Wermelskirchen: Schule braucht Sozialarbeiter
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 26.02.2008Wermelskirchen (RPO). Der Suizid der 14-jährigen Wiebke hat etwas ins Rollen gebracht: Die Realschule hofft jetzt auf einen eigenen Sozialarbeiter. Das Gymnasium betrachtet sich nicht als „heile Welt“ und ist froh über die Hilfe vom Jugendamt.
„Die Kinder sind heute viel mehr alleine gelassen als früher. Sie sind ganz anderen Reizen und Gefahren ausgesetzt“, weiß Realschulleiter Bernhard Meier. Diese Beobachtung macht er nicht erst seit dem Suizid der 14-jährigen Realschülerin Wiebke. Er macht sie seit Jahren und fordert ebenso lange schon dringlich einen eigenen Sozialarbeiter für die Realschule.
Wie notwendig dies sei, zeige auch die gut genutzte Sprechstunde des Jugendamtes: Da gehe es längst nicht mehr nur um den Suizid und die Trauerbewältigung, sondern oft auch um Probleme in der Freizeit, im häuslichen Umfeld der Jugendlichen. So habe eine Umfrage nach den häuslichen Verhältnissen in einer beliebigen Klasse ein erschreckendes Ergebnis erbracht: „Die Hälfte der Kinder hat angegeben, dass sie nicht in einer intakten Familie lebt. Und das muss nichts mit Alleinerziehenden zu tun haben“, betont Bernhard Meier.
Schulsprechstunden
Das Jugendamt hat Sorgensprechstunden bislang an den weiterführenden Schulen eingerichtet, die keine eigenen Sozialarbeiter haben. Diplom-Sozialarbeiterin Britta Wagner ist in der Realschule im Einsatz, weil sie als Kontaktperson des Kinder-und Jugendparlaments an dieser Altersgruppe nah dran ist. Stadtjugendreferent Michael Haaser hat seine Sprechstunden im Gymnasium. Dort wenden sich bislang in der Hauptsache die Kinder der fünften und sechsten Klassen mit ihren Nöten an ihn. Streetworkerin Miriam Schönhals hat sich die Sprechstunden im Berufskolleg ausgesucht, weil sie diese Altersgruppe auch über ihre Tätigkeit bei der Jugendgerichtshilfe kennt.
„Für solche Probleme brauchen die Kinder eben eine neutrale Ansprachperson, die ihnen keine Noten geben muss“, sagt Meier, der sich mit seiner Forderung nach einem Sozialabeiter jetzt aber “auf einem guten Weg sieht“. Denn erstmalig sei im Amtsblatt darauf hingewiesen worden, dass künftig alle weiterführenden Schulen eigene Sozialarbeiter, allerdings anstelle einer Lehrerstelle, bekommen sollen. „Ich wäre froh über einen Sozialarbeiter, dann allerding nicht anstelle eines Lehrer“, betont der Realschulleiter.
„Gymnasium ist keine heile Welt“
„Auch das Gymnasium ist nicht die heile Welt. Immer häufiger haben Schüler seelische Probleme“, stellt Elke Bergmeister, die kommissarische Leiterin des Gymnasiums, fest. Die Probleme häuften sich einerseits, andererseits gebe es immer mehr Jugendliche, die über ihre seelischen Probleme tatsächlich auch sprechen: „Und das ist gut so!“, unterstreicht die Pädagogin.
Diese Entwicklung bemerkt Elke Bergmeister nicht nur nach dem Suizid der 14-jährigen Wiebke, der auch die Gymnasiasten nachhaltig beschäftige, sondern davon unabhängig bereits seit geraumer Zeit. Sie ist deshalb auch froh und dankbar, dass das Jugendamt in Form einer Sorzialarbeiter-Sprechstunde auch dem Gymnasium Hilfestellung leistet. „Auch wenn diese Sprechstunden noch nicht so voll sind, man sollte sie auf jeden Fall bis zum Ende des Schuljahres beibehalten, denn es muss sich schließlich erst Vertrauen aufbauen“, weiß Elke Bergmeister.
Sie kann aber den Hilfestellung und Ansprechpartner suchenden Gymnasiasten noch einen weiteren, hausinternen Weg weisen: So seien nicht nur die Schulpfarrer ansprechbar, sondern auch der in Psychologie ausgebildete Lehrer Hans Käsbach. Dieser werde bereits seit vielen Jahren von den Schülern regelmäßig ins Vertrauen gezogen, berichtet sie.
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