Wermelskirchen: Parkhaus hält Käufer fest
VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 28.12.2010Wermelskirchen (RPO). Einkaufsimpulse gibt es nur im Facheinzelhandel – nicht in einem Einkaufszentrum: So äußert sich Einzelhändler Jörg Michels. Dennoch sehen andere Einzelhändler eine Chance für die Innenstadt – wenn das Konzept stimmt.
Als sich Gerhard Uhle im Sommer erstmals den Einzelhändlern stellte, überwog die Angst, die Skepsis und die Kritik am Projekt. Die Angst zeichnet sich derzeit nicht mehr ab, aber es sind noch viele offene Fragen, die die örtlichen Händler gern beantwortet haben möchten.
Jede Veränderung sei positiv an diesem Standort, ein Leerstand des ehemaligen Kaufhauses eher schlecht: Diesen Standpunkt vertritt Patrick vom Stein (Datentechnik vom Stein). Dass ein Investor das Kaufhaus übernommen habe, sei gut für Wermelskirchen.
Die Folgen für den Verkehr und den Handel aber könne man nicht absehen. Und: "Uhle gibt immer noch keine Antwort auf die Frage, was an Lebensmittel- und Verbrauchermarkt kommt. Und wie viel Fläche er für den Einzelhandel oder für Filialisten bereitstellt." Erst wenn er damit rauskomme, wisse man, was den Einzelhandel erwartet.
Der Plan
Gebäudekomplex Das Einkaufszentrum bekommt zwei teilgeschlossene Parkebenen und ein offenes Parkdeck.
Parken 350 bis 400 Parkplätze
Eröffnung Im Frühjahr 2012 möchte der Investor öffnen.
Ein Gutachten zur Begründung des Lärms und zur Begründung der Verkehrsführung finden Sie hier.
Er sei schon im Sommer skeptisch gewesen bei der Ankündigung, einen Elektronikmarkt zu etablieren: "Die Großen werden ihre Standorte in den Nachbarstädten nicht gefährden, und die Kleinen haben zu wenig Beständigkeit." Er habe seit zwölf Jahren Stammkunden und fürchtet Uhle daher nicht. Wie schon im Einzelhandelsgutachten beschrieben, sehe er eher für Kölner Straße, Loches-Platz und Eich Schwierigkeiten.
Als Frequenzbringer für die Stadt könne das neue Einkaufszentrum wirken, so Peter Jörgens (Monalisa). "Aber es muss die richtige Mischung sein." Schon heute spüre man das Fehlen des Ringkaufhauses. Leider habe Gerhard Uhle noch nicht erklärt, wen er als Ankermieter hole und wie viele Ladenlokale ins neue Einkaufszentrum kommen werden.
"Grundsätzlich empfinde ich es als positiv, und wir werden Uhle schon verkraften. Aber es darf kein Ringtausch erfolgen, also örtliche Einzelhändler ihren Standort verlassen und ins Kaufhaus ziehen, und Uhle muss ein vernünftiges Konzept vorlegen. Dann wird's schon was."
Wobei er die Zukunft für die Kölner Straße, an der er sein Geschäft hat, nicht als rosig ansieht: "Die Kölner Straße stirbt. Das merke ich jetzt schon."
Keine Bereicherung
Nach wie vor schärfster Kritiker ist Jörg Michels (Sweetex). "Ich bin nicht gegen eine Weiterentwicklung dieser Stadt. Im Gegenteil. Aber die Zukunft liegt im Facheinzelhandel. Dafür kommen viele Kunden auch aus den umliegenden Städten zu uns." Wermelskirchen gehe aber jetzt den verhängnisvollen Weg anderer Städte – und baue an zentraler Stelle ein Einkaufszentrum. "Das ist keine Bereicherung für die Stadt im Allgemeinen."
Jetzt gehe der Kunde im Dreieck: Telegrafenstraße-Carl-Leverkus-Straße-Kölner Straße. Dort bekomme er Einkaufsimpulse. Ein Einkaufszentrum mit 400 kostenfreien Parkplätzen hingegen halte die Kunden im Gebäude fest - "sie erledigen alle Einkäufe unter einem Dach. Warum soll der Kunde dann wegen einer Bluse noch durch die Stadt laufen?"
Er erwartet, dass bei vielen Facheinzelhändlern der Uumsatz wegbreche. Er habe sich inzwischen breit aufgestellt und brauche nichts zu fürchten. Er hätte sich gewünscht, dass der Facheinzelhandel weiter ausgebaut werde. "Damit können andere Städte nicht punkten." Doch wer komme schon aus Nachbarstädten in ein kleines Einkaufszentrum? "Die fahren doch gleich weiter nach Remscheider oder LEverkusen."
Das Uhle-Projekt ist für Ulrich Heldt (Küchenstudio Heldt) nie ein Sorgenfaktor gewesen – auch wenn er auf der unteren Eich seit 30 Jahren bald als einziger Einzelhändler die Stellung hält. "Wir setzen auf Stammkunden." Leider sterbe drumherum alles weg. Das sei schwierig. Er sieht mehr WiW-Marketing gefordert, hier mehr zu tun. "Wir fühlen uns einfach vernachlässigt."
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