Wermelskirchen: Polizei – Parteien kränkeln
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 03.12.2010Wermelskirchen (RPO). Auf das Debakel im Hauptausschuss mit Werbeblock von Landrat und Kreispolizei für die Verlegung derPolizeiwache kommt Kritik an den Parteien auf. Sie missachteten die Probleme der Bürger und schotteten sich ab.
Aus seinem Bürofenster blickt Bürgermeister Eric Weik jetzt immer öfter: Nicht, weil die Schneeflocken so idyllisch auf den Rathausplatz rieseln, auch nicht, weil er sich am Schreibtisch langweilen würde. Im Gegenteil! Aber der Bürgermeister beobachtet, wie viele Bürger täglich in die Polizeiwache gehen. "Und das sind etwa 50 am Tag, auf jeden Fall deutlich mehr, als die Kreispolizeispitze es behauptet", sagt Weik.
"Immer Betrieb an der Wache"
Denn Kreispolizeichef Manfred Frorath hatte am Montag im Hauptausschuss von zehn Bürgern gesprochen, die durchschnittlich pro Tag "freiwillig" die Wache an der Telegrafenstraße aufsuchten. Er zähle aber nicht die Beschuldigten: "Darunter sind auch Leichlinger. Und Beschuldigten kann man einen weiteren Weg zur Polizeiwache auch zumuten", hatte Frorath in öffentlicher Sitzung ausgeführt.
Keine Stellungnahme
Christian Lindner Der Wermelskirchener FDP-Kreisvorsitzende Christian Lindner MdB wollte auf Nachfrage der Bergischen Morgenpost zur geplanten Schließung der Polizeiwache in seiner Heimatstadt keine Stellungnahme abgeben.
Grund Lindner ließ durch eine Mitarbeiterin in seinem Presseteam ausrichten, er sei nicht "im Thema".
Auskünfte Lindner bestellte Grüße an seine Heimatstadt und ließ ausrichten, er sei aber generell ansonsten bereit, Berichte aus Berlin zu geben.
Bürgeranfragen an Christian Lindner unter:
Diese Äußerung hält Weik aber für bedenklich: "Wenn ich Leute zähle, die in die Polizeiwache müssen, dann sind für mich alle gleich. Oder sind Beschuldigte für die Polizei etwa schon Verurteilte?", fragt der Bürgermeister kritisch nach. Zudem bezweifle er auch die Angabe Froraths, dass nur durchschnittlich zehn Bürger pro Tag die Wache aufsuchten: "Ich sehe von meinem Fenster aus, dass da eigentlich immer Betrieb herrscht", sagt Weik.
Die Beschäftigung mit dem Thema Polizeiwache nimmt auch im Internet nach wie vor einen großen Raum ein. Die SPD Wermelskirchen begründet auf ihrer Seite ihren "Antrag zur Verlegung der Polizeiwache", die sie unter bestimmten Bedingungen, wie etwa der Beibehaltung der öffentlichen Sicherheit, akzeptiere. SPD-Gastmitglied Wolfgang Horn beklagt in seinem Blog angesichts der mehr als 7000 Unterschriften, die die 17-jährige Schülerin Lisa Zajons gegen die Verlegung der Polizeiwache gesammelt hat: "Bürger und Parteien sprechen nicht mehr dieselbe Sprache."
Was den Bürgern Problem ist, werde von der Mehrheit der Parteien am Ort nicht als Anlass gesehen, das Gespräch mit dem Bürger zu suchen, sich einzumischen und für Zustimmung zu werben. Das Ergebnis sei, so Horn: "Die Parteien, mein Ortsverein inklusive, haben mal wieder eine Politikgelegenheit ausgelassen. Der Ortsverein macht die Welt zur Scheibe. Im abgeschotteten Raum des Kneipenhinterzimmers regieren Selbstgenügsamkeit und Intransparenz und wird kein Blick frei auf die pralle Welt der Kugel", schreibt Horn.
Er fügt aber auch hinzu: "Das gilt alles nicht nur für den sozialdemokratischen Ortsverein." Auch andere Parteien kränkelten gleichermaßen. Horn zitiert dazu den jungen SPD-Bundespolitiker und Autoren Hanno Burmester: "Die Parteien haben immer noch nicht begriffen. wie irrelevant sie für das Alltagsleben der Bürgerschaft inzwischen geworden sind. Die Parteien müssen mit der Gesellschaft Schritt halten. Ansonsten gehen sie unter."
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