkurse gebe es inzwischen sogar eine lange Warteliste. Das bewährte Angebot habe sich bei Betroffenen, in Schulen, bei den Eltern herumgesprochen, weiß Matthias Fink. Da die Bußgelder des Gerichtes aber nur unregelmäßig eingingen, sei mit der Spende des Stadtmarketingvereins jetzt ein Zusatzangebot ermöglicht worden, freut er sich.
Das Selbstbewusstsein stärken
Maria Spahn weiß, dass Mädchen und Frauen nicht nur in Großstädten mit Überfällen und Belästigungen zu tun haben: "Die Themen, die die Mädchen und Frauen zu uns bringen, sind in der Kleinstadt dieselben wie in der Großstad." Es gehe deshalb nicht nur um Kampftechnik, sondern darum, das Selbstbewusstsein zu stärken, sich auch mit Worten zu wehren.
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