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Wermelskirchen: Männliche Vorbilder fehlen

VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 16.10.2007

Wermelskirchen (RPO). Ralf Schmidt ist seit fünf Jahren Lehrer an der Schwanen-Grundschule. Er hat seinen Traumberuf gefunden. Auch der 31-Jährige findet es wichtig, dass mehr Männer wieder diesen Beruf ergreifen.

Info

Neun Männer

An den sieben Grundschulen gibt es 76 Planstellen. Davon sind neun mit Männern besetzt. Drei Männer üben zusätzlich eine Rektor-Funktion aus.

Er hat seinen Traumberuf gefunden. Und er lebt ihn: Ralf Schmidt (31) ist Grundschullehrer. Und er möchte nichts anderes sein. Seit fünf Jahren hat er eine Stelle an der Schwanenschule. Er leitet dort die „Mäuseklasse“ – eine flexible Eingangsstufe für Erst- und Zweitklässler. Die Fünf- bis Achtjährigen werden dort individuell gefördert.

Aber nicht nur diese Aufgabe macht ihn zum überzeugten Grundschullehrer: „Es macht mir Spaß, mit Kindern umzugehen. Kindern etwas beizubringen.“ Dies sei der „tollste Beruf, das Beste überhaupt, was ich mir vorstellen kann“. Der 31-Jährige hatte früh Kontakt mit kleinen Kindern: Er war häufig bei seinen älteren Geschwistern als Babysitter engagiert – „und das war nicht schlecht“. Da habe er erstmals gespürt, dass ihm der Umgang mit Kindern liege. „Die Rückmeldungen der Kinder und Eltern – das finde ich einfach prima.“

Die Überlegung der NRW-Schulministerin Barbara Sommer, für mehr Männer als Grundschullehrer zu werben, findet er wichtig: „In manchen Familien gibt es bis zur weiterführenden Schule keine männliche Bezugsperson. Gerade das männliche Erscheinungsbild ist wichtig, wenn kein Vater präsent ist.“

„Ich habe es ihr nicht ins Ohr geflüstert“, lacht Carolin Maus, Leiterin der Schwanenschule. Sie hatte am Samstag von der Ministerin das Gütesiegel in Empfang genommen. „Aber ich würde mich freuen, wenn Frau Sommer es umsetzen könnte: Denn in den Schulen fehlen die männlichen Vorbilder.“ Die schlechte Besoldung einerseits, die schlechte Außendarstellung des männlichen Grundschullehrer-Bildes andererseits könnten dazu geführt haben, dass es so wenige männliche Kollegen gebe. „Das sind keine Männer!“ – dieser Satz geistere immer noch in vielen Köpfen herum, wenn es um Grundschullehrer gehe. „Das ist unverschämt“, so Frau Maus, „das ist eine Herabwürdigung unserer Arbeit.“

Hohe Fachkompetenz

Grundschullehrer müssten eine hohe Fachkompetenz und eine hohe Sensibilität für Kinder vorweisen. Und Studien hätten längst belegt, dass Jungen die Verlierer seien, wenn ihnen von früh an das Mädchen-Frauenbild vorgelebt werde, dass das weibliche Geschlecht das Reden übernehme. Gespräche würden sie später nicht mehr führen können. So seien zwei Drittel des Klientels an Förderschulen Jungen. Ähnliches gelte bei der Lesekompetenz: Das Angebot sei auf Mädchen ausgerichtet – „wenn das richtige Angebot da ist, haben auch die Jungen Spaß am Lesen.“

Auch Paul-Dieter Rudolf (Dabringhausen) würde sich über mehr männliche Kollegen freuen. Er ist der einzige Mann im Kollegium. „Pänz brauchen auch Männer – die Jungen reagieren dann ganz anders.“ Zudem gebe es immer mehr Familien, die nicht mehr vollständig seien.

„Hoffentlich sind das nicht nur Sonntagsreden“, so Gerd Palmersheim (KGS): „Diese Ankündigung muss erst mit Leben erfüllt werden.“ St. Michael ist mit zwei Vollzeitstellen und einer halben für muttersprachlichen Unterricht besser ausgestattet als Dabringhausen. Palmersheim vermutet, dass das Berufsbild für Männer nicht attraktiv genug sei. „Das liegt wohl am deutschen Rollenbild“, was er bedaure: „Der Grundschullehrerberuf ist leider als Frauenberuf aus der Geschichte heraus verkommen.“ Er wünsche sich auch mehr männliche Kollegen – dann sei auch der Umgang untereinander anders.

Quelle: RP

 
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