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Wermelskirchen: Parken erhitzt Gemüter

VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 13.03.2010

Wermelskirchen (RPO). Seit der Umstellung des Parksystems gibt es in Wermelskirchen wieder nur ein Thema. Gegen die 30-Minuten-Regelung wehrt sich nun ein Arzt, der auch die Kassenärztliche Vereinigung einschaltet.

Info

Rechtsanwalt sagt:

"Ich habe mich ausdrücklich für das 30-Minuten-Parken in der Innenstadt eingesetzt", sagt Bernhard Schulte, SPD-Ratsherr und Rechtsanwalt. Denn die wenigsten wüssten offenbar, wie diese Regelung zu verstehen sei.

Schulte verweist auf Paragraph 13, Absatz zwei der Straßenverkehrsverordnung: "Das ist eine Mussvorschrift", betont der Rechtsanwalt. Und die besage, dass die Parkscheibe beispielsweise bei Ankunft um 11.01 Uhr immer auf die nächste halbe Stunde, also auf 11.30 Uhr, eingestellt werden müsse (!).

Und dann gelte die Parkzeit tatsächlich in diesem Falle bis 12 Uhr, also tatsächlich sogar bis zu 59 Minuten.

"Eine halbe Stunde Parken, das hört sich sehr kurz an. Aber de facto sind es bereits 45 Minuten", sagt Bürgermeister Eric Weik über die neue Regelung an der Telegrafenstraße, Kölner Straße, Carl-Leverkus-Straße und am Bügeleisen. Er reagiert damit auf die Kritik vieler BM-Leser über dieses neue Parksystem. Sie hatten eine Verlängerung der Parkzeit im Innenstadtkern gefordert. Weik verdeutlicht: Wer seine Parkscheibe jedoch beispielsweise um 16.15 Uhr auf 16.30 Uhr einstelle, was völlig legal sei, der habe dann auch bereits de facto 45 Minuten Parkzeit. "Weniger als 30 Minuten hat niemand", betont Weik. Der Bürgermeister ärgert sich aber mächtig über einige Zeitgenossen, die unerlaubt auf dem Rathausvorplatz am Stadtcafé parkten: "Die bekommen jetzt Knöllchen!", kündigt Weik an.

Arzt schreibt offenen Brief

In die Diskussion über das neue Parksystem schaltet sich jetzt auch der Arzt Volker Rompcik ein. Er schreibt einen offenen Brief an den Bürgermeister und an die Kassenärztliche Vereinigung: "Die kürzlich beschlossene Parkregelung für die Wermelskirchener Innenstadt mit Abschaffung der Ganztagesparkzone im Parkhaus und der 2-Stunden-Parkzone der zentralen Telegrafenstraße macht vielen meiner Patienten den Praxisbesuch kaum noch möglich. Binnen 30 Minuten Parken, zur Praxis gehen, ggfs als Notfall dazwischengenommen werden, dann noch zur Apotheke.... wie bitte soll das funktionieren??", fragt der Arzt an. Und gibt zu bedenken: "Zumal, wenn man noch Herzbeschwerden oder einen Hexenschuss hat oder gar eine Infusion benötigt?"

Binnen fünf Minuten dranzukommen, wäre bereits für einen Terminpatienten in den vollen Landarztpraxen ein Grund zur Freude, weiß Rompcik. Er schreibt weiter: "Ich kann da mit meinen Patienten nur mitfühlen, insbesondere mit den Alten und Schwachen. Und wo soll der Doktor parken, der ja auch mal zu einem dringenden Hausbesuch muss?" Im Übrigen erlaube er sich, die Frage stellen zu dürfen, warum Angestellte der Stadtverwaltung frei in der Garage parken dürften, ebenfalls steuerzahlende Bürger aber nicht. "Hätten wir diese Sonderregelung nicht und müssten alle Bürger, auch Ratsmitglieder, sich Parkplätze suchen, so bin ich sicher, die Entscheidung des Stadtrates wäre anders ausgefallen", meint der Arzt. Und Volker Rompcik bittet, die getroffene Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Das Thema Parken beschäftigt auch BM-Leser Günter Klein, seitdem das neue System eingeführt worden ist. Dem Wermelskirchener ist aufgefallen, dass zwar mittlerweile Schilder mit der Aufschrift "Außer Betrieb" an den stillgelegten Parkautomaten angebracht worden sind.

Aber er fragt sich: "Was fangen denn Auswärtige damit an?" Denn es fehlten Angaben zur neuen Parkscheibenregelung als Zusatz zu diesen Schildern. "Wer die Zeitung nicht gelesen hat oder nicht aus Wermelskirchen stammt, der weiß jetzt doch überhaupt nicht, wie und wo er hier noch parken darf", beklagt der BM-Leser.

www.rp-online.de/wermelskirchen

Quelle: RP

 
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