Wermelskirchen: Mutter kämpft für ihren Sohn
VON BRITTA KRAUSS - zuletzt aktualisiert: 29.12.2009Wermelskirchen (RPO). Denise Resch lebt seit fünf Jahren in Mexiko. Ihr Sohn Hendrik (4) leidet an einer Form von Autismus. In Veracruz hat sie eine Selbsthilfegruppe für Eltern und einen Verein zur Aufklärung gegründet. In Wermelskirchen will sie zur Unterstützung nun einen Förderverein gründen.
Manchmal rastet Hendrik (4) aus. Er fängt an zu schreien, wirft sich hin und schlägt seinen Kopf auf den Boden. Schuld kann die Tomatensoße auf seinen Nudeln sein, ein neuer Belag auf seinem Sandwich oder die Tatsache, dass er statt Orangensaft am Morgen Apfelsaft eingeschenkt bekommen hat. Hendrik leidet an einer Art Wahrnehmungsstörung. Statt zu sagen, was ihn stört, reagiert er mit Wutanfällen. Er ist unruhig, lernt erst jetzt sprechen, reagiert überempfindlich auf bestimmte Reize und ist manchmal nicht ansprechbar. Ärzte haben bei ihm das Asperger Syndrom diagnostiziert, eine bestimmte Form des Autismus.
Langer Weg zur Diagnose
Der Förderverein
Denise Resch und Ute Gragaridis suchen nach Helfern und Gründungsmitgliedern für den Verein und nach, bestenfalls spanischsprachigen, Experten, die sich bereiterklären würden, per Videokonferenz Vorträge für mexikanische Betroffene zu halten. Auch Spenden sind willkommen. Infos bei Ute Gargaridis Tel.01702172069.
Hendriks Mutter, Denise Resch (28), ist froh, dass sie jetzt weiß, was mit ihrem Sohn los ist. Der Weg zu der Diagnose war lang. Seit fünf Jahren lebt die Wermelskirchenerin mit ihrem mexikanischen Mann und drei Kindern in Mexiko. Als ihr Sohn zwei Jahre alt war, machte sie sich auf die Suche nach Hilfe. Ein Arzt und eine Neurologin zeigten sich ratlos. "Das wächst sich aus" sagte man ihr, Mittel zur Beruhigung halfen nicht. In einem Kinderzentrum bekam sie schließlich die Diagnose und war erst einmal geschockt. Denn Autismus ist nicht heilbar – nur die Symptome sind behandelbar.
Im September vergangenen Jahres gründete sie in ihrem Wohnort Veracruz eine Selbsthilfegruppe für Eltern mit autistischen Kindern, vor rund einem Monat dann gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Vereins "Ver Autismo". Der Name hat eine doppelte Bedeutung: Das "Ver" steht für Veracruz, aber auch für das Wort sehen. Ziel des Vereins: die Öffentlichkeit, Lehrer, Ärzte und Eltern über den Autismus aufklären. Die Mitglieder wollen Seminare veranstalten und – so der langfristige Plan – irgendwann eine Förderschule gründen. "Das Bewusstsein und die Toleranz im Hinblick auf die Integration von Autisten sind in Mexiko noch nicht so vorhanden", sagt Denise Resch. Spezialisten gibt es kaum, die Therapie ihres Sohnes ist unzureichend und muss privat bezahlt werden. In Deutschland zahlen entweder das Jugendamt, der Landschaftsverband oder die Krankenkasse die Behandlung.
Seit Anfang Dezember ist die Reiseverkehrskauffrau hier im Kreis unterwegs, um Informationen über den Umgang mit der Störung und Behandlungsmöglichkeiten zu sammeln – und um hier mit Hilfe von der Wermelskirchenerin Ute Gargaridis einen Förderverein zu gründen. Damit soll um Spenden für "Ver Autismo" geworben werden. Finanzielle Unterstützung durch den mexikanischen Staat gibt es kaum, private Spenden halten sich wegen der niedrigen Gehälter in Grenzen.
Ute Gargaridis (53), die den Förderverein mit gründen will, weiß, was es heißt, ein autistisches Kind aufzuziehen. Bei ihrem Sohn Manuel (heute 18) wurde im Alter von 10 Jahren das Asperger Syndrom diagnostiziert – nachdem sie jahrelang von Arzt zu Arzt gezogen war und man ihren Sohn fälschlicherweise als schizophren, manisch-depressiv oder einfach verhaltensauffällig bezeichnet hatte. Im September 2008 gründete sie eine Selbsthilfegruppe für Eltern. Die 53-Jährige ist mittlerweile Expertin in Sachen Autismus. Die Ursachen der Krankheit sind noch unklar, vermutet werden erbliche Faktoren. Ihren Job als Buchhändlerin hat Ute Gargaridis aufgegeben, nun arbeitet sie als Integrationsassistentin für autistische Kinder. Sie weiß, wie schwer Autisten es haben. Auch, weil man ihnen ihre Krankheit nicht ansieht. Autisten werden normal behandelt, können aber nicht immer "normal" reagieren. Doch noch eines hat Ute Gargaridis gelernt: dass es sich mit der richtigen Therapie gut leben lässt. Ihr Sohn Manuel wird nun eine Ausbildung zum Chemielaboranten beginnen. Dass auch ihr Hendrik so eine Chance bekommt, dafür will Denise Resch jetzt kämpfen.
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