Wermelskirchen: Mit frischer Brise aus der Krise Getanzt wurde auch auf Tischen und Bänken
VON JANINA LENZ - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010Wermelskirchen (RPO). "Wermelskirchen Alaaf" tönte es am Samstag durch das Bürgerzentrum. Pünktlich eine Woche vor den Karnevalstagen hatte die Karnevalsgesellschaft (KG) Rot Weiß St.Michael zur Karnevalssitzung eingeladen. Die "Freude unterm schiefen Turm" hatte in diesem Jahre in besonderes Motto: "Mit frischer Brise aus der Krise". Das hieß im Klartext: Allen schlechten Nachrichten, allen bösen Botschaften mit Spaß und Freude begegnen.
"Wir stecken nicht in der Krise", erklärte Präsident Günther Klein bestimmt. Und das ließen auch die vielen Jecken verlauten: "Drink doch ene met…" oder "Mer losse d'r Dom en Kölle" animierten zum Schunkeln, Tanzen und Spaß haben.
Geschätztes Programm
Das Programm war wie in jedem Jahr bunt gemischt und abwechslungsreich aus Büttenreden, Tanz und Musik. Geschätzte Büttenredner, wie den "Botzenträgern", den "Weibsbildern" oder "St. Michael und St.Bartholomäus", wurden ebenso beklatscht wie Neulinge. Zum ersten Mal dabei waren in diesem Jahr der Tanzchor "Ruut Weiß Dabringhausen" und auch das Dabringhauser Dreigestirn mit Prinz Uli Braun, Prinzessin Silvia Brandt und Bauer Hans-Joachim Küpper schaute erstmalig auf der Sitzung vorbei. "Es ist immer wieder toll, was hier geboten wird. Der Tanzcorps aus Vilkerath war richtig akrobatisch, die Mädels sind durch die Gegend geflogen und wurden wieder aufgefangen. Es macht wirklich Spaß, hier zuzusehen", freute sich Andreas Müllenbach, der mit seiner Frau im 70er Jahre-Kostüm gekommen war. Und mit Freude konnte tatsächlich gefeiert werden. Denn bis zum Donnerstag hatte die Karnevalssitzung noch in den Sternen gestanden, wie Präsident Günther Klein berichtete: "Wir sind wirklich heilfroh, dass wir am Donnerstag das Okay von der Stadt bekommen haben. Wenn das Gebäude nicht sicher gewesen wäre, hätten wir keine Ausweichmöglichkeit gehabt."
So aber wurde ausgelassen "unterm schiefen Turm" gefeiert.
Lustige, lokale Themen
Viel zu lachen gab es, denn besonders die Sitzung der KG Rot Weiß steht für viel Lokalkolorit in den Büttenreden. So überlegten die "Weibsbilder", wen sie denn mit auf ihre gebaute Arche zur Flucht aus der Krise mitnehmen könnten. "Bürgermeister Weik wird Gallionsfigur. Gut aussehen tut er ja, nur wachsen muss er noch", scherzten die Frauen unter der Leitung von Brigitte Krips. Bis in die Nacht tanzten und feierten die Jecken der KG Rot Weiß St.Michael, bis es irgendwann hieß: "Bye bye my love, mach et jot, bes zom nächste Mol…"
Tente (kdg) Nebelschwaden schlugen einem ins Gesicht, überall blinkte und glitzerte es. Es war laut, es war voll, es war Karneval in Tente. Der "Tenter Meddemang" der Feuerwehr Unterstrasse hatte wieder Einzug gehalten und in der Turnhalle der Grundschule wurde sprichwörtlich auf Tischen und Bänken getanzt.
Dabei standen die Veranstaltungen am Montag noch auf der Kippe. 22 Männer der Feuerwehr sowie drei Väter erklärten sich spontan bereit, auf das Dach zu steigen und den Schnee zu entfernen. Mütter brachten Verpflegung und warme Getränke. Damit war nicht nur die abendliche Sitzung, sondern auch der Kinderkarneval gerettet. "Das war ein toller Einsatz", freut sich auch Gruppenführer Detlef Schwarz. "Und es hat auch Spaß gemacht, etwas für die gute Sache zu tun."
Fünf Stunden Programm
Der Aufwand lohnte sich. Knapp fünf Stunden Programm ließ die Halle toben. Die Künstler gaben sich die Klinke in die Hand und die versammelten Jecken wurden des Jubelns und Singens nicht müde. Der Tanz dominierte mit den Löher Big Pänz, der TGV Blau-Weiss sowie den Tanzkorps aus Dabringhausen und Dhünn das Programm. Doch auch hier gab es Abwechslung. Die Blau-Weißen aus Tente gaben einen stimmungsgeladenen Can Can zum Besten, der mittlerweile fest zum Programm gehört, die Grunewalder sorgten mit einer qualitativ sehr hohen Choreographie zu Michael Jacksons "Beat it" für viel Applaus.
Tanzende Putzfrauen, die sich als Bauchtänzerinnen aus 1001 Nacht entpuppten oder die Löher Damen, die diesmal unter Pelzmützen schwitzten und ein fröhliches "Kalinka" pfiffen – es ging auch auf der Bühne hoch her. Schade war, dass die Darbietung vom "Lisbettchen", die eine Büttenrede in Tusnelda-Manier hielt, leider unterging in der Sangeslust der Jecken zu fortgeschrittener Stunde. Vielleicht hätte man ihre Einschätzungen über Schönheitsfarm und Problemzonen besser an den Anfang des Programms gestellt.
Den unbestrittenen Höhepunkt des Abends stellte der "Löher Flurschaden" dar. Die Männer kamen in knappen Cheerleader-Kleidern daher und zeigten Hebefiguren vom Feinsten und nackte Haut. Der perfekte Übergang zum ausgelassenen Feiern. Alaaf!
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