Wermelskirchen: "Reden schwingen kann er ja.."
VON JANINA LENZ - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012Wermelskirchen (RP). Beim Sitzungskarneval der KG Rot-Weiß St. Michael müssen die Honoratioren der Stadt und der Kirche den karnevalistischen Spott ertragen. Bürgermeister Eric Weik wurde als neuer "Wetten dass.."-Moderator gehandelt.
Man stelle sich vor, das Jahr hätte nur vier Jahreszeiten: Auf Frühling folgen Sommer, Herbst und Winter – und das immer und immer wieder. Aber fehlt da nicht etwas? Was wäre unsere Stadt ohne die fünfte Jahreszeit? Der Karneval der Karnevalsgesellschaft (KG) Rot-Weiß St. Michael erreicht mit der Sitzung im Bürgerzentrum jährlich ihren Höhepunkt und blieb auch 2012 ihrem Motto treu: "St. Michael beGEISTert."
Mit musikalischen Highlights der 'Botzenträger' und der 'Bröder', den Auftritten der 'Grunewalder' und 'Rut Wiess Dabringhausener' Tanzmariechen sorgten besonders bewährte Programmpunkte für ausgelassene Stimmung.
Jüngster Elferrat
Erstmals in der Geschichte der KG Rot-Weiß St. Michael trat der jüngste Elferrat aller Zeiten zusammen. Marco Inden leitete seine erste Sitzung und kam gut bei den Wermelskirchenern an. "Unser Anspruch ist es, in Zukunft ein jüngeres Publikum zu ziehen. Wir möchten sowohl für unser Team junge Leute begeistern als auch gerne bei unseren Sitzungen begrüßen", erklärte Günther Klein.
Ohne lokale Büttenreden kommt (zum Glück) keine Sitzung der KG aus. So hatte der "jecke Klerus der KG", wie Sitzungspräsident Marco Inden Pfarrer Michael Knab, Pastoralreferent Stefan Haas, Gemeindereferentin Monika Eschbach und den spanischen Zuwachs Ricardo Fogues bezeichnete, schnell die Politik im Fokus. "Die Stadt ist so pleite, dass sie in diesem Jahr sogar den Schnee abbestellt hat, um den Winterdienst zu sparen", spotteten sie in Richtung der Sparpläne der Politiker. Bürgermeister Eric Weik habe sogar eine Umfrage gestartet, um das Unwort der Dellmänner zu erfragen: Wanderbaustelle. "Das ist eine Baustelle, die mit der Geschwindigkeit einer Wanderdüne von Tente an die Unterstraße wandert und wieder zurück."
Doch auch der Klerus selbst musste Spott über sich ergehen lassen. Die "allein erziehende Ehefrau" alias Helga Schröder riet den Pfarrern, eine Predigt in Zukunft wie einen Minirock aufzubauen: kurz, knapp, anregend und doch alles Wesentliche umfassend. Auch zur die Trinkfreudigkeit der Wermelskirchener gab es eine Erklärung: "Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass wir nur Wasser trinken, hätte er nicht 90 Prozent davon versalzen."
Eric Weik bekommt neuen Job
Als "Mottoqueen" hatte Helga Schröder für die Namensgebung der Karnevalssession gesorgt. "Wir möchten zeigen, dass die Geistlichkeit lustig sein kann und dass wir trotz der finanziellen Lage in der Stadt oder auf der Welt ein tolles Karnevalsprogramm auf die Beine stellen können", erklärte der Vorsitzende Günther Klein. Vielleicht muss Bürgermeister Weik auch deshalb bald beim ZDF aushelfen, um die Haushaltskassen aufzubessern. "De Bröder" (Erhard und Winfried Miotk) präsentierten den ersten Bürger mit einem Augenzwinkern als neuen "Wetten, dass...?"-Moderator. Reden schwingen könne Weik ja... Der nahm's als Pirat verkleidet humorvoll und versuchte sich mit den "Brödern" gesanglich auf der Bühne.
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