Wermelskirchen: Schneeschicht schützt Käfer
VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Wermelskirchen (RPO). Die leichten Minustemperaturen können den Borkenkäfern nichts anhaben. Förster bittet Hundebesitzer, die Vierbeiner nur angeleint auszuführen: Belastung für gehetztes Wild wird im Winter sonst noch größer.
Wolfgang Müller steht am Straßenrand in Heidchen und blickt nach Süden. Langsam reißt die Wolkendecke auf. Ganz zaghaft kommt die Sonne durch. Minus zwei Grad Celsius ist es. "Das ist doch herrlich. Das Wetter könnte so noch ein paar Wochen anhalten." Der Revierleiter im Regionalforstamt Bergisch Land ist unterwegs in seinem "Revier Wermelskirchen". "Auch wenn die Menschen inzwischen stöhnen über diesen langen Winter: Aber dies ist eigentlich ein normaler Winter wie früher. Aber so etwas haben wir in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr erlebt – und daher vermutlich aus unserer Erinnerung gestrichen."
1800 Hektar Wald
Revierleiter Wolfgang Müller betreut in Wermelskirchen den Privatwald und ist hoheitlich zuständig auch für den Stadtwald und den des Wupperverbandes. Der Privatwald umfasst 1800 Hektar.
Während die Bürger über die Schneemassen in Innenstadt jammern und die Bewohner in den Außenortschaften inzwischen wieder froh sind, freie Straßen zu haben, liegt der Wald unter einer dichten Schneeschicht. "Selbst der Schneebruch ist noch gering. Wir hatten durch die lange Frostperiode nicht den Nassschnee-Bruch wie wiederholt in den vergangenen Jahren", so Müller.
Nassschnee ist gefährlich
Sicher hat es immer wieder auch in den vergangenen Tagen Schneebruch gegeben. Vor allem wohl im Laubholz, wo besonders dicke Äste unter dem Nassschnee-Last abbrachen und zu Boden stürzten. Deshalb hatte die Stadtverwaltung als Waldbesitzer in der vergangenen Woche gewarnt, die Wälder zu betreten beziehungsweise auf einen Waldspaziergang zu verzichten.
Haben die Waldbesitzer nun die Hoffnung, dass die Borkenkäfer-Brut nun endgültig "einfriert"? Müller lacht nur. "Wir waren anfangs auch mal der Meinung, dass ein wenig Frost genügt. Doch das ist nicht der Fall." Der leichte Dauerfrost der vergangenen Wochen würde den Borkenkäfern nichts anhaben. "Der Frost ist gerademal fünf bis sechs Millimeter in die Bäume gegangen. Das ist nicht viel." Und die meisten Käfer würden als Larven sowieso im Boden überwintern – und die dicke Schneeschicht liegt da wie ein Schutzpanzer drüber. "Gegen die Borkenkäfer-Plage helfen nur Temperaturen um wenigstens minus 20 Grad Celsius – über einen längeren Zeitraum. Die zwei Tage im zweistelligen Bereich waren einfach zu wenig", weiß Müller. Daher setzt er auf feuchtwarmes Wetter – dann würden die Borkenkäfer verpilzen.
Und doch gibt es Leidtragende. Es ist das Wild. Wenn der Schnee antaue und wieder gefriere, bilde sich eine Harschschicht. "Dann schneiden sich die Tiere die Beine auf, wenn sie gehetzt werden", berichtet Müller. Deshalb bitte er Hundehalter, in diesen Wintertagen ihre Vierbeiner an der Leine zu führen. "Das Wild hat schon wenig Futter. Werden sie jetzt noch durch Hunde gehetzt, wird die Belastung durch Stress noch größer."
Fliegende Händler unterwegs
Ärger haben in diesen Tagen etwa vier bis fünf Waldbesitzer, die nicht organisiert sind oder einen schnellen Euro verdienen wollten. "Es sind fliegende Händler unterwegs. Die zahlen bar und denken natürlich nur an ihren Profit. Entsprechend sehen die gerodeten Flächen aus – waldwirtschaftliche Nachhaltigkeit ist denen ein Fremdwort."
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