Wermelskirchen: Nicht mehr Polizei an Schulen
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 09.12.2006Wermelskirchen (RPO). Trotz der zunehmenden Amokläufe wünschen die örtlichen Schulen nicht mehr Polizeipräsenz, um keine Panik zu schüren. Die bisherigen Besuche und Hilfestellungen der Polizei im Unterricht sind aber weiter erwünscht.
„Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens“, hat NRW-Innenminister Ingo Wolf die Schulen und die Polizei angesichts der zunehmenden Gewaltttaten und -androhungen in den Schulen aufgefordert. Und gestern hat Schulministerin Barbara Sommer allen Wermelskirchener Schulen eine E-Mail geschickt, in der sie den Schulleitern nicht nur eine friedliche Advents- und Weihnachtszeit wünscht, sondern vor dem Hintergrund der tragischen Amokläufe an Schulen auch zu verstärktem Dialog mit der Polizei, mit Schülern und Eltern auffordert.
Polizei besucht die Schulen bereits
Der Leiter der Polizeiwache, Theo Althoff, wartet quasi stündlich auf Anweisungen aus dem Innenministerium, wie möglicherweise auch durch verstärkte Polizeipräsenz an Schulen auf die neuerlichen Gewaltandrohungen reagiert werden soll. Der Kontakt zu den örtlichen Schulen werde aber bereits sehr intensiv und regelmäßig gepflegt, betont Althoff.
Klein und übersichtlich
Unisono mit den übrigen Kollegen möchte auch Herbert Kuhlmann, der stellvertretende Leiter des Berufskollegs, keine zusätzliche Polizeipräsenz vor der Schule haben. Mit 1148 Schülern sei das Berufskolleg noch klein und übersichtlich: Es falle daher frühzeitg auf, wenn ein Schüler auffällig werde. Präventiv werde das Berufskolleg aber im nächsten Jahr an der vom Kirchenkreis geplanten Veranstaltung gegen Gewalt teilnehmen.
„Wir haben bei den Schulen bereits einen Fuß in der Türe“, sagt er. Regelmäßige Sprechstunden der Polizei, Ortseinsätze des Verkehrsdienstes, Besuche der Bezirksbeamten stünden bereits seit längerer Zeit fest auf dem Plan. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist sehr gut“, bestätigt denn auch der Leiter der Hauptschule, Gebhard Lehr. Der Bezirksbeamte Frank Preyer schaue regelmäßig in der Hauptschule vorbei. Und wenn in der Hauptschule Gefahr im Verzug sein solle, dann werde er auf jeden Fall sofort die Polizei rufen: „Es gibt zwar einen 40-seitigen Plan für Gefährdungslagen, den die Schulen vorliegen haben, aber der ist so in der Praxis gar nicht umsetzbar. Im Notfall würde ich immer auf die Polizei vertrauen, wir wären als Lehrer mit solch einer Situation doch überfordert“, weiß der Schulleiter. Eine verstärkte Polizeipräsenz würde er aber an der Hauptschule derzeit nicht befürworten: „Das würde nur unnötig Panik schüren, und wir müssen auch aufpassen, keine Trittbrettfahrer einzuladen“, betont Lehr. Außerdem sei die Hauptschule kein Gefängnis, sie solle immer noch eine offene Schule bleiben, wünscht sich Gebhard Lehr. Gegen eine verstärkte Polizeipräsenz spricht sich auch Auch Elke Bergmeister als stellvertretende Leiterin des Gymnasiums aus: „Die meisten unserer 1400 Schüler sind wirklich nett und freundlich, wir haben hier immer noch einen Garten Eden“, freut sich Elke Bergmeister. Dennoch sei das Gymnasium gemeinsam mit der Polizei auch bereits präventiv tätig geworden: „Die Polizei hat bei uns in der Jahrgangsstufe acht ein Anti-Gewalt und Anti-Mobbing-Training durchgeführt. Das werden wir auch noch in der neunten Klasse anbieten.“ Auch habe eine Fragebogenaktion in der Jahrgangsstufe acht zum Thema Gewalt stattgefunden, ganz bewusst damit im richtigen Alter, in dem die jungen Menschen noch nach Orientierung suchten und manchmal auch mit der eigenen Aggressivität zu kämpfen hätten. In Lerngruppen werde das Ergebnis jetzt pädagogisch aufgegriffen.
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