Wermelskirchen: Schöne Lieder und ein schweigendes Publikum
VON BERND GEISLER - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012Wermelskirchen (RP). Wunderbar schöne, einschmeichelnde Lieder, eine Sängerin mit einer Stimme, die aus dem Vollen schöpfen kann, ein Gitarrist, dessen Instrument genau das tut, was er will: Mit diesen "Zutaten" hätte das Konzert von Christina Lux und Gitarrist Reentko zu einem luxuriösen Abend aufsteigen können. Doch leider, leider verebbten ihre wunderbaren Melodien in einem mehr schweigenden als mitmachenden Publikum in der kleinen Halle der Katt.
Nur sanfter Kerzenschein
"Es werde Lux, und es ward Lux": Mit dieser beschwörenden Formel wollte die Sängerin das ganz große Licht anzünden, heraus kam indes nur sanfter Kerzenschein. Auch nicht schlecht – für alle frisch Verliebten, für alle Sitzengelassenen, für alle irgendwie Betroffenen in schwermütiger Stimmungslage. Aber der Rest? Die Leute wollen an einem Samstagabend Spaß haben, sich bewegen, nicht unbedingt abrocken, aber immerhin mitgehen. Das wollte sicherlich die Lux auch. Mehrfach forderte sie ihr Publikum auf, zumindest mit den Fingern mitzuschnippen. Doch die Leute hingen fasziniert, aber still an ihren Lippen: Nur nicht die beschauliche musikalische Atmosphäre und die noch beschaulichere Stimmung der philosophierenden Lux'schen Zwischenbemerkungen stören!
Mit ihren Liedeinleitungen – zum Beispiel zu "Sanctuary" (Zuflucht) – traf Christina Lux freilich bei so manchem ins Schwarze. Mit dem Effekt, dass der Betroffene über sein eigenes Leben ins Grübeln kam und dabei die zarte Ballade als wohligen Hintergrundsound genoss. Und irgendwann ging das schöne Lied zu Ende, die eigenen Träume aber noch lange nicht – und dann war auch noch Klatschen angesagt! Das konnte ja nur halbherzig gelingen.
Die beiden Künstler vermittelten auf der Bühne eine wundersame Zweisamkeit, ein Verstehen mehr mit Blicken denn mit Worten. Zwischen beiden spannen sich unsichtbare, wie von feinen Elfen gewebte märchenhafte Fäden einer behutsamen intimen Stimmung. Es war richtig schön, das mitzukriegen. Doch welches Publikum will solch eine faszinierende Seelenlage durch lautes Beifallsgejohle stören? Nein, da lassen wir doch lieber die Künstler unter sich und kuscheln uns ansonsten ganz eng zusammen – bei vorhandener Partnerschaft versteht sich. Und sollte die nicht vorhanden sein, trösten wir uns mit einem Tränchen im Auge und mit einem Lux-Song: "Es ist gut so."
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