Wermelskirchen: SPD will Weiks Geschenk nicht
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 13.10.2009Wermelskirchen (RPO). Lange hat SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein für die Erklärung gebraucht, Christel Reetz nicht wieder erste stellvertretende Bürgermeisterin werden zu lassen. In einem Brief an Weik erklärt er die SPD als eigenständig.
Die SPD-Fraktion hat Christel Reetz verwehrt, wieder erste Stellvertreterin des Bürgermeisters zu werden. Darüber ist die langjährige SPD-Ratsfrau (wie wir berichteten) ebenso konsterniert wie Bürgermeister Eric Weik und das Bündnis, die diese erfahrene und integrative Persönlichkeit gerne wieder in dieser wichtigen Funktion für die Stadt gesehen hätten. SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein, unter dessen Regie die Fraktionsentscheidung gegen Reetz gefallen ist, hat nun nach fast einer Woche des Überlegens doch noch eine Erklärung zu diesem Vorgang abgegeben.
Weik: "Ich bin kein Pferd"
Auf den nur lapidaren Satz zu Beginn der Woche auf Nachfrage der BM, die SPD werde definitiv in der Bürgermeister-Stellvertreterfrage keine Zählgemeinschaften eingehen, folgt nun Bilsteins offener Brief an den Bürgermeister. Überlegt hat sich Bilstein inzwischen den historischen Vergleich aus dem alten Troja, in das die griechischen Feinde getarnt in einem Holzpferd eingefallen waren. Bürgermeister Eric Weik sagt dazu: "Ich verstehe den Vergleich nicht, ich bin kein (Holz)-Pferd mit versteckten Truppen."
Wer bestimmt im Rat?
Auf den 26. Oktober ist die erste Ratssitzung der neuen Wahlperiode terminiert. "Ich weiß aber bis heute nicht, wer bei CDU und SPD meine Ansprechpartner sein werden, wie sich diese Fraktionen und Parteien nach ihrer Wahlniederlage neu aufstellen", bedauert Bürgermeister Eric Weik. Es sei höchste Zeit, dass diese Fraktionen Konsequenzen aus ihrer Wahlniederlage zögen, "damit man endlich wieder arbeiten kann", so Weik. Und er betont: "Ich gebe die Hoffnung überhaupt nicht auf, im Stadtrat doch noch vernünftig arbeiten zu können." Aber dazu müsse er auch die entsprechenden Ansprechpartner wissen und haben.
Bilstein fordert in seinem Brief das Recht des Beschenkten für die Sozialdemokraten ein, das Geschenk abzulehnen, Christel Reetz wieder zur stellvertretenden Bürgermeistermeisterin zu machen. Bilstein begründet dies so: "Hätten wir das Angebot angenommen, so wären wir zum Knüppel gegen die CDU-Fraktion geworden, mit der wir über viele Monate vertrauensvoll zusammengearbeitet haben und die als größte Fraktion im Rat nicht völlig unbegründet ein solches Amt (Bürgermeister-Stellvertreter) für sich reklamiert."
Stellt sich die SPD neu auf?
"Doch im nächsten Absatz widerspricht sich Bilstein selbst", sagt Weik zu dem Brief und zitiert die Passage: "Wer sich, wie die SPD Wermelskirchen nach einer Wahlniederlage neu aufstellen muss, sollte sich an alte Fehler erinnern, um neue zu vermeiden. Daher hat meine Fraktion mit überwältigender Mehrheit beschlossen, im gleichen Abstand zu allen anderen Fraktionen, eigenständig (!) in die neue Ratsperiode zu gehen", schreibt Bilstein dann aber.
Für Bürgermeister Eric Weik werfen diese widersprüchlichen Aussagen aber nach eigenen Worten "nichts als Fragen auf": "Stellt sich die SPD denn nun tatsächlich neu auf? Wer ist dann überhaupt mein Ansprechpartner? Hat noch die alte SPD-Fraktion oder schon eine neue, die ich aber nicht kenne, die Ablehnung von Christel Reetz beschlossen? Setzen SPD und CDU ihre Zusammenarbeit doch fort?", fragt sich der Bürgermeister angesichts des Briefes von Jochen Bilstein.
Und Weik fordert: "Die SPD, die über Jahre Niederlagen angehäuft hat, muss sich jetzt einfach personell neu aufstellen. Daran führt kein Weg vorbei." Er möchte sich mit Bilstein aber zu einem persönlichen Gespräch treffen, kündigt Weik an.
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