Wermelskirchen: Nachdenken in der Einsamkeit
VON KRISTINA DE GIORGI - zuletzt aktualisiert: 26.01.2009Wermelskirchen (RPO). Im voll besetzten Film-Eck berichteten Wermelskirchener Pilger über ihre Erlebnisse auf dem Jakobsweg und sprachen mit den Besuchern darüber. Zuvor wurde ein von Wolfgang Horn produzierten 95-Minuten-Film gezeigt.
Viele Prominente sind ihn schon gegangen: Frank Elstner, Verona Pooth, Shirley McLaine und jüngst Hape Kerkeling, der damit einen regelrechten Boom auslöste. Die Rede ist vom Jakobsweg. Wolfgang Horn produzierte einen Film, der nicht erklärt, sondern (Menschen) zeigt.
Im ausverkauften Kino fanden sich bei Vorschau und Diskussion neben den Wermelskirchenern Jürgen Drenk, Rainer Becker, Bettina Bernhard, Brigitte Wilke und Rüdiger Bornhold, noch zehn weitere unter den Zuschauern, die den Weg bereits bestritten haben.
Faszination, die ansteckte
Ein Faszination, die an diesem Abend ansteckte. Der Film lebt durch Bilder, Musik und von den vier Pilgern, die sich im Laufe ihrer Reise zu einem netten Trüppchen zusammenschließen. Die Situation ist ungeschönt, natürlich und zeigt menschliche Entwicklungen, die echt sind. Ganz ohne Hollywood.
Beim Anblick des Kölner Doms fühlten sich die Zuschauer gleich zuhause. Auch durch Wermelskirchen verläuft ein Teilstück des Jakobswegs, in den Hüpp-Anlagen befindet sich überdies eine Stele, die den Weg durch das Eifgen kennzeichnet. Dies wurde im Film zwar leider nicht gezeigt, doch fünf Wermelskirchener wussten im Anschluss an die Vorschau von ihren Erlebnissen zu berichten.
Eine intensive Erfahrung, darin waren sich alle einig. Doch bereits bei der Motivation unterschieden sich die Pilger. So ging der Wanderung bei Jürgen Drenk ein Fahrradunfall voraus, der ihn eine zeitlang ans Bett fesselte. "Da habe ich gemerkt, dass ich gut allein sein kann, dass es mir hilft." Im April möchte er den Weg noch einmal gehen, diesmal von Sevilla aus. 1000 Kilometer. "Man sah die Landschaft und hörte die Vögel, da konnte man gut zu sich kommen." Anfangsprobleme hatten sie alle: Rainer Becker und Brigitte Wilke hatten mit dem Gepäck zu kämpfen. "17 Kilo waren einfach zu viel", so Wilke. Sie startete von Wermelskirchen und ließ ihren Rucksack auf ihrer ersten Station in Altenberg zurück. Und Bornhold fasst lachend zusammen "Die Kunst beim Packen ist das Weglassen." "Die Suche nach sich selbst" steht beim Jakobsweg im Vordergrund. Bernhard und Bornhold liefen gemeinsam. "Durch meine Krankheit hatte ich das Gefühl, ich stehe neben mir. Die Wanderung gab mich mir selbst zurück", so Bernhard. Diese Erfahrung teilt Wilke. Sie lief allein und traf auf ihrer einmonatigen Wanderung durch Frankreich niemanden, konnte sich, des Französischen nicht mächtig, nicht verständigen. "Das war schon eine bittere Erfahrung. Aber wenn man jemanden anderer Nationalität trifft, funktioniert das Zusammenspiel trotzdem. Das ist faszinierend."
Jakobsweg ist für jeden
Der Jakobsweg ist für jedermann. Auch ist er keinesfalls katholisch, wie irrtümlich oftmals angenommen wird. "Man wird angerührt von der Kultur des Christentums, und die ist nunmal älter als Katholizismus und Protestantismus", weiß Bornhold. "Man muss sich auf den Camino einlassen, dann macht er was mit einem."
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