Wermelskirchen: Nach Razzia rehabilitiert
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 17.09.2008Wermelskirchen (RPO). Die Ermittlungsverfahren gegen Ex-Bürgermeister Michael Heckmann und den Architekten Rolf Hilverkus sind mangels Tatverdacht und erwiesener Unschuld nach fast zwei Jahren und Großrazzien jetzt eingestellt worden.
Der Tatverdacht wegen Untreue und Vorteilsnahme gegen den ehemaligen Bürgermeister Michael Heckmann hat sich nicht bestätigt. Oberstaatsanwalt Günter Feld teilte der Bergischen Morgenpost gestern auf Anfrage mit, dass die Ermittlungen gegen Michael Heckmann mangels Tatverdacht in beiden Punkten eingestellt worden sind. Fast zwei Jahre lang ist indes ermittelt worden, auch gegen den Architekten Rolf Hilverkus.
Großrazzia bis ins Rathaus
Am Anfang stand, wie die BM exclusiv berichtete, eine Großrazzia am 2. November 2006, die zeitgleich im Rathaus, im Architektenbüro sowie in den Privatwohnungen von Heckmann und Hilverkus ablief. Der Vorwurf lautete: Heckmann habe den Architekten bei der Auftragsvergabe für die Pestalozzischule begünstigt. Dieser wiederum habe deshalb den Umbau/Anbau der Privatwohnung Heckmanns „günstiger“ abgerechnet. Neben diesem Korruptionsvorwurf wurde gegen Heckmann auch wegen Untreue zu Lasten der Stadt ermittelt.
Keine Zeitverzögerung
Die seit fast zwei Jahren beschlagnahmten Akten zur Pestalozzischule werden jetzt auch im Rathaus zurückerwartet. Der Architekt hat sie bereits. Eine zeitliche Verzögerung für den Schulbau habe es nicht gegeben, aber viel Fahrerei zur Akteneinsicht zur Staatsanwalt nach Köln, berichtet Amtsleiter Achim von Foller.
Denn die damalige Leiterin des Rechnungsprüfungsamtes, Mechthild Stock, hatte bereits in ihren Jahresbericht 2002 geschrieben: Der Stadt Wermelskirchen sei möglicherweise ein erheblicher Nachteil durch den zu hohen Anteilspreis von rund 6,06 Millionen Euro bei der Fusion der Stadtwerke mit der Bergischen Energie- und Wasser GmbH (BEW) entstanden. Zu dieser Vermutung hatte Stock harsche Kritik an Bürgermeister Heckmann in der Fusionsangelegenheit hinzu gefügt. Die Staatsanwaltschaft Köln war dann mit einem Großaufgebot erst im Jahr 2006 zur Razzia angerückt. Denn zu diesem Zeitpunkt waren die sogenannten „Lust-Reisen“, die auch die BEW mit Kommunalpolitikern veranstaltet haben soll, bei einer Sonderermittlungskommission aufs Tapet gekommen. Wie die BM exclusiv berichtete, werden diese Verfahren, auch gegen einen Angeklagten aus Wermelskirchen im Januar 2009 eröffnet.
Architekt Rolf Hilverkus zeigte sich gestern erleichtert über seine „Rehabilitation erster Klasse“: „Ich habe zwar von Anfang an gewusst, dass mir nichts vorzuwerfen war, aber es war ein langer Nervenkrieg, bis ich es jetzt endlich schriftlich bekommen habe“, sagte Hilverkus vor der Presse. Der Bescheid der Staatsanwaltschaft an Hilverkus besagt: „Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Köln wegen Korruptionsvorwürfen ist wegen erwiesener Unschuld eingestellt, so dass Sie vollständig rehabilitiert sind. Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass Sie im Hinblick auf die damalige Durchsuchung Entschädigungsansprüche geltend machen können.“ Dies wird Rolf Hilverkus nun auch tun. Allerdings hat er keine Möglichkeit, seine Anwaltskosten ersetzt zu bekommen.
Bisherige Berichterstattung unter www.rp-online.de/wermelskirchen
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